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04. März 2006, 16:36 Uhr

Vogelgrippe

Erster Fall in Niedersachsen bestätigt

Die Vogelgrippe hat Niedersachsen erreicht. Das auch für den Menschen gefährliche Virus H5N1 wurde bei einer Wildgans nachgewiesen. Das tote Tier war vor einer Woche auf einem Acker im Kreis Soltau-Fallingbostel entdeckt worden.

Hannover - Erst gestern war der erste Seuchenfall in einer Großstadt aufgetreten: Mannheim. Auch nahe Berlin, in Wandlitz, war ein H5N1-Fall bestätigt worden. Ingesamt sind nun sechs Bundesländer von der Tierseuche betroffen. Nach Angaben eines Sprechers des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums handelt es sich bei dem infizierten Tier um eine Graugans. Der Vogel sei auf einem Acker aufgeschlagen und zwei Stunden später eingesammelt worden. Andere Tiere seien nicht mit der Gans in Kontakt gekommen. In der Gegend gebe es außerdem keine gewerblichen Geflügelbetriebe. Niedersachsen hat allerdings den mit Abstand größten Geflügel-Bestand Deutschlands. Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums leben dort rund 72 Millionen Hühner, Enten, Gänse und Puten.

In Bayern wurde heute bei einem weiteren Wildvogel das H5N1-Virus nachgewiesen. Die verendete Wildente sei am 26. Februar im Innenhof der Straubinger Justizvollzugsanstalt gefunden worden, teilte das bayerische Verbraucherschutzministerium am Abend mit.

Zum Schutz vor einer Ausbreitung der Vogelgrippe sind heute in ganz Deutschland verschärfte Sicherheitsmaßnahmen in Kraft getreten. Nach der Infektion einer Katze mit dem Vogelgrippevirus H5N1 dürfen in den Sperrzonen, also im Umkreis von drei Kilometern um die Fundorte infizierter Wildvögel, und in den Überwachungszonen im Umkreis von zehn Kilometern Katzen nicht mehr frei herumlaufen. Hunde sollen in diesen Gebieten angeleint werden.

In den Sperrbezirken und Überwachungszonen ist außerdem der Zugang zu Geflügelställen für Betriebsfremde verboten. Ausnahmeregelungen gelten für Tierärzte und Vertreter der zuständigen Behörden. Dadurch soll verhindert werden, dass das Virus versehentlich in die Nutztierbestände eingeschleppt wird. Auf die Regeln hatte sich der Nationale Krisenstab Tierseuchenbekämpfung mit Bund und Ländern verständigt.

Nach dem Nachweis des H5N1-Virus bei einer auf Rügen tot aufgefundenen Katze waren die Vogelgrippe-Tests bei 32 weiteren untersuchten Kadavern von Säugetieren und potentiellen Aasfressern negativ. Untersucht wurden Füchse, Marder, Katzen, Marderhunde, Dachse, Wildschweine sowie ein Nerz, ein Hund und ein Waschbär, teilte der Krisenstab der Landesregierung Mecklenburg-Vorpommern heute in Schwerin mitteilte.

Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) wertete die Befunde als "beruhigend". Es würden deshalb nur noch in Schutz- und Überwachungszonen tot aufgefundene Säugetiere auf das Grippevirus untersucht. Auch die fortgesetzten Untersuchungen von toten Wildvögeln brachten demnach keine neuen Nachweise von H5N1.

ffr/dpa/AFP/AP

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