Bibel-Museum in Washington Ausgestellte Schriftrollen sind gefälscht

In Washington stellt das größte Bibelmuseum der Welt Handschriften, Drucke und andere Objekte zur Geschichte der Bibel aus. Doch einige Schriftrollen sind offenbar Fälschungen.

Fragment einer Schriftrolle im Museum of the Bible in Washington
JIM LO SCALZO/ EPA-EFE/ REX/ Shutterstock

Fragment einer Schriftrolle im Museum of the Bible in Washington


Das Museum of the Bible in der Innenstadt von Washington ist ein mächtiger Bau. Gut 500 Millionen US-Dollar hat er gekostet. Erst im Herbst des vergangenen Jahres wurde die Ausstellung eröffnet - sogar Vizepräsident Mike Pence war da. Unter den Exponaten befinden sich viele Stücke aus der Bibelgeschichte, darunter etwa uralte Schriftrollen vom Toten Meer.

Doch nun muss das Museum ein peinliches Zugeständnis machen: Die technische Analyse eines Teams deutscher Experten von der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) habe ergeben, dass mindestens fünf der 16 Schriftrollenfragmente des Museums wohl Fälschungen sind - sie sollen aus der Ausstellung entfernt werden.

Jeffrey Kloha, Chefkurator des Bibelmuseums, sagte in einer Erklärung, dass das Museum die Öffentlichkeit nun über die Wichtigkeit der Verifizierung seltener biblischer Artefakte aufklären müsse und man zu Transparenz verpflichtet sei. "Natürlich hatten wir auf ein anderes Ergebnis gehofft", heißt es in einer Mitteilung.

Die Schriftrollen gehören zu einer Sammlung alter jüdischer religiöser Texte. Ein Teil war erstmals Mitte der Vierzigerjahre in Höhlen am Westufer des Toten Meeres im heutigen Israel entdeckt worden. Dieser außergewöhnliche Fund hebräischer Dokumente geht vermutlich auf die Zeit Jesu zurück. Es dauerte Jahrzehnte, bis die mehr als 9.000 Dokumente und 50.000 Fragmente vollständig ausgegraben wurden.

Funde wie die Schriftrollen samt der Fragmente werden normalerweise streng von der israelischen Antikenbehörde kontrolliert. Aber um das Jahr 2002 herum tauchten plötzlich etliche neue Fragmente auf dem Markt auf - Bibelexperten waren skeptisch.

Denn genau solche alten Schriftrollen mit religiösen Texten sind bei Sammlern in den USA sehr beliebt. Deshalb zahlte ein Gruppe Baptisten und ein evangelisches College in Kalifornien Millionen, um die angeblichen Originale zu kaufen.

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Schließlich gelangten sie in das Museum. Es entstand durch die Initiative des US-Milliardärs Steve Green. Der streng gläubige Unternehmer und Besitzer einer Einrichtungs- und Handarbeitskette hat das Museum in Washington maßgeblich finanziert und stellt dort Teile seiner Green Collection, einer Sammlung von über 40.000 Handschriften, Drucken und anderen Objekten zur Geschichte der Bibel aus. Dazu gehört auch eine Bibel, die mit "Apollo 14" auf dem Mond war, und eine Heilige Schrift aus dem Besitz von Elvis Presley.

Doch weil Green für die Sammlung auch illegale Ankäufe tätigte, stand er schon länger in der Kritik. So schaffte er 2010 etwa 5500 Stücken aus dem Irak an, darunter Rollsiegel oder alte Tontafeln mit Keilschriften.

Die Funde waren unter ungeklärten Umständen aus dem Land herausgeschmuggelt worden - möglicherweise stammen sie aus Raubgrabungen. Nachdem US-Behörden die Stücke beschlagnahmt hatten, wurden sie zurückgegeben - zudem zahlte Green eine Strafe von drei Millionen US-Dollar. Green wurde aber auch dafür kritisiert, mit dem Museum christliche Propaganda zu betreiben.

Dass Museen und Forscher auf gefälschte Exponate hereinfallen, kommt immer mal wieder vor. Der Handel mit Antiquitäten ist weltweit ein Millionengeschäft, entsprechend ist der Mark mit Fälschungen und mit Stücken aus illegalen Grabungen durchzogen. Erst kürzlich musste die Bayerische Staatsbibliothek einräumen, dass eine berühmte Amerika-Karte des Geografen Martin Waldseemüller eine Fälschung ist.

joe/AP



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