Wahrnehmung von Menschen Der Hüftschwung macht attraktiv

Sexappeal lässt sich nicht auf das übliche 90-60-90-Körpermaß reduzieren, es kommt auch auf die Bewegung an. Ein Mensch wirkt dann besonders attraktiv, wenn seine Bewegungen und sein Verhalten zu seinem Äußeren und zu seinem Geschlecht passen.


Washington - Die Wahrnehmung von Attraktivität ist offenbar komplexer als bisher angenommen, denn den sozialen Informationen kommt dabei eine wichtige Rolle zu. Dies haben US-Forscher bei Tests mit geschlechtslosen Trickfilmfiguren gezeigt. Frauen, die sich mit femininem Hüftschwung bewegen, wirken attraktiver als solche, die machohaft ihre Arme bewegen, schreiben Kerri Johnson von der New York University und Louis Tassinary von der A&M-University im texanischen College Station in der Fachzeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences" (Bd. 104, S. 5246). Ein Mensch wirke besonders attraktiv, wenn seine Bewegungen und sein Verhalten zu seinem Äußeren und zu seinem biologischen Geschlecht passten.

Hüftschwingendes Model: Sexappeal entsteht auch durch Bewegung
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Hüftschwingendes Model: Sexappeal entsteht auch durch Bewegung

In Johnsons und Tassinarys Studie bewerteten freiwillige Teilnehmer die Attraktivität von computeranimierten Trickfilmfiguren. Die schlichten, menschenähnlichen Charaktere waren nicht als Frauen oder Männer zu identifizieren und unterschieden sich lediglich im Verhältnis von Taillen- zu Hüftumfang und in ihrer Art, sich zu bewegen. Als attraktiv bewerteten die Probanden einerseits Figuren mit enger Taille und breiter Hüfte, die sie beim Gehen seitlich schwangen, und andererseits Figuren mit gleichem Taillen- und Hüftumfang, die in stolzem Gang die Schultern vor- und rückwärts bewegten.

In vielen westlichen Gesellschaften werden Frauen mit sogenannter Wespentaille von Männern bevorzugt, wie frühere Forschungsarbeiten zeigten. Dieses Verhalten hat sich einer Hypothese zufolge in der Evolutionsgeschichte herausgebildet, weil die Körperform auf Gesundheit und Fruchtbarkeit der Frau hinweise. Das Schönheitsideal gilt jedoch nicht in allen Kulturkreisen, weshalb die Theorie stets umstritten war. Johnson und Tassinary haben nun gezeigt, dass sich Schönheitsideale nicht mit einfachen Formeln wie dem Taillen-Hüft-Verhältnis messen lassen. Zur Attraktivität trage auch bei, sich den kulturellen Vorstellungen von Weiblichkeit und Männlichkeit entsprechend zu verhalten, so die Wissenschaftler.

hda/ddp



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