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Lastenträger in Nepal: Schleppen auf dem Dach der Welt

Foto: Tashi Sherpa/ AP

Lastenträger im Himalaya Warum Nepalesen so viel tragen können

Da muss es doch ein Geheimnis geben: Forscher wundern sich seit Jahren, wie Nepalesen Lasten schleppen können, die so viel wiegen wie sie selbst. Jetzt haben sie eine ernüchternde Antwort.

Norman Heglund hat einen Limonadenstand in Nepal eröffnet - nicht um Geld zu verdienen, sondern für die Wissenschaft. Heglund ist Physiologe und forscht an der Université Catholique de Louvain in Belgien. Ihm ist aufgefallen, dass viele Nepalesen enormes Gewicht mit sich herumtragen können. Was das mit Limonade zu tun hat?

Auf einem Schild neben Heglunds Limostand war zu lesen: "Wenn Sie kurz anhalten und wir Sie und Ihr Gepäck wiegen dürfen, bekommen Sie ein Glas Limonade." 21 Vorbeigehende nehmen das Angebot an, die Messungen und die daraus resultierenden Erkenntnisse wurden nun im "Journal of Experimental Biology" veröffentlicht .

Das Anderthalbfache des Körpergewichts, festgezurrt um den Kopf

Die Waage zeigte, dass einige der Untersuchten mit dem Anderthalbfachen ihres Körpergewichts beladen waren. Ein trainierter Europäer kann zum Vergleich nur etwa 60 Prozent seines Körpergewichts transportieren, und auch das maximal eine Stunde lang.

Es gibt zwar einige Ausnahmen wie den Engländer Eddie Hall - er hob in diesem Jahr 500 Kilogramm, fast das Dreifache seines Gewichts und Weltrekord im Kreuzheben. Danach brach er allerdings zusammen. Nepalesen tragen ihre schweren Lasten jedoch oft mehrere Tage mit sich herum.

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Die Menschen, die Heglund traf, hatten so viel bei sich, weil sie auf dem Weg nach Namche waren. In dem kleinen Ort im Nordosten Nepals findet einmal in der Woche ein Markt statt. Eine Straße dorthin gibt es nicht. Genau deshalb hatten sich die Forscher an der Wanderroute postiert und warteten auf die schwerbeladenen Händler, die vorbeikamen.

Menschen in Nepal tragen Lasten auf die harte Tour

Die Forscher hatten einen Verdacht: Die Nepalesen müssen einen besonderen Trick haben, um die großen Lasten bewegen zu können. Um zu überprüfen, ob das stimmt. ließen sie ihre freiwilligen Versuchsteilnehmer über eine Kraftplatte laufen, die Gewichtsverlagerungen genau dokumentierte. Außerdem filmten sie die Nepalesen bei der Bewegung. Dasselbe machten sie dann auch mit drei Europäern, um die Ergebnisse später vergleichen zu können.

Besonders achteten die Forscher auf die Hüfte. Denn sie hatten bereits herausgefunden, dass kenianische Frauen dank eines einzigartigen Hüftschwungs besonders schwere Lasten auf dem Kopf tragen können. Etwas Ähnliches vermuteten die Forscher auch bei den Nepalesen. Seit Jahren sind sie deshalb in dem Land unterwegs und haben Hunderte Lastenträger auf ihrem Weg durch den Himalaya begleitet. Man kann ihnen also nicht vorwerfen, es nicht versucht zu haben auf das Geheimnis zu kommen.

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Nun ist jedoch klar: Es gibt keinen Trick. Nepalesen tragen einfach extrem schwere Dinge, ohne einen besonderen Hüftschwung oder andere körperliche Anpassungen. "Diese Menschen machen niemals zwei Schritte auf demselben Level", so Heglund. Die Forscher vermuten, dass ökonomisches Laufen im Himalaya deshalb ohnehin kaum möglich ist.

Die Forscher sind trotz Enttäuschung beeindruckt

Doch ganz ohne Hilfsmittel und Kniffe schaffen es auch die Lastenträger in Nepal nicht. Sie gehen beispielsweise sehr langsam, nach etwa 15 Sekunden machen sie nicht selten 45 Sekunden Pause. Laut den Forschern beeilten sich die Nepalesen auch nicht, selbst wenn sie spät dran waren. Stattdessen liefen sie lieber bis in die Nacht hinein.

Außerdem tragen viele Nepalesen traditionell einen breiten Riemen um den Kopf, an dem Lastenkörbe hängen. So wird das Gewicht besser verteilt. Heglund gibt zu, dass er von dem Forschungsergebnis trotzdem etwas enttäuscht ist. "Aber es ist umso beeindruckender, dass die Menschen diese enormen Lasten in solcher Höhe herauf und herunter tragen, und zwar auf dem harten Weg."

koe
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