Vogelgrippe Forscher finden Impfstoff für Geflügel

Deutsche Forscher haben einen Impfstoff entwickelt, der die Vogelgrippe bändigen könnte. Nach ersten Versuchen waren geimpfte Hühner gut geschützt gegen eine Infektion mit dem H5N1-Virus. Zugleich wurde bekannt, dass die Seuche bereits bis zum Ural vorgedrungen ist.


Indonesische Bauern beim Verbrennen gekeulter Hühner: Impfstoff soll Geflügel schützen
DPA

Indonesische Bauern beim Verbrennen gekeulter Hühner: Impfstoff soll Geflügel schützen

Riems - Die Forschung am H5N1-Virus, das seit Monaten in Asien grassiert, zeigt erste Resultate. Erst vor einer Woche haben US-Mediziner einen Durchbruch bei der Entwicklung eines Impfstoffs für Menschen gemeldet. Jetzt ist es deutschen Wissenschaftlern offenbar gelungen, die Hühner selbst gegen den gefährlichen Vogelgrippe-Erreger zu impfen.

Erste Versuchsreihen hätten zu einem guten Immunschutz für das Geflügel geführt, sagte Thomas Mettenleiter, Chef des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) auf der vorpommerschen Insel Riems. Die Impfung schütze Hühner gegen beide Subtypen der Vogelgrippe, H5 und H7. Das FLI fungiert zugleich als Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit.

Die Impfung von Geflügel ist in Deutschland bisher verboten, unter anderem weil sich geimpfte und infizierte Tiere schlecht auseinander halten lassen. Der neue Impfstoff ermöglicht nach Angaben der Riemser Forscher jedoch diese Unterscheidung. Bevor für den Impfstoff die Zulassung beantragt werden könne, müssten allerdings noch Versuche für eine wirksame Produktion in Gewebekultur angestellt werden.

Für die neue Impfung verwendeten die Wissenschaftler ein abgeschwächtes Geflügel-Herpesvirus, das die Tiere nicht mehr krank machen kann. Dem Virus wurde ein Vogelgrippe-Gen hinzugefügt, so dass es einen Immunschutz sowohl gegen Herpes als auch gegen Vogelgrippe erzeugt.

Da sich das Herpesvirus nur im Geflügel, nicht aber in anderen Vogelarten vermehren kann, sei eine Ausbreitung des gentechnisch veränderten Impfvirus in Wildvögeln nicht zu erwarten, sagte Mettenleiter. Geimpft werde über Spray, Augentropfen oder das Trinkwasser, wodurch Tiere auch in großen Haltungen leicht erreicht würden.

Vogelgrippe bereits am Ural - Schily sieht Gefahr

Die Erfolgsmeldung von Riems kommt zu einem passenden Zeitpunkt: Das H5N1-Virus, das in Asien seit 2003 mehr als 60 Menschen getötet und die Notschlachtung von Millionen von Vögeln verursacht hat, ist in den vergangenen Wochen mit Hilfe von Zugvögeln bis nach Sibirien vorgedrungen.

Neuesten Meldungen zufolge sind auch am Ural erste Fälle aufgetaucht. Mit der Provinz Tscheljabinsk sei die sechste Region in Russland betroffen, teilten die Behörden am heutigen Montag mit. Die russische Regierung hat in der Region Straßen gesperrt und Hunderte Vögel töten lassen. Zunächst war unklar, ob es sich in dem Uralgebiet um den für Menschen potentiell tödlichen Virusstamm H5N1 handelt.

Auch die Bundesregierung zeigt sich mittlerweile alarmiert. Innenminister Otto Schily bezeichnete die Vogelgrippe als "ernsthafte Gefahr". Nach allem, was über die Seuche aus Südostasien bekannt sei, müsse man die Bedrohung ernst nehmen, sagte Schily in Berlin. Von der Vogelgrippe gingen vermutlich ganz erhebliche Gefahren für die Menschen aus. Die Meldungen von der Ausbreitung der Krankheit in Russland wertete der Minister als bedrohlich. Bundes- und Landesbehörden sollten sich vorbereiteten und alle notwendigen Maßnahmen ergreifen.

Eine weitere Verbreitung über Zugvögel hält auch das Bundesverbraucherministerium nicht für ausgeschlossen. Schon zuvor hatten Experten betont, dass sich die Vogelgrippe auch nach Europa ausbreiten könne. Für den Fall, dass sich der H5N1-Erreger mit einem menschlichen Grippevirus genetisch vermischt, befürchten Mediziner eine weltweite Seuche mit möglicherweise Millionen von Toten.

Wegen der Vogelgrippe hatte die EU-Kommission vergangene Woche ein Importverbot für lebendes Geflügel und Federn aus Russland und Kasachstan verhängt. Brüssel hatte zuvor bereits Importe von lebendem Geflügel und Geflügelfleisch aus neun asiatischen Ländern verboten. Dazu zählen unter anderem China, Indonesien, Malaysia, Nordkorea, Thailand und Vietnam.

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