Leicht entzündlich Warum Ammoniumnitrat so gefährlich ist

Für die Explosion von Beirut könnte die Chemikalie Ammoniumnitrat verantwortlich sein. Immer wieder kam es zu Unfällen mit der Substanz.
Ammoniumnitrat, ein farbloser und kristalliner Stoff

Ammoniumnitrat, ein farbloser und kristalliner Stoff

Foto: Xinhua/ imago images

Auf den Bildern, die Amateurfilmer vom Hafengebiet in Beirut aufgenommen hatten, loderte zunächst nur ein mächtiges Feuer und eine riesige Rauchwolke war zu sehen. Im Bruchteil einer Sekunde nahm die Katastrophe dann ihren Lauf: Eine gigantische Detonation erschütterte die Stadt, dabei schoss kurz ein Feuerball in den Himmel und im nächsten Augenblick walzte eine Druckwelle aus weißem Dunst mit irrsinniger Geschwindigkeit durch die Straßenzüge direkt auf die Filmer zu.

Fensterscheiben zersplitterten, Autos wurden schwer beschädigt und selbst Schiffscontainer verbeulten. Dem Deutschen Geoforschungszentrum GFZ zufolge waren die Erschütterungen mit einem Erdbeben der Stärke 3,5 vergleichbar.

Die Explosionen in der libanesischen Hauptstadt forderte den bisherigen Angaben zufolge mehr als hundert Tote und Tausende Verletzte. Noch ist nicht geklärt, was die Detonationen ausgelöst hat. Aber der libanesische Ministerpräsident Hassan Diab sprach von 2750 Tonnen Ammoniumnitrat, die im Hafen seit Jahren ungesichert lagerten und die nun aus ungeklärter Ursache explodierten.

Was ist Ammoniumnitrat?

Ammoniumnitrat (NH4NO3) ist ein fester, farbloser und kristalliner Stoff. Die Substanz ist das Salz, das sich aus Ammoniak und Salpetersäure bildet. Sie lässt sich leicht in Wasser auflösen. Andere Bezeichnungen sind Ammonsalpeter, Ammoniksalpeter oder brennbarer Salpeter. Schon bei Raumtemperatur könne die Kristalle reagieren und zusammenbacken.

Wofür wird Ammoniumnitrat hergestellt?

Die Chemikalie wird vor allem als Düngemittel verwendet, da sie besonders viel chemisch gebundenen Stickstoff enthält, ein Hauptnährelement für den Pflanzenwuchs. Solche chemischen Dünger werden seit dem 20. Jahrhundert in der Landwirtschaft eingesetzt, um den Ertrag von Nutzpflanzen zu steigern. 

Allerdings lässt sich aus Ammoniumnitrat auch Sprengstoff herstellen. Bis zum Zweiten Weltkrieg basierten viele auf der Substanz. Die deutsche Marine rüstete beispielsweise Seeminen und die Sprengköpfe von Torpedos mit Schießwolle 39 aus - darin ist auch Ammoniumnitrat enthalten. Auch in Raketen, die in der Raumfahrt oder für militärische Zwecke verwendet werden, wird es eingesetzt.

Warum ist es so gefährlich?

Die meisten anorganischen Mineraldünger sind leicht entzündlich oder explosiv. Deshalb werden sie nur zusammen mit anderen, brandhemmenden Substanzen wie etwa Kalk als Dünger verwendet. Außerdem ist der Umgang mit der Chemikalie in Deutschland durch das Sprengstoffgesetz geregelt. Bei falscher Lagerung kann sich Ammoniumnitrat erhitzen und Brände erzeugen. Stehen zu große Mengen dicht beieinander, kommt es zu Temperaturentwicklung.

Oberhalb von 200 Grad Celsius zerfällt Ammoniumnitrat in Distickstoffoxid und Wasser. Bei schnellem Erhitzen oder einer Zündung kann dieser Übergang vom Feststoff zu den gasförmigen Produkten Stickstoff, Sauerstoff und Wasserdampf explosionsartig vorgehen.

Welche Unfälle gab es bereits mit der Chemikalie?

Immer wieder ist es zu schweren Explosionen durch Ammoniumnitrat gekommen. Zuletzt starben bei mehreren Detonationen in der chinesischen Hafenstadt Tianjin 173 Menschen. Auch in Düngemittelfabriken gab es immer wieder Unfälle. 2001 explodierte eine Halle im französischen Toulouse, 31 Menschen starben. Und in Ludwigshafen kamen 1921 mehr als 500 Menschen bei einer Ammoniumnitrat-Explosion im Chemieunternehmen BASF ums Leben. 1947 detonierten 2300 Tonnen Ammoniumnitrat an Bord eines französischen Frachters - das kostete etwa 600 Menschen das Leben.

Auch bei terroristische Anschlägen nutzen die Täter häufig Sprengstoff, der aus der Chemikalie hergestellt wird. Der norwegische Rechtsextremist Anders Breivik verwendete die Substanz bei seinem Anschlag für eine Bombe, die 2011 in Oslo detonierte. Und Timothy McVeigh benutzte die Chemikalie, um im April 1995 ein Bürogebäude in Oklahoma City in die Luft zu jagen.

joe
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