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23. November 2017, 09:07 Uhr

Schnelle Sportarten

Vorteil Linkshänder

In manchen Sportarten scheinen Linkshänder besonders erfolgreich zu sein. Ein Sportwissenschaftler hat das Phänomen untersucht und jene Disziplinen identifiziert, in denen "Lefties" besonders profitieren.

Das Problem kennen sowohl Profis als auch Freizeitsportler: Es ist häufig etwas schwieriger, gegen Linkshänder oder Linksfüßer anzutreten. Die Liste an erfolgreichen Athleten ist lang: Tischtennisspieler Timo Boll ist Linkshänder, der spanische Tennisprofi Rafael Nadal und Boxer Henry Maske. Auch Fußballer Lionel Messi schießt mit links.

Der Vorteil scheint aber besonders hoch in Ballsportarten mit hohem Zeitdruck zu sein, wie Untersuchungen des Sportwissenschaftlers Florian Loffing von der Oldenburger Carl von Ossietzky Universität nahelegen.

Er schaute sich sechs Ballsportarten an, von denen drei - Tischtennis, Cricket und Baseball - einen deutlich höheren Anteil von Linkshändern in der Weltspitze aufwiesen. Der Wissenschaftler befasst sich seit über zehn Jahren mit dem Thema. Seine jüngste Publikation wurde bei der britischen Royal Society in derFachzeitschrift "Biology Letters" veröffentlicht.

Überproportional vertreten sind Linkshänder in der Weltspitze (Männer/Top 100) bei den von Loffing als schnell identifizierten Sportarten Tischtennis, Cricket und Baseball. "Generell geht man von einem Linkshänder-Anteil von rund zehn Prozent in der westlichen Gesellschaft aus. In der Weltspitze beim Baseball sind es dagegen bei den Werfern 30,4 Prozent, beim Tischtennis 25,8 und beim Cricket bei den Werfern 21,8 Prozent", so Loffing, der dafür die Top-100-Listen analysierte. "Zeitdruck kann ein möglicher Faktor sein, der den Vorteil verstärkt", sagte Loffing.

Bei den Rückschlagsportarten Tennis, Badminton und Squash wurde dagegen im Vergleich ein geringerer Zeitdruck ermittelt und in diesem Zusammenhang auch eine geringere Linkshänder-Quote in der Weltspitze festgestellt. "Wobei ich jetzt nicht sagen würde, dass Squash oder Badminton langsame Sportarten sind", sagt Loffing. In Videoanalysen werteten der Wissenschaftler und sein Team Ballwechsel aus, um den Zeitdruck zu definieren.

"Wir haben dabei den Zeitpunkt notiert, wann ein Spieler den Ball mit dem Schläger berührt. Zeitdruck haben wir dann als Abstand zwischen dem Schläger-Ballkontakt des einen Spielers und dem Schläger-Ballkontakt des anderen Spielers definiert", erläutert Loffing. "Je geringer der Zeitwert, desto höher der Zeitdruck." Bei Cricket und Baseball wurden die Ballflugzeiten als Parameter genommen.

Dass Linkshänder einen Vorteil im interaktiven Sport haben, etwa beim Boxen, ist schon seit den Achtziger- und Neunzigerjahren wissenschaftlich belegt. Dabei geht es um den Nachteil des Gegners, denn der ist aufgrund der Mehrheit an Rechtshändern in seinem Sport auf deren Aktionen "gepolt". Trifft er nun im sportlichen Duell auf einen Linkshänder, fällt es ihm daher schwerer, auf dessen Aktionen zu reagieren. Linkshänder hingegen sind besser auf Rechtshänder eingestellt, weil sie häufiger gegen sie antreten müssen.

joe/dpa

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