Studien zum Fest Stört das Essen bei den Schwiegereltern die Darmflora?

Weihnachten beschäftigt auch die Wissenschaft. Glaubt man Forschern, lohnen sich Geschenke nicht und der Besuch bei den Schwiegereltern gefährdet die Gesundheit.
Sollte man den Braten der Schwiegermutter besser nicht annehmen?

Sollte man den Braten der Schwiegermutter besser nicht annehmen?

Foto: Betsie Van Der Meer/ Getty Images

Zu dir oder zu mir? Diese Frage stellen sich viele Paare vor Weihnachten, wenn sie entscheiden sollen mit welcher Familie sie die Festtage verbringen. Laut niederländischen Forschern sollte man das Weihnachtsessen bei den Schwiegereltern allerdings besser ausfallen lassen. Der Grund: Es stört die Darmflora.

Für ihre Studie untersuchten Forscher das Mikrobiom von 24 Erwachsenen, die jeweils am 23. Dezember und am 27. Dezember eine Stuhlprobe ablieferten. Ergebnis: Im Darm derjenigen, die über die Feiertage ihre Schwiegereltern besucht hatten, tummelten sich deutlich weniger Ruminococcus-Bakterien als bei denen, die Weihnachten mit ihrer biologischen Verwandtschaft begingen. Ein solcher Rückgang ist auch bei Menschen mit Depressionen und bei Mäusen beobachtet worden, die unter chronischem Stress stehen.

Machen Schwiegereltern herzkrank?

Die Forscher schlussfolgern, dass der Besuch bei den Schwiegereltern offenbar für Stress sorgt und dadurch das Mikrobiom im Darm schädigt. "Zu Weihnachten sind Menschen einem Umweltfaktor ausgesetzt, der einen unerwarteten Einfluss auf die Zusammensetzung der Darmflora haben könnte: dem obligatorischen Besuch bei den Schwiegereltern", schreiben sie im Fachblatt "Human Microbiome Journal".

Schon vorherige Studien hätten gezeigt, dass Schwiegereltern die Gesundheit gefährden. So hätten Frauen, die mit ihren Schwiegereltern zusammenleben ein bis zu drei Mal so hohes Risiko eine Herzkrankheit zu entwickeln.

Sollte man also den Festtagsbesuch bei dem angeheirateten Teil der Familie aus gesundheitlichen Gründen absagen? Eine, die es wissen muss ist Miriam Stengel. Sie ist Ärztliche Direktorin und Leitende Oberärztin in der Gastroenterologie in der Helios Klinik in Rottweil, lehrt an der Universität Tübingen und ist Vorsitzende des Patienteninformationsforums für Magen-Darm-Erkrankungen.

Im Video: Tipps zum Geschenke einpacken

SPIEGEL ONLINE

Ihr Urteil ist vernichtend: "Ich hätte die Studie so nicht durchgehen lassen", sagt Stengel. Das Thema sei zwar spannend, aber der Studienaufbau ungeeignet, die Ergebnisse nicht überprüfbar. Die Veränderungen im Mikrobiom könnten tausend andere Gründe haben als die Schwiegereltern.

Die Forscher erfassten beispielsweise nicht, wie weit die Schwiegerfamilie weg wohnt. Vielleicht veränderten am Ende nicht die Schwiegereltern die Darmflora, sondern der 10-Stunden-Flug zu ihnen. Ein Ortswechsel ist laut Stengel häufig mit Darmproblemen verbunden, viele Patienten klagten beispielsweise über Verstopfungen.

Außerdem wurden die Teilnehmer nicht gefragt, wie sie den Besuch bei den Schwiegereltern empfunden haben. Dass Stress per se für einen Rückgang an Ruminococcus-Bakterien sorgt, ist wissenschaftlich überhaupt nicht bewiesen. "Es gibt zwar Tierstudien, die zeigen, dass Stress das Mikrobiom verändert", sagt Stengel. Doch für Menschen gebe es bisher nur wenige Untersuchungen. Sie zeigen, dass die Darmbakterien mit dem Rest des Körpers interagieren, insbesondere mit dem Gehirn. Doch wie genau das funktioniert, ist unklar. (Mehr dazu lesen Sie hier .)

Die Studie aus den Niederlanden ist längst nicht die einzige Weihnachtswissenschaft:

  • Laut einer Umfrage unter 500 Studierenden  sind Geschenke eine schlechte Investition. Den meisten Beschenkten sind sie weniger wert, als sie tatsächlich gekostet haben. Auf die Frage, wie viel Geld sie bereit wären, selbst für ihre Präsente auszugeben, nannten die Befragten eine Summe, die im Schnitt zehn Prozent unter dem tatsächlichen Marktwert lag. Auffällig: Gerade Geschenke von Großeltern schnitten schlecht ab.
  • Im Jahr 2009 sorgte der australische Epidemiologe Nathan Grills für Aufsehen , als er anprangerte, ein übergewichtiger Weihnachtsmann sei ein schlechtes Vorbild. Was als Scherz gemeint war, ging als Warnung eines Wissenschaftlers um die ganze Welt: Santa hat einen schlechten Einfluss auf unsere Kinder.
  • Soll noch einer sagen, Wissenschaft hätte keinen praktischen Nutzen: Mathematiker der University of Sheffield  haben die Formel für das perfekte Baumschmücken entwickelt, damit die Tanne nicht zu kahl und nicht zu überladen wirkt. Die perfekte Anzahl der Kugel berechnet sich demnach aus der Wurzel aus 17 geteilt durch 20 mal die Höhe des Baums in Zentimetern. Bei einer 1,80 Meter großen Tanne macht das 37 Kugeln.
  • Auch auf die Frage, wann man seinen Kindern sagen sollte, dass es den Weihnachtsmann gar nicht gibt, haben Forscher eine Antwort: Mit fünf bis sechs Jahren können Kinder verstehen, dass der Weihnachtsmann nur eine Legende ist und in Wahrheit Papa im Kostüm steckt. Die meisten nehmen ihren Eltern den jahrelangen Betrug nicht übel. (Mehr dazu lesen Sie hier.)

Frohes Fest.