Weltweite Ernährungslage Zahl der Hungernden sinkt - außer in vier Ländern

Der Kampf gegen den Hunger zeigt Erfolge: Weltweit ist die Zahl der Unterernährten auf einen Tiefstand gesunken. Allerdings haben noch immer mehr als 800 Millionen Menschen zu wenig zu essen - und es drohen neue Nahrungskrisen.
Unterernährtes Kind (in Somalia, Juli 2011): Der Kampf gegen den Hunger ist noch längst nicht gewonnen - zeigt aber auch Erfolge.

Unterernährtes Kind (in Somalia, Juli 2011): Der Kampf gegen den Hunger ist noch längst nicht gewonnen - zeigt aber auch Erfolge.

Foto: Farah Abdi Warsameh/ AP

Hamburg - Die Zahl der Hungernden geht weltweit zurück. Allerdings gelten noch immer etwa 805 Millionen Menschen als unterernährt. Das geht aus dem Welthunger-Index (WHI) 2014 hervor, den die Welthungerhilfe am Montag in Berlin vorgestellt hat. 2013 hatte die Zahl der chronisch Unterernährten noch bei 842 Millionen gelegen. Damit ist ihre Zahl binnen einem Jahr um etwa vier Prozent zurückgegangen. Allerdings sieht die Organisation in 16 Ländern "noch immer großen Handlungsbedarf".

Der WHI wird aus drei Einflussgrößen berechnet, die gleich gewichtet werden:

  • der Sterblichkeitsrate von Kindern unter fünf Jahren,
  • dem Anteil von Kindern unter fünf Jahren, die untergewichtig sind
  • und dem Anteil der Unternährten in der Bevölkerung.

In der aktuellen Untersuchung wurden diese Informationen aus 120 Ländern ermittelt und die aktuellsten Daten zwischen 2009 und 2013 berücksichtigt. Die Grundlage bilden unter anderem Ermittlungen der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen (Unicef). Herausgegeben wird der Bericht von der Welthungerhilfe, dem Internationalen Forschungsinstitut für Ernährungspolitik (IFPRI) und der irischen Nichtregierungsorganisation Concern Worldwide.

WHI 2014: Die Farben markieren den Schweregrad der Ernährungsprobleme, von Rot ("gravierend") über Orange ("ernst") bis Grün ("wenig"). Industrieländer sind weiß markiert.

WHI 2014: Die Farben markieren den Schweregrad der Ernährungsprobleme, von Rot ("gravierend") über Orange ("ernst") bis Grün ("wenig"). Industrieländer sind weiß markiert.

Foto: Welthungerhilfe

Laut dem Index (interaktive Weltkarte ) ist die Zahl der Hungernden seit 1990 weltweit um 39 Prozent gesunken. Einige Konfliktregionen und afrikanische Staaten mit sehr hohen HIV-Infektionsraten sind von diesem positiven Trend jedoch ausgenommen.

Irak zählt zu den größten Verlierern

Auf der Verliererseite listet der aktuelle Index den Irak, Swasiland, die Komoren und Burundi auf. In diesen Staaten hungern im Vergleich zu 1990 heute deutlich mehr Menschen. Demnach liegen drei der vier Verliererländer in Afrika.

In Swasiland habe sich der Anteil der unterernährten Menschen zwischen 2004 und 2006 mehr als verdoppelt, heißt es in dem Bericht. Verantwortlich macht die Organisation die mit 26,5 Prozent höchste HIV-Infektionsrate weltweit. Außerdem seien große Einkommensunterschiede, Arbeitslosigkeit und wiederkehrende Dürren für die verheerende Situation verantwortlich.

Auf den Komoren sieht die Hilfsorganisation anhaltende Nahrungsunsicherheit, eine enorme Armutsrate, hohe Inflation und ein schwaches Bildungssystem als größte Herausforderungen für die zukünftige Entwicklung.

Der Irak, der wegen seiner Ölquellen eigentlich großes Potenzial für wirtschaftliche Verbesserungen hat, verzeichnet laut Bericht die zweitschlechteste Entwicklung von allen. Zwar sei die Sterblichkeitsrate seit 1990 leicht gesunken, doch der Anteil unterernährter Menschen in der Bevölkerung habe sich seit 1990, dem Jahr der irakischen Invasion in Kuwait, mehr als verdoppelt. Verantwortlich sei vor allem die anhaltende Gewalt und der Zustrom syrischer Flüchtlinge. Auch kritisieren die Experten die Qualität der Grundversorgung in dem arabischen Land, in dem ein großer Teil des Wirtschaftslebens staatlich kontrolliert ist.

Zwei Milliarden Menschen sind mangelernährt

In einigen Problemstaaten Afrikas und Asiens gibt es allmählich Grund zur Hoffnung. So konnten laut WHI Angola, Ghana, Malawi, Niger, Ruanda, Thailand, der Tschad, Bangladesch, Kambodscha und Vietnam den Hunger ihrer Bevölkerung im Vergleich zu 1990 am deutlichsten verringern.

Das habe vor allem politische Gründe: Angola und Kambodscha befänden sich nach verheerenden Konflikten in einer Phase der Erholung, heißt es in dem Bericht. Bangladesch erziele auf breiter Basis Verbesserungen der Sozialindikatoren. Öffentliche und private Hilfsprojekte trügen dazu bei, Kinder besser zu ernähren. 1990 seien noch 62 Prozent aller Kinder in dem Land untergewichtig gewesen, 2011 habe der Anteil bei nur noch 37 Prozent gelegen.

Den Schwerpunkt legten die Organisationen in ihrem Bericht für 2014 auf die Mangelernährung, den sogenannten verborgenen Hunger. Hier hungern die Menschen nicht zwangsläufig, nehmen aber zu wenig Vitamine und Mineralstoffe auf, um ein gesundes Leben zu führen. Laut der Hilfsorganisation sind von diesem Zustand zwei Milliarden Menschen betroffen.

Vor allem Kinder, deren Körper durch Mangelernährung nicht richtig wachsen kann, leiden unter dem Phänomen: Viele sterben in jungen Jahren. Aber auch Erwachsene kämpfen wegen Mangelernährung mit einem geschwächten Immunsystem und sind entsprechend anfällig für Krankheiten.

Hauptfaktor für Mangelernährung sei Armut, so die Welthungerhilfe. Große Bedeutung messen die Experten aber auch dem Bildungsgrad von Frauen bei, der Studien zufolge oft darüber entscheidet, ob eine Familie Wert auf nährstoffreiche Ernährung legt. Deshalb sei auch die Politik gefordert, die Situation in den betroffenen Staaten zu verbessern.

jme/dpa
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