Wirtschaftskrise Arbeitslosigkeit drückt Geburtenraten

Familiengründung in der Krise: In Europa sind die Geburtenraten deutlich gesunken, gedrückt von steigender Arbeitslosigkeit. Vor allem junge Erwachsene entscheiden sich seltener für ein Kind. Deutschland gehört zu den wenigen Ausnahmen.
Gegen den Trend: In Deutschland blieb die Geburtenrate relativ stabil

Gegen den Trend: In Deutschland blieb die Geburtenrate relativ stabil

Foto: Waltraud Grubitzsch/ picture alliance / dpa

Die Wirtschaftskrise in Europa wirkt sich messbar auch auf die Geburtenraten aus. Vor allem in Ländern mit steigenden Arbeitslosenquoten ging die Kinderzahl pro Frau im vergangenen Jahrzehnt zurück. Das ergibt eine Studie des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung in Rostock, die nun im Fachjournal "Demographic Research"  veröffentlicht wurde.

Die Bevölkerungsforscher verglichen die wirtschaftliche und demografische Entwicklung in 28 europäischen Ländern in den Jahren zwischen 2001 und 2010. Sie untersuchten auch, auf welche Altersgruppen sich die Krise am stärksten auswirkte.

Das Ergebnis der Analyse ist für junge Erwachsene besonders deutlich: Stieg die Arbeitslosigkeit um ein Prozent, sank die Geburtenrate bei den 15- bis 19-Jährigen im Mittel um fast 0,2 Prozent. In der Altersgruppe der 20- bis 24-Jährigen war der Rückgang zwar auch messbar, aber nur halb so groß.

Am stärksten unterscheiden sich die Altersgruppen, wenn es um die Gründung einer Familie geht. So fielen die Geburtenraten für das erste Kind bei jüngeren Frauen zurück, während sich die über 40-Jährigen offenbar kaum von der Krise beeinflussen ließen. "Junge Menschen tun sich aber auch leichter, die Familiengründung zu überdenken, als ältere, die den biologischen Grenzen der Fruchtbarkeit schon näher sind", sagt Michaela Kreyenfeld, eine der Autorinnen der Studie.

Deutschland, ein Sonderfall

Die größere Zurückhaltung gerade bei jungen Menschen zeigte sich am stärksten in den Ländern, die von der Wirtschaftskrise besonders betroffen sind. In Spanien etwa brach die Kinderzahl pro Frau von 1,47 im Jahr 2008 auf 1,36 im Jahr 2011 ein. Auch Ungarn, Irland, Kroatien und Lettland verzeichneten einen ähnlichen Rückgang.

Besonders bitter: Vielerorts stoppte die Krise einen lange ersehnten Aufschwung. "Die Finanzkrise traf Europa zu einer Zeit, als die Geburtenraten in vielen Ländern gerade langsam wieder zu steigen begannen", sagt Kreyenfeld. Lediglich abgebremst wurde dieser Anstieg zum Beispiel in Großbritannien, Polen und Italien.

Deutschland, Österreich und die Schweiz fallen im Vergleich der Rostocker Wissenschaftler aus dem Rahmen. Für diese Staaten konnten die Forscher keinen Einfluss der Arbeitslosigkeit auf die Geburtenziffern feststellen. In Deutschland bewegte sich die Zahl der Geburten pro Frau in einem vergleichsweise stabilen Bereich, während die Arbeitslosigkeit zuletzt sogar sank.

Grundsätzlich zeigt sich der Zusammenhang zwischen Geburten und Arbeitslosigkeit in der Studie zwar deutlich, ist aber in den Staaten unterschiedlich deutlich ausgeprägt. Die Bevölkerungsforscher vermuten dahinter weitere Faktoren wie familienpolitische Maßnahmen und die Sicherheit von Arbeitsplätzen.