Berechnung des Umweltbundesamtes Wie Europa mehr Treibhausgase einsparen könnte

Bis 2030 sollen in Europa mehr Treibhausgase eingespart werden als bisher geplant. In welchen Bereichen das möglich ist, hat nun das Umweltbundesamt gezeigt.
Energetische Sanierung eines Wohnhochhauses in Essen

Energetische Sanierung eines Wohnhochhauses in Essen

Foto: Jochen Tack / imago images

Noch in diesem Jahr sollen sich die EU-Staaten auf ein höheres Ziel im Klimaschutz bis 2030 einigen - auch auf Deutschland könnten damit neue Aufgaben beim CO2-Sparen zukommen. Doch in welchen Bereichen lässt sich besonders gut Treibhausgas einsparen und welche politischen Schritte sind dafür notwendig?

Vorschläge dafür hat nun das Umweltbundesamt vorgelegt . Demnach braucht es laut den Experten eine schnelle Reform des CO2-Preises in der EU und mehr Klimaschutz im Verkehrs- und Gebäudebereich. Dann wäre es möglich, den euopäischen Treibhausgasausstoß bis 2030 um mindestens 60 Prozent gegenüber 1990 zu senken, teilte die Behörde mit. Das wären noch mal fünf Prozentpunkte mehr, als die EU-Kommission bisher vorgeschlagen hat. Bis Ende des Jahres wollen sich die Mitgliedstaaten auf ein neues 2030-Ziel einigen, bisher gilt ein CO2-Minderungsziel von 40 Prozent. Was das neue Ziel ganz konkret für die Verpflichtungen der einzelnen Staaten bedeutet und wie es erreicht werden soll, ist noch offen.

Der Präsident des Umweltbundesamtes, Dirk Messner, sagte: "Wir haben es mit einer Situation zu tun, in der uns die Zeit wegläuft." Es müsse schnell und zielgerichtet gehandelt werden, um die globale Erwärmung noch auf unter zwei Grad zu begrenzen, wie es im Pariser Klimaabkommen vereinbart ist.

Zentral für mehr Klimaschutz in der EU wäre aus Sicht der deutschen Umweltbehörde, den Handel mit Verschmutzungsrechten, der bisher nur Energiewirtschaft und Teile der Industrie umfasst, zu reformieren - und unter anderem die Zahl der Emissionszertifikate stärker zu verknappen. Dieser Bereich könne und müsse den größten Anteil liefern. Unternehmen bräuchten aber schnell Planungssicherheit.

Kritik am Klimapaket

Für Bereiche wie Verkehr und Gebäude, vor allem Heizungen, wäre aus Sicht des Umweltbundes ein solcher EU-weiter Emissionshandel ebenfalls sinnvoll - wenn auch zunächst separat von dem der Energie. Einnahmen aus dem CO2-Preis, den Deutschland ab 2021 für Sprit, Heizöl und Erdgas auf nationaler Ebene einführt, könnten für klimafreundliche Investitionen genutzt werden, hieß es. Neben diesen marktwirtschaftlichen Instrumenten hält das Amt auch weitere rechtliche Vorgaben für notwendig, etwa verschärfte Vorschriften für Pkw- und Lkw-Flotten oder eine deutlich beschleunigte Sanierung des Gebäudebestands.

Experten hatten schon länger gefordert, beispielsweise den Verbrauch von fossilen Brennstoffen wie Benzin, Diesel oder Heizöl unattraktiv zu machen und den Ausstoß des Klimagases CO2 schrittweise zu verteuern. So sollen klimafreundlichere Energien günstiger für Industrie und Verbraucher werden. Das Bundeskabinett hat dies mit dem Klimaschutzpaket auf den Weg gebracht: Der CO2-Preis auf Benzin, Diesel, Heizöl und Erdgas soll ab kommendem Jahr steigen. Im Gegenzug sollen Bürger und Unternehmen beim Strompreis entlastet werden. Allerdings hatten Experten das Paket als unzureichend kritisiert.

In Deutschland war der Verkehrssektor 2018 mit einem Anteil von 19 Prozent der drittgrößte Verursacher von Treibhausgasemissionen. Der Gebäudesektor setzte in dem Jahr etwa 14 Prozent der gesamten CO2-Emissionen frei. Die Herausforderungen in diesem Bereich liegen vor allem darin, den Gebäudebestand energetisch auf einen effizienteren Stand zu bringen und energieeffiziente Neubauten hochzuziehen. Allein bei der Herstellung von Beton durch Zement werden große Mengen Treibhausgas freigesetzt.

joe/dpa
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