Schlachtfeld bei Waterloo Kanonenkugel verrät, wie nah Napoleon dem Sieg war

Die Niederlage von Waterloo besiegelte im Juni 1815 das Ende der Herrschaft Napoleons. Neue archäologische Funde zeigen, wie blutig die Schlacht war - und wie die Geschichte beinahe anders ausging.

Feld bei Waterloo: Drei Kilogramm schwere Kanonenkugel gefunden
REUTERS / Johanna Geron

Feld bei Waterloo: Drei Kilogramm schwere Kanonenkugel gefunden


Waterloo - der Name dieses heute zu Belgien gehörenden Dorfes ist zur Chiffre für ein katastrophales Scheitern geworden. Der französische Kaiser Napoleon Bonaparte erlebte dort am 18. Juni 1815 seine letzte und entscheidende militärische Niederlage. Er hatte seine Truppen in einen Kampf gegen die alliierten Armeen unter der Führung des britischen Generals Wellington und seines preußischen Kollegen von Blücher geschickt.

Ein archäologischer Fund auf dem damaligen Schlachtfeld erinnert nun daran, dass Napoleon damals wohl nur knapp einen Sieg verfehlt hat. Es handelt sich um eine drei Kilogramm schwere Kanonenkugel, die in der Nähe eines früheren Feldlazaretts ausgegraben wurde - 600 Meter hinter den Linien der Alliierten.

Die Kugel wurde nach Ansicht der Archäologen zu einem Zeitpunkt der Schlacht abgefeuert, in dem die Franzosen die Oberhand über ihre Gegner hatten. Am Abend des 18. Juni 1815 hatten Napoleons Leute nach stundenlangen Versuchen den strategisch wichtigen Gutshof La Haye Sainte erobert. Dadurch war es ihnen möglich, ihre von Pferden gezogenen Kanonen auf dem Schlachtfeld weiter nach vorn zu bringen und die Briten zu attackieren. Diese wiederum konnten nicht zum Gegenangriff übergehen, weil sich ihre Soldaten in nur langsam aufzulösenden Verteidigungsformationen befanden.

Forscher Tony Pollard von der University of Glasgow erklärte, die Franzosen hätten den Briten mithilfe dieser Kanonen starke Verluste zugefügt. Es habe die Gefahr bestanden, dass Wellingtons Linien durchbrochen werden.

Der Einsatz britischer Schützen gegen die französischen Kanoniere, vor allem aber das Eintreffen der preußischen Truppen, verhinderten am Ende dennoch den französischen Sieg - und Waterloo markierte Napoleons Ende.

Feldärzte amputierten Soldaten Gliedmaßen

Die Archäologen der Organisation Waterloo Uncovered, zu deren Team auch Armeeveteranen aus Großbritannien gehören, fanden bei ihrem aktuellen Grabungsprojekt auch Dutzende Gewehrkugeln. Diese zeigten, wie umkämpft die Gegend um das Feldlazarett war, so die Forscher. Allein innerhalb eines Tages seien 58 Kugeln gefunden worden. Außerdem entdeckten die Wissenschaftler Knochenfragmente, die belegen, dass Feldärzte verletzten Soldaten Gliedmaßen amputieren mussten. Forscher Pollard erklärte, man habe drei Beinknochen gefunden, einer von ihnen weise Spuren einer Säge auf.

Bei der Schlacht von Waterloo hatten Zehntausende Menschen ihr Leben verloren. Napoleon musste nach seiner Niederlage zurücktreten und wurde auf die abgelegene Insel St.Helena im Südatlantik verbannt. Dort starb er im Mai 1821.

chs



insgesamt 41 Beiträge
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Seite 1
kajoter 22.07.2019
1. Interessant
Aber trotzdem sehr dürftig. Etwas mehr Details wären wünschenswert gewesen.
Augustusrex 22.07.2019
2. es waren
viele Fehler von Seiten Napoleons, welche zur Niederlage bei Waterloo führten. Aber selbst wenn er diese Schlacht gewonnen hätte, hätte das am Endergebnis nichts geändert. Die Alliierten hätten nicht mehr nachgegeben. Weitere Armeen marschierten bereits in Richtung Frankreich. Frankreich hätte nicht mehr die Kraft gehabt, weitere Armeen aufzustellen und auszubilden. Die Ära Napoleon war endgültig vorbei. Sie war schon vorbei ehe er von Elba kommen im Golf von Juan landete. Die 100 Tage waren nur ein letztes Aufflackern.
bombi_22 22.07.2019
3. Na ja....
... wer von Geschichte wenig Ahnung hat, dem wird mit diesem Artikel zum Ende der 100 Tage ein bisschen weiter geholfen. Napoleons entscheidende Niederlagen waren allerdings Russland 1812 und Leipzig 1813. Auch danach "siegte" Napoleon übrigens noch. Man denke nur an die brillante Rückzugskampagne 1813/14 in Frankreich. Diese Siege waren aber bedeutungslos weil Frankreich am Ende war und die Alliierten immer neue Armeen aus dem Boden stampften. Deshalb die erste Abdankung. Selbst wenn Waterloo mit der völligen Vernichtung von Wellington geendet hätte, wäre der Sieg Episode geblieben. Frankreich war am Ende & die Österreicher, Preußen, Russen , Briten und Schweden waren zu keinerlei Verhandlungen bereit und hätten so lange weitere Heere geschickt bis der Spuk 1815 vorbei gewesen wäre. Der Hype um Waterloo ist vor allem britische Propaganda. Noch heute wird auf der Insel gern das schlachentscheidende Eingreifen der Preußen unter Blücher heruntergespielt oder ganz verschwiegen.
geri&freki 22.07.2019
4. "Ich wollte, es wäre Nacht..."
Der Beitrag erweckt den Eindruck, als hätten sich in der Schlacht zunächst nur Franzosen und Briten gegenüber gestanden. Zwar hatte der Herzog von Wellington das Oberkommando über die allierten Truppen. Tatsächlich aber standen den Franzosen neben britischen Kontingenten auch Truppen aus den Niederlanden, aus dem Königreich Hannover und aus den Herzogtümern Braunschweig und Nassau gegenüber. Und selbst die britischen Truppen waren nicht rein britisch, sondern umfassten u.a. mit der "King's German Legion" ein weiteres deutsches Kontingent. Hinzu kamen in der letzten Phase der Schlacht schließlich auch die Preußen unter Blücher ("Marschall Vorwärts"), die dann den Ausschlag gaben.
Pixelpu 22.07.2019
5. Seid nicht feige, lässt mich Hintern den Baum
So sind sie die großen Feldherrn damals und heute. Zehntausende auf die Schlachtbank schicken und wenn's misslingt ins luxuriöse Exil oder auf einer Insel alt werden. Wahre Helden diese Herren
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