Weltklimakonferenz Bali EU verlangt Reduzierung der Emissionen um 50 Prozent

Die Europäer machen Druck: Zur Eröffnung der Weltklimakonferenz auf Bali hat die Europäische Kommission das Ziel ausgegeben, der Treibhausgas-Ausstoß müsse bis 2050 um 50 Prozent verringert werden. Unterdessen hat Australiens neue Regierung das Kyoto-Protokoll ratifiziert.

Nusa Dua - Die Weltklimakonferenz auf Bali begann mit einer eindringlichen Warnung vor den Folgen des Nichtstuns beim Klimaschutz. Der indonesische Umweltminister und Konferenzpräsident Rachmet Witoelar sagte bei der Eröffnung der Konferenz, von wissenschaftlicher Seite aus seien die verheerenden Folgen des Klimawandels drastisch aufgezeigt worden. Jetzt müsse gehandelt werden. "Wir müssen den politischen Willen aufbringen", mahnte er seine Kollegen.

Mehr als 10.000 Delegierte aus gut 180 Ländern wollen in Nusa Dua in zwei Wochen den Startschuss für einen Nachfolgevertrag für das Kyoto-Protokoll zur Eindämmung der Treibhausgase geben. Verhandelt wird zuvor über das genaue Mandat und einen Zeitplan. "Diese Konferenz wird mitbestimmen, ob Bali wie andere gefährdete Orte dieser Welt eines Tages ein verlorenes Paradies wird oder nicht", warnte Yvo de Boer, Chef des Uno-Klimasekretariats, bei der Eröffnung.

Die Europäische Kommission gab das ehrgeizige Ziel aus, schon auf Bali ein konkretes Reduktionsziel für die Klima schädigenden Treibhausgase festzusetzen. Denkbar sei das Vorhaben, die Emissionen bis 2050 um 50 Prozent zu senken, sagte der Leiter des Klimawandel-Referats in der Kommission, Arthur Runge-Metzger, in Nusa Dua. "Es wäre sinnvoll, dem Verhandlungsprozess eine Richtung zu geben, aber wir müssen sehen, wie weit wir kommen." Manche Entwicklungs- und Schwellenländer fürchteten allerdings, dass dies ihr Wachstum beeinträchtigen könnte. Insbesondere China steht verbindlichen Grenzen für den Treibhausgas-Ausstoß deshalb skeptisch gegenüber.

"Es ist klar, dass die Entwicklungsländer ein Recht auf Wachstum haben", sagte Runge-Metzger. Die damit verbundene Wachstumskurve bei den Emissionen müsse aber möglichst niedrig gehalten werden. Die Umweltorganisation WWF forderte eine einseitige Verpflichtung der Industrieländer zu konkreten Emissionssenkungen. "Die reichen Länder können zeigen, dass es ihnen ernst ist, indem sie in Bali eine Emissionsverringerung von mindestens 30 Prozent bis 2020 zusagen", sagte WWF-Klimaexperte Stephan Singer. Die EU hatte das in Aussicht gestellt, wenn auch andere Industrieländer mitziehen.

Das Kyoto-Protokoll läuft 2012 aus. Der Anschlussvertrag soll spätestens 2009 unterzeichnet werden, um allen Ländern genügend Zeit für die Ratifizierung zu geben.

Die Umweltorganisation Greenpeace bot vor dem Konferenzzentrum in schwüler Hitze einen Mitarbeiter im Eisbärkostüm auf, der ein fast sieben Meter hohes Plastik-Thermometer auf einer Weltkugel enthüllte. Es soll die Delegierten daran erinnern, dass ein Anstieg der Temperatur um mehr als zwei Grad Celsius verheerende Folgen hätte.

"Wir sind hier, um sicherzustellen, dass die Regierungen einen klaren Aktionsplan beschließen, um mit dem Klimawandel fertig zu werden", sagte der Greenpeace-Klimaexperte Gavin Edwards.

Australien ratifiziert Kyoto-Protokoll

Australien hat unterdessen eine scharfe klimapolitische Wende eingeleitet. Der neue Ministerpräsident Kevin Rudd am heutigen Montag das Kyoto-Protokoll zur Verringerung von Treibhausgasen ratifiziert. "Dies ist die erste Amtshandlung der neuen australischen Regierung", erklärte der sozialdemokratische Politiker in einer Mitteilung. Die Unterzeichnung solle zeigen, dass sich die Regierung voll gegen den Klimawandel einsetze. Kurz zuvor waren Rudd und seine Minister in der Hauptstadt Canberra vereidigt worden.

Die US-Regierung hat damit einen wichtigen Verbündeten in der internationalen Klimapolitik verloren. Die USA sind nunmehr der einzige westliche Industriestaat, der das Kyoto-Protokoll noch nicht ratifiziert hat.

asc/dpa/AP

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