Winter-Tipps in Japan Mit Pudelmütze und Eintopf gegen die Energiekrise

Energiemangel nach der Katastrophe von Fukushima zwingt die japanische Regierung zu erstaunlichen Ratschlägen: Im Winter sollen die Menschen mehrere Kleider übereinander tragen, zu Fuß gehen - und Eintopf mit Wurzelgemüse essen.
Japanische Schüler: Eine Station früher aussteigen

Japanische Schüler: Eine Station früher aussteigen

Foto: AP/ Kyodo News

Hamburg - Um Strom zu sparen, sollen die Japaner in diesem Winter warme Kleidung tragen und heiße Eintopfgerichte essen. Nach der Atomkatastrophe von Fukushima startete das japanische Umweltministerium am Dienstag eine Kampagne, um den Stromverbrauch in den kalten Wintermonaten weiter zu begrenzen. Unternehmen und Privatleute sind aufgerufen, ihre Heizungen auf maximal 20 Grad Celsius einzustellen. Falls die Menschen frieren, sollen sie mehrere Kleiderschichten übereinander tragen und auch im Haus Mütze, Handschuhe und Strumpfhosen tragen.

Aktuell herrscht noch mildes Herbstwetter in Japan. Doch schon im Lauf des Novembers könnte es zumindest im Norden des Landes Frost geben. Als weitere Wärmequelle empfehlen die Behörden dann ein traditionelles japanisches Eintopfgericht, das auf einem kleinen Kocher direkt auf dem Esstisch zubereitet wird. Ein solches Essen mit Familie und Freunden wärme "sowohl den Körper als auch den Raum", heißt es auf der Internetseite des Ministeriums. Als besonders wärmend werden Wurzelgemüse und Ingwer empfohlen.

Um auf dem Weg zur Arbeit warm zu werden, sollen die Japaner künftig eine U-Bahn-Station früher aussteigen und den Rest des Weges zu Fuß gehen.

In Japan ist seit der Atomkatastrophe von Fukushima der Strom knapp, da zahlreiche Atomreaktoren gestoppt wurden. Momentan sind nur noch zehn der 54 Reaktoren am Netz. Mit einer ähnlichen Kampagne hatte das Umweltministerium im Sommer dazu aufgerufen, Wohn- und Arbeitsräume nur noch auf 28 statt der sonst üblichen 26 Grad herunterzukühlen. Um die Hitze erträglich zu machen, wurde in vielen Büros die Kleiderordnung gelockert: Die Angestellten duften Anzug und Krawatte zu Hause lassen und in luftigerer Kleidung zur Arbeit kommen.

Unterdessen wurde bekannt, dass die Stilllegung des havarierten Atomkraftwerks von Fukushima 30 Jahre dauern könnte. Die nötigen Arbeiten dort könnten sich noch über Jahrzehnte hinziehen, heißt es in einem Regierungsbericht. Die Kosten lägen wahrscheinlich in zweistelliger Milliardenhöhe.

boj/AFP