Sensationsfund Forscher entdecken Waldseemüller-Karte

In der Münchner Universitätsbibliothek sind Forscher auf eine Weltkarte des berühmten Gelehrten Martin Waldseemüller gestoßen. Das nun entdeckte Exemplar steckte eingeklemmt und vergessen mehr als 200 Jahre zwischen zwei Geometrie-Drucken. Es dürfte äußerst wertvoll sein.

Bisher unbekannte Waldseemüller-Karte: Überraschung in der Münchner Uni-Bibliothek
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Bisher unbekannte Waldseemüller-Karte: Überraschung in der Münchner Uni-Bibliothek


München - So ein Zufall: Zwei Forscherinnen haben in der Münchner Universitätsbibliothek ein bislang unbekanntes Exemplar der Waldseemüller-Karte entdeckt. Das rund 500 Jahre alte Werk des berühmten Kartografen hatte in einem unscheinbaren Bibliothekseinband aus dem 19. Jahrhundert gelegen. Die Forscherinnen fanden es eingeklemmt zwischen zwei Drucken zur Geometrie, berichtet Bibliotheksdirektor Klaus-Rainer Brintzinger. "Wir haben einen Sensationsfund gemacht."

Der Freiburger Kartograf Martin Waldseemüller (1470 - 1522) gilt als Taufpate Amerikas. Selbst eher Gelehrter als Entdecker verfolgte er mit großer Leidenschaft die wagemutigen Reisen der Seefahrer, ihre Vorstöße ins Unbekannte. Aufgrund der Berichte fügte er als Erster den wenige Jahre zuvor entdeckten Kontinent in die Weltkarte ein, er gab ihm den Namen "America". Die Namensgebung beruhte allerdings auf einem Irrtum: Waldseemüller hielt den Seefahrer Amerigo Vespucci für den Entdecker des Kontinents, nicht Christoph Kolumbus.

Die nun entdeckte Waldseemüller-Karte ist ebenfalls eine Globuskarte, nur etwas jünger und kleiner als das berühmte Vorbild. Sie dürfte äußerst wertvoll sein. Von den kleineren Globuskarten waren bis zu dem Fund weltweit nur vier Exemplare bekannt, eins davon wurde 2005 im Auktionshaus Christie's für umgerechnet mehr als 800.000 Euro versteigert. Die Münchner Karte unterscheidet sich nach Angaben von Sven Kuttner, der in der Uni-Bibliothek die Abteilung Altes Buch leitet, von den bekannten Exemplaren.

Bisher wissen die Experten noch nicht, woher die gefundene Karte stammt. Sie vermuten allerdings, dass das Werk einige Zeit nach dem berühmten Erstdruck aus dem Jahr 1507 entstanden ist. Vermutlich sei das Exemplar dann vor mehr als 200 Jahren versehentlich in den Geometrie-Band mit Drucken aus dem frühen 16. Jahrhundert geraten, sagt Kuttner. Er gehe davon aus, dass die Bibliothekare die Bedeutung der Karte damals nicht erkannt hätten, sie geriet in der Universitätsbibliothek in Vergessenheit - bis jetzt. "Seit dem Zweiten Weltkrieg hat es einen Fund dieser Dimension nicht mehr gegeben", sagt Kutter.

Die große Weltkarte Waldseemüllers hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im Jahr 2007 in Washington an die USA übergeben. Die Karte war damals genau 500 Jahre alt. Heute steht sie auf der Weltdokumentenliste der Unesco und ist in der Library of Congress in Washington zu sehen.

irb/dpa



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Lyddie 03.07.2012
1. Columbus
Jaja, Columbus und die Entdeckung von Amerika… wenn die Spon-Redakteure beim Artikel schreiben wenigstens mal Wikipedia einen Blick schenken würden, wüssten sie, dass Waldmüller keinesfalls einem Irrtum aufgesessen ist, sondern genug Gründe hatte Amerika nach Amerigo Vespucci zu benennen…
Koda 03.07.2012
2. Um Mißverständnisse zu vermeiden: Merkel hat die Karte nicht verschenkt
Zitat von sysopDPA/ LMUIn der Münchner Universitätsbibliothek sind Forscher auf eine Weltkarte des berühmten Gelehrten Martin Waldseemüller gestoßen. Das nun entdeckte Exemplar steckte eingeklemmt und vergessen mehr als 200 Jahre zwischen zwei Geomterie-Drucken. Sie dürfte äußerst wertvoll sein. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,842264,00.html
Sie wurde wohl verkauft: aus Martin Waldseemüller (http://de.wikipedia.org/wiki/Martin_Waldseem%C3%BCller#Waldseem.C3.BCller-Karte:) "Wiederentdeckung und heutige Situation Die Waldseemüller-Karte in der Library of Congress (2007) Von den zahlreichen Kopien der Karte existiert nach heutiger Forschung nur noch ein einziges Exemplar. Es gehörte ursprünglich Johannes Schöner, einem Nürnberger Wissenschaftler des 15. und 16. Jahrhunderts. 1836 schrieb Alexander von Humboldt, dass er "den Namen des geheimnisvollen Mannes" aufgefunden habe, welcher "zuerst den namen Amerika zur Bezeichnung des neuen Kontinentes vorschlug"[3] Im Jahre 1901 wurde das Stück auf Schloss Wolfegg in Oberschwaben wiederentdeckt. Über Jahrzehnte versuchte die Library of Congress in Washington D. C. das gut erhaltene Stück zu erwerben, doch es blieb noch für ein Jahrhundert im Besitz des Hauses zu Waldburg-Wolfegg und Waldsee – und der Öffentlichkeit nicht zugänglich, da die Sicherheitsvorkehrungen zu aufwändig gewesen wären und auch staatliche Einrichtungen in Deutschland derartige Kosten nicht übernehmen wollten und konnten. Am 27. Juni 2001 veräußerte das Oberhaupt des Hauses, Johannes zu Waldburg-Wolfegg, die Karte. Seiner Aussage am 18. November 2007 im Rahmen der Gesprächsreihe Adel verpflichtet im Stuttgarter Haus der Geschichte zufolge wurden 10 Millionen US-Dollar aufgewendet. Das ist der höchste Preis, der je für ein kartografisches Gut gezahlt wurde. Titelblatt der Kartenbegleitschrift Cosmographiae introductio Beim Verkauf wurde, begleitet von öffentlicher Kritik, durch eine Sondergenehmigung der Bundesrepublik Deutschland und des Landes Baden-Württemberg der Ausfuhrschutz für national wertvolles Kulturgut gemäß dem Kulturgutschutzgesetz aufgehoben. Gerhard Schröder hatte sich persönlich für eine Ausnahmeregelung eingesetzt.[3] Die symbolische Übergabe erfolgte am 30. April 2007 durch die Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland, Angela Merkel, im Rahmen einer feierlichen Zeremonie in der Library of Congress, Washington, D.C. Die Bundeskanzlerin betonte in ihrer Rede, dass die Verdienste der USA für die deutsche Entwicklung in der Nachkriegszeit seinerzeit den Ausschlag dafür gegeben hätten, die Waldseemüllerkarte als Zeichen der transatlantischen Verbundenheit und als Hinweis auf die zahlreichen deutschen Wurzeln der USA an die Library of Congress zu übergeben. Unter den Gästen der Übergabezeremonie befand sich neben dem Mehrheitsführer der Demokraten im Repräsentantenhaus, Steny Hoyer, auch Johannes zu Waldburg-Wolfegg, der ursprüngliche Eigentümer der Karte. 2005 war die Karte von der UNESCO zum Weltdokumentenerbe erklärt worden. Sie ist heute für die Öffentlichkeit allgemein zugänglich unter aufwändigen Sicherheitsvorkehrungen in Washington ausgestellt. Für die adäquate Präsentation der Karte wurden nochmals 1,5 Mio. Dollar investiert."
Koda 03.07.2012
3. An sysop: "Amerika " weil Amerigo Vespucci das Festland "entdeckte" und so deutete
Zitat von sysopDPA/ LMUIn der Münchner Universitätsbibliothek sind Forscher auf eine Weltkarte des berühmten Gelehrten Martin Waldseemüller gestoßen. Das nun entdeckte Exemplar steckte eingeklemmt und vergessen mehr als 200 Jahre zwischen zwei Geomterie-Drucken. Sie dürfte äußerst wertvoll sein. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,842264,00.html
A. Vespucci war wohl der Erste, welcher der Ansicht war, dass er an einem "neuen" Kontinent gelandet sein müsste.
tompie 03.07.2012
4. Irrtum oder nicht?
Zitat von LyddieJaja, Columbus und die Entdeckung von Amerika… wenn die Spon-Redakteure beim Artikel schreiben wenigstens mal Wikipedia einen Blick schenken würden, wüssten sie, dass Waldmüller keinesfalls einem Irrtum aufgesessen ist, sondern genug Gründe hatte Amerika nach Amerigo Vespucci zu benennen…
Aber in dem Wikipedia-Artikel steht doch genau das! Zitat: Kopien der Karte verbreiteten sich schneller als Waldseemüller den Irrtum korrigieren konnte. Vielleicht haben die Spon-Redakeure recht und Sie unrecht?
m.breitkopf 03.07.2012
5. Oneway
Wie großzügig von der Bundesregierung für die Waldseemüllerkarte eine Ausfuhrgenehmigung zu erteilen. Ich wünschte, die US-Regierung würde sich revanchieren und die von den Nazis aus deutschen Museen geraubten Kunstwerke, die sich nach Verkäufen nun in amerikanischen Museen befinden, wieder zurückgeben. Aber das scheint ja niemanden zu interessieren.
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