Kriminalstatistik für 2017 Mehr als tausend Fälle von Wilderei in Deutschland

Verlässliche Zahlen über das Ausmaß hat niemand, die Dunkelziffer ist hoch: 2017 hat die Kriminalstatistik 1020 Fälle von Wilderei erfasst. Die Grünen warnen vor einer "zunehmenden Bedrohung für die Artenvielfalt".
Erschossener Wolf (Archivbild)

Erschossener Wolf (Archivbild)

Foto: DPA/ Polizei

In Deutschland werden pro Jahr mehr als tausend Fälle von Wilderei erfasst - die Bundesregierung geht aber von einer hohen Dunkelziffer aus. Im vergangenen Jahr wies die polizeiliche Kriminalstatistik 1020 Fälle von Jagdwilderei aus, heißt es in der Antwort des Bundesumweltministeriums auf eine Anfrage der Grünen, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. "Verlässliche bundesweite Zahlen über das Ausmaß illegaler Verfolgung wildlebender Arten liegen aufgrund einer hohen Dunkelziffer und mangels systematischer Erfassung nicht vor." Die Zahl der in der Statistik erfassten Fälle bewegte sich in den vergangenen zehn Jahren zwischen 864 und 1052.

Besonders heikel für den Bestand einer Art ist die Wilderei im Fall der Wölfe: Im laufenden Jahr wurden bis Mitte Oktober acht Wölfe illegal getötet, heißt es in der Antwort weiter, davon je drei in Brandenburg und Niedersachsen. Seit dem Jahr 2000 fielen insgesamt 35 Wölfe der Wilderei zum Opfer. Der Umgang mit dem Wolf ist politisch sehr umstritten, insbesondere die Frage, ob der Abschuss angesichts der zunehmenden Ausbreitung von Wolfsrudeln in Deutschland erleichtert werden sollte.

Wölfe sind streng geschützt, die Hürden für einen legalen Abschuss sind hoch, selbst wenn Gefahr besteht, dass die Räuber Nutztiere reißen. Bei einer Anhörung im Bundestags-Umweltausschuss im April 2018 sprach Wolfgang Köck vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung davon, dass es mindestens tausend erwachsene Wölfe geben müsse. Vorher stelle sich die Jagd-Frage nicht.

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Wölfe in Deutschland: Jäger und Gejagte

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"Wilderei in Deutschland stellt zunehmend eine Bedrohung für die Artenvielfalt dar", sagte die naturschutzpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Steffi Lemke. "Über das tatsächliche Ausmaß lässt sich nur spekulieren, da die Daten nicht systematisch erfasst werden." Die Ausstattung der Kontrollbehörden sei unzureichend und das Risiko, entdeckt zu werden, gering. "Die Bundesregierung muss mehr für den Schutz der Wildtiere in Deutschland tun", forderte sie.

Wilderei stellt weltweit eine der größten Bedrohungen für etliche Tierarten dar. Ob Elfenbein, Tigerhaut oder Nashorn-Horn - die Körperteile von Wildtieren sind etwa als Bestandteil traditioneller Medizin oder als Luxusartikel vor allem in asiatischen Ländern stark gefragt. Die Artenschutzorganisation Traffic schätzt den illegalen Handel mit wildlebenden Tieren auf sechs bis acht Milliarden Euro pro Jahr.

Das lukrative Geschäft hat viele Tierarten an den Rand des Aussterbens gebracht: Die Bestände der Tiger etwa sind weltweit um 97 Prozent geschrumpft, die der Schuppentiere in China und umliegenden Ländern um 94 Prozent und die der Nashörner weltweit um 85 Prozent.

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oka/dpa