Vor den Toren Roms Archäologen entdecken kleines Kolosseum

Es war nicht ganz so wuchtig wie sein berühmtes Vorbild in Rom - und hatte doch beeindruckende Dimensionen: Archäologen haben in der Nähe des ehemaligen Hafens von Ostia ein römisches Kolosseum für 2000 Gäste entdeckt. Die Forscher hoffen auf weitere Funde.

University of Southampton

Rom - Portus bei Ostia war fünf Jahrhunderte lang der größte Hafen des Mittelmeeres. Nahrung, Sklaven, wilde Tiere, Luxusgüter und Baumaterial für Rom kamen hier an oder gingen auf die Reise. Archäologen haben hier nun ein Kolosseum freigelegt, in dem immerhin 2000 Menschen Platz fanden. Das Gebäude wurde in zwei Bauabschnitten in den ersten Jahrhunderten nach Christus errichtet - und hatte die Größe des Pantheons in Rom.

Mehrere Jahre lang hatte ein Team, angeführt von Briten Simon Keay von der University of Southampton, gemessen und gegraben. Das Gebiet liegt heute im Unterschied zu damals mehrere Kilometer landeinwärts. Auf dem Gelände eines riesigen Trajan-Palastes in kaiserlichem Stil stießen sie auf das elliptisch geformte Theater. Der Archäologe Rodolfo Lanciani hatte es auf Plänen aus den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts zwar eingezeichnet - anschließend konnte es aber nicht mehr gefunden werden.

Mit 42 Metern Länge und 38 Metern Breite war das Kolosseum kleiner als das in Rom, das als größtes des Altertums und Wahrzeichen des früheren römischen Weltreiches gilt. "Außergewöhnlich ist es, ein so luxuriös errichtetes Bauwerk mit imperialer Architektur in der Nähe eines Hafens zu finden", sagte Keay. "Wir wissen noch nicht, welche Spiele in diesem Amphitheater ausgerichtet worden sind, gehen derzeit jedoch davon aus, dass es eher privat genutzt wurde."

"Was wir bislang ausgegraben haben, könnte nur der Anfang gewesen sein und zu noch mehr Entdeckungen führen", hofft der Grabungsleiter. Roms antiker Mittelmeerhafen sei eine der wichtigsten archäologischen Stätten der Welt und bei weitem noch nicht genügend erforscht. In der Nähe fanden die britischen Archäologen unter anderem einen antiken Marmorkopf, Gräber und Kapitelle.

chs/dpa



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