Verleihung der »Ig-Nobelpreise« Wenn Sex wie Nasenspray wirkt

Nicht immer ist die Arbeit von Forscherinnen und Forschern bahnbrechend. Manchmal ist sie vor allem absurd. Zehn solcher Arbeiten sind nun mit dem »Ig-Nobelpreis« ausgezeichnet worden – darunter auch deutsche Beiträge.
Nach einem Orgasmus verbessert sich die Nasenatmung – so eine Studie

Nach einem Orgasmus verbessert sich die Nasenatmung – so eine Studie

Foto: Zero Creatives / Westend61 / Getty Images

Kann man am Gewicht eines Politikers den Grad der Korruption ablesen? Können Bärte Schläge ins Gesicht abfedern? Und: Welchen Effekt hat Sex auf eine verstopfte Nase?

Das sind Fragen, die sich vielleicht gar nicht stellen – auf die es nun aber Antworten gibt, Forscherinnen und Forschern sei Dank.

Erst lachen, dann nachdenken

In der Nacht zum Freitag sind an der altehrwürdigen Harvard-Universität in Cambridge die Ig-Nobelpreise verliehen worden – Auszeichnungen für wissenschaftliche Forschungsarbeiten, die »Menschen erst zum Lachen und dann zum Nachdenken bringen« sollen, wie es von den Veranstaltern heißt. Wegen der Coronapandemie fand die traditionell etwas schrille Gala online statt.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von YouTube, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Angelehnt ist der Name der Auszeichnung an das englische Wort ignoble, was man mit »unwürdig« oder »unehrenhaft« übersetzen kann. Die Ig-Nobelpreise sind nicht dotiert.

Nach Angaben der Veranstalter soll die Verleihung »das Ungewöhnliche feiern und das Fantasievolle ehren«.

Zehn wissenschaftliche Arbeiten wurden ausgezeichnet

Insgesamt wurden zehn Arbeiten als preiswürdig ausgezeichnet.

In der Kategorie Biologie ging der diesjährige Preis an ein Forscherteam aus Schweden, für eine akustische Analyse des Schnurrens von Katzen . Dabei seien allerlei Variationen der Katze-Mensch-Kommunikation untersucht worden, vom gewöhnlichen Schnurren über Plappern, Murmeln und Miauen bis hin zum Quietschen, Fauchen, Jaulen, Heulen und Knurren.

Den Preis in der Kategorie Ökologie erhielten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Spanien und dem Iran. Sie hatten mithilfe genetischer Analysen verschiedene Bakterienarten identifiziert, die sich in weggeworfenen Kaugummis  befinden, die in verschiedenen Ländern auf Gehwegen kleben.

Ausgezeichnet für ihre besondere Arbeit im Bereich der Chemie wurden Forscherinnen und Forscher aus sechs Ländern, darunter auch Deutschland. Das Team hatte die Luft in Kinosälen  untersucht. Damit wollten sie testen, ob die Gerüche, die von den Zuschauern und Zuschauerinnen im Saal erzeugt werden, dem entsprechen, was auf der Leinwand passiert – konkret, ob die Gerüche einen zuverlässigen Hinweis auf den Grad an Gewalt, Sex, asozialem Verhalten, Drogenkonsum und Schimpfwörtern im Film geben.

Auch der Preis für Wirtschaft ging an ein Team aus sechs Nationen, das entdeckt hatte: Die Fettleibigkeit der Politiker eines Landes  kann tatsächlich ein guter Indikator für die Korruption in diesem Land sein.

In der Kategorie Medizin ging der Ig-Nobelpreis an drei Forscher aus Deutschland, der Türkei und dem Vereinigten Königreich. Sie hatten den Nachweis erbracht, dass Orgasmen bei der Verbesserung der Nasenatmung  ebenso helfen können wie abschwellend wirkende Nasensprays.

Der Nashorntransport ist kopfüber besonders sicher

Der Nashorntransport ist kopfüber besonders sicher

Foto: ZUMA Wire / imago images

In der Kategorie Transport triumphierte ein Team aus Namibia, Tansania, Zimbabwe und drei weiteren Ländern mit einer experimentellen Untersuchung zur Frage, ob es sicherer ist, ein Nashorn in der Luft kopfüber zu transportieren. Die Antwort: So ist es.

Den Friedenspreis erhielt ein Team aus den USA. Untersucht hatte es die Hypothese, dass der Bartwuchs des Menschen  zum Schutz vor Schlägen ins Gesicht entstanden sein könnte.

Für ihre Arbeit im Feld der Physik wurden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Niederlanden, Italien, Taiwan und den USA geehrt. Sie hatten Experimente durchgeführt, um herauszufinden, warum Fußgänger nicht ständig mit anderen Fußgängern zusammenstoßen .

Der Preis für Kinetik ging nach Japan, in die Schweiz und nach Italien: Die prämierten Wissenschaftler hatten untersucht, wie gegenseitige Antizipation zur Selbstorganisation in Menschenmengen  beitragen kann.

Im Bereich der Entomologie, also der Insektenkunde, wurden vier Forscher aus den USA geehrt für die Entwicklung einer neuen Methode zur Kakerlakenbekämpfung auf U-Booten .

Besonders den Preisträgern: Mehr Glück im nächsten Jahr

Moderiert wurde die Veranstaltung – wie schon in den 30 Jahren zuvor – von dem Mathematiker Marc Abrahams, der die Zeitschrift »Annals of Improbable Research« herausgibt, die Annalen unwahrscheinlicher Forschung. Und wie in jedem Jahr beendete er die Gala mit den Abschlussworten: »Wenn Sie in diesem Jahr keinen Ig-Nobelpreis gewonnen haben – und besonders, wenn Sie einen gewonnen haben: Mehr Glück im nächsten Jahr!«

vki/dpa/Reuters
Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.