Vitamin B Mediziner glauben an einfache Waffe gegen Alzheimer

Die Einnahme von Vitamin B könnte Senioren mit leichtem Gedächtnisschwund vor Alzheimer schützen. Die Substanz kann den natürlichen Hirnschwund verlangsamen, haben Forscher herausgefunden. Sie warnen aber vor zu hohen Dosen.
Reis als Schutz gegen Alzheimer? Vitamin B kommt in vielen Lebensmitteln vor

Reis als Schutz gegen Alzheimer? Vitamin B kommt in vielen Lebensmitteln vor

Foto: ? Lee Jae Won / Reuters/ REUTERS

Vitaminpillen schlucken gegen Alzheimer. Ist es wirklich so einfach? Nicht nur Forscher und Ärzte suchen nach einer simplen und wirkungsvollen Waffe gegen den geistigen Zerfall. Auch die Lebensmittelindustrie ist schon längst auf den Zug aufgesprungen und versucht, Nahrungsmittel mit angereicherten Nährstoffen, sogenanntes Functional Food, als Möchtegern-Medikamente gegen Demenz und andere Erkrankungen zu verkaufen.

Was Vitamine und andere Nährstoffe tatsächlich können, und wann ihre Wirkung an ihre Grenzen stößt, wird so schnell nicht vollständig zu klären sein. Wie so oft dürfte die Wahrheit irgendwo dazwischen liegen: Doch eine gesunde und vitaminreiche Ernährung kann vor bestimmten Erkrankungen schützen; das zeigt jetzt auch eine aktuelle Studie im Fachmagazin "PLoS ONE" : Demnach könnte Vitamin B eine wirksame und durchaus preiswerte Waffe gegen die Altersdemenz sein. Vitamin B ist beispielsweise in Fleisch, Fisch, Eiern, Reis und grünem Gemüse enthalten.

Die verordneten Vitamine hätten auf die Hirnstruktur eine schützende Wirkung und beugten dadurch Alzheimer vor, berichten die Forscher. Der Effekt beruht darauf, dass Vitamin B am Abbau der Aminosäure Homocystein beteiligt ist. Ein erhöhter Homocysteinspiegel im Blut kann zu Schädigungen der Blutgefäße führen und Alzheimer fördern.

Bei der Untersuchung von Forschern der britischen Universität Oxford und aus Norwegen zeigte sich, dass die tägliche Einnahme des Vitamins bei älteren Menschen das Schrumpfen des Gehirns eindämmen kann.

Verlangsamung des Hirnschwunds

Die Schwächung der kognitiven Leistungsfähigkeit ist ein natürlicher Teil des Alterungsprozesses. Bei Menschen mit Anzeichen eines "mild cognitive impairment" (MCI, siehe Kasten links), einer Art Vorstufe von Alzheimer und anderen Demenztypen mit kleineren Gedächtnislücken und Sprachproblemen, zeige sich die Entwicklung jedoch stärker als bei anderen. Vor allem diesen Patienten, die sehr oft eine Demenz entwickeln, könne durch Vitamin B womöglich geholfen werden.

Für die Studie wurden 168 Freiwilligen über 70 Jahre, die Anzeichen von MCI zeigten, über einen Zeitraum von zwei Jahren entweder eine hohe Dosis der Vitamintypen B6 und B12, oder aber ein Placebo (Scheinmedikament) gegeben. Es zeigte sich, dass das altersbedingte Schrumpfen des Gehirns bei den Vitamin-B-Konsumenten im Schnitt um 30 Prozent reduziert wurde.

"Wir hoffen, dass diese einfache und sichere Behandlung die Entwicklung der Alzheimer-Krankheit bei vielen Menschen verlangsamen kann, die unter einer leichten kognitiven Beeinträchtigung leiden", erklärte der an der Studie beteiligte Wissenschaftler David Smith. In jedem Fall müssten aber weitere Studien noch zeigen, ob Vitamin B über die Verlangsamung des Hirnschwunds hinaus tatsächlich gegen Alzheimer wirkt. Zudem warnen die Forscher ältere Menschen davor, hohe Vitamindosen zu schlucken. Der Langzeiteffekt der Vitamine müsse genau untersucht werden, zum Teil werden hohe Dosen davon mit Krebs in Verbindung gebracht.

cib/dpa/AFP