Alter Forscher finden Zusammenhang zwischen Gedächtnisschwund und Schlafmangel

Fördert Tiefschlaf die Gehirnleistung im Alter? Eine Studie zeigt einen statistischen Zusammenhang: Je schlechter der Schlaf, desto weniger graue Hirnsubstanz wurde beobachtet - entsprechend verschlechterte sich das Gedächtnis.

London/Hamburg - Altersbedingte Hirnveränderungen können offenbar den Schlaf verändern und so das Gedächtnis beeinträchtigen. In einer Hirnstudie ermittelten Forscher um Bryce Mander von der University of California in Berkeley, wie der Verlust an grauer Substanz im Stirnlappen das Abspeichern von Erinnerungen ins Langzeitgedächtnis erschwert. Allerdings ist dieser Prozess keine zwangsläufige Folge des Alterns, berichten  die Wissenschaftler im Fachblatt "Nature Neuroscience".

Im Alter lässt das Gedächtnis in der Regel nach. Ebenfalls ist seit langem bekannt, dass bei vielen Senioren der Tiefschlaf gestört ist. Zudem zeigen Hirnstudien, dass bei alten Menschen in bestimmten Teilen des Stirnlappens oft die graue Substanz schwindet, die aus den Zellkörpern der Nervenzellen besteht. Die Wissenschaftler fanden einen möglichen direkten Zusammenhang zwischen diesen drei Phänomenen.

Studien wiesen bereits darauf hin, dass der Tiefschlaf das Übertragen von Erinnerungen ins Langzeitgedächtnis verstärkt. Die für diese Schlafphase typischen Delta-Hirnwellen entstammen dem medialen präfrontalen Cortex (mPFC) - also jenem Areal, in dem im Alter oft die graue Hirnsubstanz schwindet.

Die Forscher untersuchten nun das Gehirn und die Schlafmuster von 18 jungen und ebenso vielen älteren Erwachsenen. Tatsächlich ging bei den älteren Menschen, deren Durchschnittsalter bei 72 Jahren lag, eine verringerte Menge an grauer Substanz im medialen präfrontalen Kortex mit einer verringerten Aktivität von Deltawellen im Tiefschlaf einher.

Kausalität oder Beweis?

In einem weiteren Schritt sollten die Teilnehmer abends Wortpaare lernen. Dann testeten die Forscher die erlernten Informationen zehn Minuten später und nach einer achtstündigen Schlafphase, in der die Hirnaktivität aufgezeichnet wurde. Menschen mit gestörtem Tiefschlaf schnitten nach durchschlafener Nacht in den Gedächtnistests deutlich schlechter ab. Zwar profitierte auch ihr Erinnerungsvermögen von der Nachtruhe - aber in geringerem Maße als das der jüngeren Teilnehmer.

Die Forscher betonen, dass das Alter nicht immer auf das Gedächtnis schlägt. Stattdessen beeinträchtige der Schwund der grauen Substanz im Stirnlappen den Tiefschlaf. Dies schwäche wiederum das Übertragen von Informationen vom Hippocampus ins Langzeitgedächtnis. Möglicherweise könne eine Besserung des Tiefschlafs, etwa durch Verhaltensänderungen, Medikamente oder andere Therapien, den geistigen Abbau im Alter verzögern. So ergab den Forschern zufolge bereits eine frühere Studie, dass elektrische Hirnstimulation den Tiefschlaf fördern und das Erinnerungsvermögen bessern kann.

Die Studie klinge sehr plausibel, meint Dieter Riemann vom Universitätsklinikum Freiburg. Allerdings zeige sie nur eine Korrelation von wenig grauer Substanz im Stirnlappen, gestörtem Tiefschlaf und beeinträchtigtem Gedächtnis. Ein Beweis für eine kausale Beziehung sei dies noch nicht.

boj/dpa