Wasser-Notlage Alle 15 Sekunden stirbt ein Kind
Fast eine Milliarde Kinder lebt ohne sanitäre Anlagen unter unhygienischen Bedingungen - eine tödliche Bedrohung. Weltweit sterben jedes Jahr 1,5 Millionen Kinder unter fünf Jahren an Durchfall, weil sie verschmutztes Wasser getrunken haben. In Entwicklungsländern haben rund 425 Millionen Kinder keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Drei Zahlen, die erschrecken - angesichts der Tatsache, das die Trinkwasserversorgung weltweit eigentlich Fortschritte macht. Drei Zahlen, die in dem neuen Unicef-Bericht über die Wasserversorgung und Hygienesituation der Kinder in der Welt stehen. Es gibt aber auch eine positive Nachricht.
Etwa 1,2 Milliarden Menschen haben seit 1990 einen besseren Zugang zu sauberem Wasser und einfachen sanitären Anlagen erhalten, heißt es in dem Bericht des UN-Kinderhilfswerks, der heute in New York und Genf vorgestellt wird. Mittlerweile 59 Prozent der Weltbevölkerung haben wenigstens Zugang zu Latrinen; 1990 waren es nur 49 Prozent.
Doch vor allem in den ländlichen Gebieten von Schwarzafrika und Südasien seien die Fortschritte nur gering. Von den insgesamt rund 2,6 Milliarden Menschen weltweit, die keinen Zugang zu sanitären Anlagen haben, leben zwei Milliarden auf dem Land - und die meisten von ihnen in Afrika und Asien.
Fortschritte in China und Indien
Zugang zu sauberem Trinkwasser haben etwa eine Milliarde Menschen überhaupt nicht. Besonders dramatisch ist das in Afrika südlich der Sahara. Dort leben elf Prozent der Weltbevölkerung - und ein Drittel all jener, die keinen Zugang zu Trinkwasser haben. In Nigeria, in der Demokratischen Republik Kongo, in Niger, im Tschad und in Äquatorial-Guinea kann nicht einmal jeder zweite Bürger an saubere Wasserquellen kommen.
"Kinder zahlen einen hohen Preis für das schmutzige Wasser. Alle 15 Sekunden stirbt ein Kind, weil sauberes Wasser und einfachste sanitäre Anlagen fehlen", sagte Dietrich Garlichs, der Geschäftsführer von Unicef Deutschland.
Von 1990 bis 2016 sollte der Wasser- und Hygienenotstand eigentlich halbiert werden, hatte sich die Internationale Gemeinschaft vorgenommen. Tatsächlich gibt es hier Fortschritte, vor allem in China und Indien. Aber auch in diesen Ländern hat die Bevölkerungsmehrheit nach wie vor keinen Zugang zu angemessener Sanitärversorgung. Und nicht überall geht es bergauf: Laut Unicef ist in West- und Südafrika die Zahl der Menschen, denen nicht genügend sauberes Trinkwasser zur Verfügung steht, seit 1990 sogar weiter angestiegen. Die Experten stellen resigniert fest: Die Fortschritte bei der Wasserversorgung seien so gering, dass sie mit dem schnellen Bevölkerungswachstum einfach nicht mithalten könnten.
fba/rtr