Warnung Test-Magazin findet Gift in Radhosen
Bei einem Test von Radhosen entdeckten "Ökotest"-Mitarbeiter die gesundheitsschädliche Chemikalie Dibutylzinn (DBT). DBT wurde in allen 14 untersuchten Hosen nachgewiesen - einige wiesen nach Angaben des Magazins extrem hohe Werte auf. DBT gelangt über die Haut in den Körper und wirkt schädigend auf das menschliche Immunsystem.
DBT werde als Stabilisator eingesetzt und sorge für Beständigkeit des Stoffs gegen Hitzeeinwirkung und Sonnenstrahlen, teilte der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) mit. Die Chemikalie sei außerdem oft verunreinigt mit TBT (Tributylzinn), das zu den giftigsten Chemikalien überhaupt gehöre, in das Hormonsystem eingreife und Geschlechtsumwandlungen hervorrufen könne.
Bei zwei Hosen erwies sich die DBT-Konzentration als stark erhöht, war also größer als 250 Mikrogramm pro Kilogramm Stoff. "Das ist nicht gesetzeswidrig", sagte die BUND-Chemikalienexpertin Patricia Cameron im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Die Unterschreitung der vorgeschriebenen Grenzwerte besage aber nicht, dass keine Gefahr bestehe. "Bei den Prüfungen der Chemikalien werden nicht alle denkbaren Risiken geprüft." Es gebe weniger gefährliche Alternativen zu der Substanz, betonte Cameron.
Neben DBT wurde in vier der getesteten Fahrradhosen der problematische Bakterienstopper Triclosan nachgewiesen. Triclosan greift die natürliche Schutzflora der Haut an, kann zu Hautreizungen führen, Allergien auslösen, Leber- und Nierenschäden verursachen und steht nach BUND-Angaben im Verdacht, das Erbgut zu schädigen.
Antibakteriell wirkende Chemikalien in Radsporthosen sind in ihrer Wirkung umstritten, weil sie nach mehreren Wäschen ohnehin aus dem Stoff verschwunden sind. Der Freiburger Biologe Armin Schuster hält sie schlicht für überflüssig. "Es wird immer so getan, als ob Bakterien schlecht sind", sagte er "Ökotest". Dabei bestehe die Hautflora vorwiegend aus Bakterien, die den Menschen schützen sollten. Was den Schweißgeruch betrifft, gibt es eine einfache natürliche Methode: Die Sachen nicht zu lange tragen und oft waschen.
Nur zweimal gut, mehr als die Hälfte ungenügend
Von den untersuchten 14 Fahrradhosen erhielten nur zwei Exemplare die Gesamtnote gut. Mehr als der Hälfte der Fahrradhosen bewertete Ökotest als ungenügend. Das Ergebnis der Untersuchung zeige auch, dass teure Markenprodukte kein Garant für schadstoffarmes Material seien. Das teuerste Produkt wies die höchste Konzentration von DBT auf.
"Die gefundenen Chemikalien sind nur zwei von vielen Schadstoffen, die uns täglich belasten und unsere Gesundheit beeinträchtigen", sagte Patricia Cameron, Chemikalienexpertin beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). "Wir brauchen dringend einen besseren Schutz vor diesen Stoffen in sämtlichen Alltagsprodukten." Nur eine strenge Chemikaliengesetzgebung auf europäischer Ebene könne diesen Schutz umfassend gewährleisten.
Der BUND forderte das Europäische Parlament auf, sich bei der Beratung über die Chemikalienverordnung Reach (Registrierung, Evaluierung, Autorisierung von Chemikalien) im Juni 2006 für eine strenge Regelung einzusetzen. Die Chemieindustrie plädiert für weniger strenge Vorschriften bei der Prüfung und Zulassung von Chemikalien.
hda