Weltpremiere Ärzte geben Mann neue Zunge

Die weltweit erste Zungentransplantation ist gelungen. Die Ärzte in Österreich, die das Organ in einer 14-stündigen Operation verpflanzten, sprachen von einem Eingriff ohne Komplikationen. Dennoch ist offen, ob ihr Patient wieder sprechen und schmecken können wird.


Querschnitt des menschlichen Kiefers: Weltweit erste erfolgreiche Zungentransplantation
DPA

Querschnitt des menschlichen Kiefers: Weltweit erste erfolgreiche Zungentransplantation

Der 42-jährige Patient sei in gutem Zustand, sagte der ärztliche Leiter des Eingriffs, Rolf Ewers. Zwei Ärzteteams hatten die Zunge in einer 14-stündigen Operation im Wiener Allgemeinen Krankenhaus (AKH) transplantiert. Die Heilung verlaufe hervorragend, sagte Ewers. Das Risiko der Abstoßung sei zurzeit allerdings weiter gegeben. Der Patient hatte an einem bösartigen Tumor im Bereich von Zunge und Unterkiefer gelitten.

Bei der Operation waren laut Ewers zwei Teams mit insgesamt neun Ärzten zeitgleich im Einsatz. Die einen hätten den Tumor entfernt, während die anderen für die Entnahme und das Annähen des Transplantates zuständig gewesen seien. "Die Operation ist ohne Komplikationen verlaufen", erklärte Ewers. "Wenn man in den Mund des Patienten schaut, glaubt man, die Zunge sei seine eigene." Dass sich auf der Zunge keine Schwellung gebildet habe, sei ein Zeichen, dass das Transplantat gut verträglich sei.

Hoffen auf voll funktionsfähige Zunge

Vor der Operation konnte der Patient wegen des Tumors weder den Mund öffnen noch schlucken oder sprechen. Stößt sein Körper das fremde Sinnesorgan nicht ab, sind die Ärzte für den weiteren Verlauf optimistisch. "Wir hoffen, dass die Zunge voll funktionsfähig sein wird - die Nerven haben wir ja anschließen können", sagte Ewers.

Operateur Rolf Ewers: Gute Laune nach gelungener Operation
DPA

Operateur Rolf Ewers: Gute Laune nach gelungener Operation

Ob der Patient eines Tages wieder wird sprechen können, ist nach Angaben des Ärzteteams noch nicht abzusehen. Es könne sich dabei auf keinen Fall um Sprechen im herkömmlichen Sinn handeln. Erst im Laufe einiger Wochen oder Monaten werde sich zeigen, ob die Nerven so weit zusammenwüchsen, dass die notwendige Beweglichkeit der Zunge möglich sei.

Geschmackssinn kommt wahrscheinlich nicht zurück

Den Geschmackssinn werden die Ärzte dem Mann vermutlich nicht zurückgeben können. Die Geschmacksknospen auf der Zunge würden nur selten erneut von den Nerven versorgt, sagte Ewers. "Da müssen wir abwarten und mal sehen."

Etwa zwei Mal pro Jahr müssen die Ärzte im AKH eine Zunge entfernen, sagte der Universitätsprofessor. Bislang waren die Aussichten für solche Patienten aber ziemlich düster. Ihnen wurde aus dem eigenen Dünndarm ein ungefähr 15 Zentimeter langes Stück geschnitten und anstelle der Zunge in den Mund genäht. "Aber das ist nur Schleimhaut. Das ist dann wie ein Sack ohne Muskeln." Die Patienten konnten auch nach der Operation weiter nicht sprechen und kaum schlucken.



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