Vorbild-Effekt Bundesregierung will weniger Raucher in Kino und TV

Die Bundesdrogenbeauftragte fordert von Film- und Fernsehmachern Zurückhaltung bei der Darstellung von Rauchern. Denn eine neue Studie zeigt, dass sich für Minderjährige das Risiko verdoppelt, selbst Raucher zu werden, wenn sie entsprechende Vorbilder anschauen.


Berlin - Verqualmte Polizeireviere; junge Herumtreiber, die lässig mit einer Zigarette im Mundwinkel auf der Straße lungern; eine aufgeregte Frau, die sich zur Beruhigung erst einmal eine Zigarette anstecken muss: Auf deutschen Mattscheiben und Kinoleinwänden sind Raucher allgegenwärtig - was Kinder und Jugendliche verleitet, selbst zum Glimmstängel zu greifen. Ihr Risiko, Raucher zu werden, verdoppelt sich, wenn sie Filme sehen, in denen häufig geraucht wird.

Kein Qualm-TV: Zigaretten-Szenen in Film und Fernsehen verleiten Kinder zum Rauchen
DDP

Kein Qualm-TV: Zigaretten-Szenen in Film und Fernsehen verleiten Kinder zum Rauchen

Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums, die nun auch als Argument für inhaltliche Vorgaben an Film- und Fernsehschaffende herhalten muss. "Rauchen in Film und Fernsehen ist kein 'wertfreies' dramaturgisches Mittel oder bloße Realitätsdarstellung, sondern für Kinder und Jugendliche immer auch Vorbild, das zur Nachahmung verleitet", sagte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing. Besonders rauchende Stars seien ein Vorbild für Heranwachsende.

Bedauerlich sei Bätzing zufolge auch, wenn gerade in deutschen Produktionen, die auch für Kinder freigegeben seien, vergleichsweise häufig geraucht werde. Dass in Serien und Spielfilmen deutscher Produktionen doppelt so häufig geraucht wird wie in ausländischen Produktionen, hatte der erste Teil der Studie bereits Ende 2006 ergeben. Die heute veröffentlichte Fortsetzung "Rauchen in Film und Fernsehen - Wirkungen auf Kinder und Jugendliche" ist von der Website des Bundesgesundheitsministeriums abrufbar.

Drogenbeauftragte: "TV-Sender signalisieren Bereitschaft"

Aufgrund dieser Ergebnisse hat Bätzing eigenen Angaben zufolge erste Gespräche mit Vertretern von öffentlich-rechtlichen und privaten Fernsehsendern geführt. Bei ihnen hätte mittlerweile ein Umdenken stattgefunden. "Sie signalisieren die Bereitschaft, dem Nichtrauchen in ihrer Programmverantwortung eine große Bedeutung zukommen zu lassen", sagte die Bundesdrogenbeauftragte. Erneut forderte sie bei der Vorstellung des zweiten Teils der Studie eine größere Sensibilität und Zurückhaltung bei den Filmschaffenden und Sendern.

Ähnliche Forderungen sind auch in den USA an Filmproduzenten herangetragen worden. Unlängst erklärten daher Hollywood-Studios, Kinder besser von den rauchenden Vorbildern abschirmen zu wollen: Filme, in denen viel geraucht wird, sollen mit Warnhinweisen versehen und in eine höhere Altersklasse eingestuft werden.

In Deutschland raucht rund ein Drittel der Schüler, wie in einer Krankenkassen-Studie herausgefunden wurde. Ihr zufolge haben diese Kinder schlechtere Noten, sitzen mehr vor dem Fernseher und sind unzufriedener als gleichaltrige Nichtraucher.

fba/AFP/AP/dpa



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