Vogelgrippe Bush will Milliarden für Seuchenbekämpfung

Weltweit versuchen Regierungen, sich gegen eine mögliche Influenza-Pandemie und gegen die Ausbreitung der Vogelgrippe zu wappnen. Während aus Thailand ein neuer Ausbruch der Tierseuche gemeldet wurde, bat US-Präsident Bush den Kongress um Millarden Dollar für die Seuchenbekämpfung.


Knapp 500 Millionen US-Dollar wollen China und die USA zur Verfügung stellen, um die Ausbreitung der Vogelgrippe in Asien zu bekämpfen. 248 Millionen will die chinesische Regierung einem Radiointerview zufolge geben, die Vereinigten Staaten 251 Millionen Dollar, um neue Ausbrüche des Virus' rechtzeitig zu erkennen und einzudämmen.

Präsident Bush: 7,1 Milliarden Dollar für Abwehr der Vogelgrippe
AP

Präsident Bush: 7,1 Milliarden Dollar für Abwehr der Vogelgrippe

Insgesamt wollen die USA noch viel mehr für die Bekämpfung der Geflügelkrankheit ausgeben: 7,1 Milliarden Dollar hat Präsident George W. Bush vom US-Kongress erbeten. 1,2 Milliarden sollen ausgegeben werden, um weitere 20 Millionen Dosen eines experimentellen Impfstoffs herzustellen, der vor dem Erreger H5N1 schützen soll. 2,8 Milliarden sollen in Technologie zur Entwicklung von Impfstoffen investiert werden, eine Milliarde für weitere Vorräte antiviraler Medikamente.

Zudem wurde heut von Plänen berichtet, die die Regierung der USA für den Fall einer Grippe-Pandemie hat. Die Rede ist von Reisebeschränkungen, rationierten Medikamenten und gezielter Auswahl von Patienten für die Behandlung. So soll verhindert werden, dass Menschen in Panik in Krankenhäuser eindringen und das Virus auch in Notaufnahmen verbreiten. Der Plan geht davon aus, dass ein Ausbruch in den USA bis zu einem Drittel der Bevölkerung betreffen und zwischen 209.000 und fast zwei Millionen Todesopfer fordern könnte.

"Sehr, sehr angsteinflößend"

In Thailand wurde am heutigen Mittwoch von einem weiteren Ausbruch der Vogelgrippe berichtet. Die Behörden machten illegale Transporte, vor allem von Enten und Kampfhähnen, für den neuerliche Aufflammen verantwortlich. Bislang sind in Thailand 13 Menschen an dem Virus gestorben, das sich allerdings nur in sehr seltenen Fällen von befallenen Tieren auf Menschen überträgt. Die vom aktuellen Ausbruch befallenen Provinzen liegen in Zentralthailand.

David Nabarro, bei der Uno für die Koordination der Gegenmaßnahmen verantwortlich, warnte heute erneut vor einer möglichen Pandemie durch ein verändertes, auch von Mensch zu Mensch übertragbares Virus. Die Vorbereitung der internationalen Gemeinschaft auf diesen Katastrophenfall sei "noch nicht annähernd gut genug". Nabarro sprach auch von angeblichen Plänen multinationaler Konzerne, Mitarbeiter im Falle einer Pandemie hinter verschlossenen Türen, mit eigenen Vorräten des antiviralen Medikaments Tamiflu versorgt, in Sicherheit zu bringen. Die Pläne seien "sehr, sehr angsteinflößend" sagte Nabarro.

In Afrika wächst die Sorge

In Afrika wächst nach den Vogelgrippe-Fällen in mehreren europäischen Staaten die Sorge davor, dass die Seuche durch Zugvögel auch auf den schwarzen Kontinent getragen werden könnte. "Die Bedrohung ist sehr real", sagte Karim Tounkara, Experte für Tierhaltung bei der Afrikanischen Union, bei einem Treffen von Spezialisten aus ganz Afrika. Dort soll eine für den ganzen Kontinent verbindliche Reaktion auf die Bedrohung ausgearbeitet werden. "Wenn einheimische Vögel erst einmal infiziert sind, wird sich das Virus wie ein Buschfeuer verbreiten", sagte er der Agentur Reuters.

Die chinesische Regierung beschloss heute ein Importverbot für Geflügel aus 14 Ländern, darunter Japan, Rumänien, Kroatien, Kasachstan, die Türkei, Russland und Schweden. China plant eine engere Zusammenarbeit mit den USA bei der Bekämpfung der Seuche.

In der westkanadischen Provinz British Columbia wurde unterdessen in rund 175 Wildenten eine Form des H5-Virus identifiziert, wie der oberste Amtsarzt für Tiergesundheit, Ron Lewis, mitteilte. Am Montag war eine ähnliche Infektion bei Wildenten aus den östlichen Provinzen Quebec und Manitoba gemeldet worden. In allen Fällen wird noch untersucht, ob es sich um den auch für Menschen gefährlichen Erregertyp H5N1 handelt.



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