Hirn-Studie Weiße können Gesichter von Schwarzen nicht unterscheiden - und umgekehrt

Warum fällt es so schwer, Gesichter fremder Ethnien auseinanderzuhalten? US-Forscher haben bei Probanden Hirn-Scans angefertigt - und eine überraschende Entdeckung gemacht.

Flashpop/ Digital Vision/ Getty Images

Dass Menschen Individuen anderer Ethnien schlechter voneinander unterscheiden können, liegt unter anderem an der Art, wie das Gehirn visuelle Informationen verarbeitet. Das Gehirn weißer Probanden zeigte bei Untersuchungen im Hirnscanner unterschiedliche Muster - je nachdem, ob sie das Gesicht eines Weißen oder Schwarzen betrachteten.

Forscher um Jennifer Eberhardt von der kalifornischen Stanford-Universität haben das Gehirn von 20 jungen, männlichen, weißen Freiwilligen untersucht. In drei unterschiedlichen Experimenten betrachteten die Teilnehmer Fotos und bewerteten, wie ähnlich sich verschiedene Gesichter sind. Dabei wurden ihre Hirnaktivitäten mithilfe von MRT-Scans gemessen.

Das Ergebnis: In allen drei Experimenten empfanden die weißen Teilnehmer Gesichter schwarzer Menschen als ähnlicher, berichten die Forscher im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences". Die MRT-Bilder zeigten, dass die für die Gesichtserkennung zuständigen Regionen im Gehirn bei Fotos von Menschen anderer Hautfarbe langsamer und insgesamt weniger aktiv wurden.

Gefahr: Falsche Zeugenaussagen

Die Wissenschaftler schließen daraus, dass die Hirnneuronen deutlich empfindlicher auf Unterschiede in Gesichtern aus der eigenen ethnischen Gruppe reagieren. Bei Menschen aus anderen Gruppen würden die Gesichter hingegen in einer breiteren, weniger differenzierten Kategorie eingeordnet.

Die Forscher vermuten, dass der Grund dafür darin liegt, dass wir mit Mitgliedern der eigenen ethnischen Gruppe mehr Kontakt haben und das Gehirn über mehr visuelle Erfahrungen verfügt. Eine These, die bereits in anderen Studien untermauert wurde.

"Es ist denkbar, dass der Kontakt zu anderen ethnischen Gruppen im Kindesalter dazu führt, dass die Neuronen dann auch diesen gegenüber empfindlich reagieren", schreiben die Autoren. Der Theorie zufolge wären wir dann in der Lage, Gesichter von Menschen unterschiedlicher Herkunft gleich gut unterscheiden zu können.

Ältere Studien deuten auch darauf hin, dass es Menschen leichter fällt, Gesichter zu unterscheiden, wenn sie sich mit Vertretern anderer ethnischer Herkunft identifizieren können - etwa weil sie den gleichen Fußballverein unterstützen. Es müsse allerdings noch genauer erforscht werden, wie fest die Erkennungsmuster im Gehirn verankert seien und wie sich verändern ließen, berichten die Wissenschaftler.

Sie betonen, dass es durchaus negative Folgen haben kann, wenn man Gesichter nicht unterscheiden kann. Es könnte etwa rassistische Vorurteile begünstigen. Ein Risiko sei auch, dass Menschen unbeabsichtigt falsche Zeugenaussagen machen.

jme/dpa



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