Vogelgrippe "Wir haben einen Impfstoff"

Wissenschaftlern in den USA scheint bei der Suche nach einem effektiven Impfstoff gegen die Vogelgrippe ein Durchbruch gelungen zu sein. In ersten Tests erzeugte die neue Substanz bei Menschen Antikörper, die vor dem tödlichen Virus schützen könnten. Bald soll die Massenproduktion beginnen.


Vogelgrippe-Bekämpfung in Thailand: "Keine Silberkugel"
DPA

Vogelgrippe-Bekämpfung in Thailand: "Keine Silberkugel"

"Das sind gute Neuigkeiten", sagte Anthony Fauci, der Leiter der US-Einrichtung National Institute of Allergy and Infectious Diseases, der "New York Times": "Wir haben einen Impfstoff."

Michael Osterholm von der University of Minnesota bezeichnete die Forschungsergebnisse in der "Washington Post" als "sehr wichtig".

Die hoffnungsvolle Stimmung gründet sich auf vorab veröffentlichte Ergebnisse einer Studie an insgesamt 450 erwachsenen Testpersonen unter 65 Jahren. Die ersten 115 Probanden, deren Daten bislang ausgewertet wurden, wiesen eine starke Reaktion des Immunsystems auf. Wissenschaftler glauben, dass diese Abwehrreaktion stark genug ist, um Menschen auch vor dem Vogelgrippe-Virus schützen zu können. Für die übrigen Testpersonen erwarte er ähnlich günstige Ergebnisse, sagte Fauci der Nachrichtenagentur AP. Drei US-Universitäten waren an der von der US-Regierung in Auftrag gegebenen Studie beteiligt.

"Die kritische Frage ist jetzt, ob wir genügend Impfstoff herstellen können", sagte Fauci der "New York Times". Die US-Regierung hatte den Berichten zufolge das französische Pharmaunternehmen Sanofi-Pasteur mit der Herstellung der Substanz beauftragt, den weltgrößten Hersteller von Impfstoffen. Welche Mengen man genau bestellt habe, könne er nicht sagen, sagte Fauci der AP, "das hängt von der Produktionskapazität ab, aber es werden mit Sicherheit deutlich mehr als zwei Millionen Dosen sein." Die Substanz könne, wenn sie erprobt sei, schnell zugelassen werden, weil sie herkömmlichen Grippe-Impfstoffen ähnele.

Zunächst seien aber ohnehin noch weitere Tests nötig, und zwar an älteren Menschen und Kindern. In Südostasien starben seit Ende 2003 mindestens sechzig Menschen an dem gefährlichen Vogelgrippe-Virus. Fachleute befürchten, dass der Erreger so mutieren könnte, so dass er von Mensch zu Mensch übertragbar wäre. Die Krankheit würde sich nach Schätzungen von Forschern dann rasend schnell weltweit ausbreiten und Millionen von Todesopfern fordern.

Bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist man angesichts des neuen Impfstoffes vorsichtig optimistisch. Dick Thompson, ein Sprecher der Organisation, sagte der AP, eine "Silberkugel", also ein absolut sicheres Allheilmittel für die Bedrohung durch die Vogelgrippe, sei der Stoff nicht. Die Substanz sei "ein guter Anfang". Das Problem sei nach wie vor, dass gewaltige Mengen des Stoffes hergestellt werden müssten, um einer möglichen Pandemie rechtzeitig begegnen zu können.



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