Wissenschaftsauszeichnung Heidelberger Krebsforscher erhält Medizin-Nobelpreis

Der Nobelpreis für Medizin geht in diesem Jahr an Harald zur Hausen vom Krebsforschungszentrum Heidelberg. Er teilt sich den Preis mit den Franzosen Francoise Barre-Sinoussi und Luc Montagnier.

Stockholm - Jubel in Heidelberg: Der deutsche Krebsforscher Harald zur Hausen erhält den Nobelpreis für Medizin, teilte das Karolinska-Institut am Montag in Stockholm mit. Der Heidelberger Forscher erhält die Hälfte der mit rund einer Million Euro dotierten Auszeichnung. Zur Hausen wird für die Entdeckung der humanen Papillomaviren (HPV)  geehrt, die Gebärmutterhalskrebs auslösen können. Dank dieser Erkenntnis konnte ein Impfstoff entwickelt werden, der inzwischen auch auf dem Markt ist.

Die andere Hälfte des Preisgeldes teilen sich die französischen Mediziner Francoise Barré-Sinoussi und Luc Montagnier. Die Franzosen hatten das Immunschwächevirus Anfang der 1980er Jahre in Proben von schwer kranken Patienten isoliert. Die Entdeckung habe auch die Voraussetzungen für die antiretrovirale Behandlung der Infektion geschaffen, teilte das Komitee mit. Der US-Virologe Robert Gallo, der sich lange mit Montagnier um die HIV-Erstentdeckung gestritten hatte, geht bei der diesjährigen Nobelpreisvergabe leer aus.

Der Preis wird am 10. Dezember, dem Todestag des Stifters Alfred Nobel, in Stockholm verliehen. Mit Harald zur Hausen hat nach neun Jahren erstmals wieder ein deutscher Wissenschaftler den Medizin-Nobelpreis bekommen. Günter Blobel hatte die renommierte Ehrung im Jahr 1999 erhalten. Im vergangenen Jahr waren mit dem Physiker Peter Grünberg und dem Chemiker Gerhard Ertl zwei deutsche Forscher mit dem Nobelpreis geehrt worden.

Wirksame Impfung gegen Krebs möglich

Die Nachricht vom Nobelpreis für Medizin hat bei dem Heidelberger Krebsforscher Harald zur Hausen "große Überraschung und große Freude" ausgelöst. Bis zum Anruf der Stockholmer Akademie der Wissenschaften am Vormittag sei es ein ganz normaler Morgen gewesen, sagte der 72-Jährige vor Journalisten in Heidelberg. Obwohl er gewusst habe, dass er vorgeschlagen war, habe er mit der Auszeichnung überhaupt nicht gerechnet.

Zur Hausen sieht in der Ehrung aus Stockholm eine Auszeichnung "für das ganze Gebiet" der Erforschung von Krebsviren. "Zum Zweiten ist es auch eine große Anerkennung für meine Mitarbeiter", sagte der 72- Jährige. "Damit sind eigentlich wir alle geehrt durch die Preisverleihung." Er werde seinen Dienst aber weiter versehen wie bisher.

1983 und 1984 hatten zur Hausen und seine Mitarbeiter die bahnbrechende Entdeckung der den Gebärmutterhalskrebs auslösenden Papillomaviren  gemacht. "Das liegt schon einige Zeit zurück", sagte zur Hausen jetzt. "Aber wir haben in der Folge sehr viel gearbeitet." Die entsprechende Arbeit veröffentlichte zur Hausen und seine Kollegen im Januar 1983 im Fachblatt "Proceedings of the National Academy of Sciences". Der Fachartikel ist auf der Website des Magazins frei zugänglich .

Zur Hausen vermutete bereits vor mehr als dreißig Jahren einen Zusammenhang zwischen Infektionen mit humanen Papilloma-Viren und Gebärmutterhalskrebs. Anfang der 1980er Jahre konnte er mit seiner Arbeitsgruppe erstmals die Virentypen HPV 16 und HPV 18 aus einer Gebärmutterhalskrebsprobe isolieren.

Die Entdeckung dürfte bereits zahlreichen Frauen das Leben gerettet haben, denn sie hatte eine enorme Bedeutung im Kampf gegen den Gebärmutterhalskrebs. Im Oktober 2005 veröffentlichten Forscher die Ergebnisse einer klinischen Studie, in der ein Impfstoff getestet wurde. Das Ergebnis: Das Medikament namens Gardasil erreichte einen 100-prozentigen Schutz vor Gebärmutterhalskrebs. Seit Mitte 2007 bieten die gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland für alle Mädchen im Alter von 12 bis 17 Jahren eine Dreimal-Impfung gegen humane Papillomaviren (HPV) an.

Wirksame Impfung gegen Krebs möglich

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) steht Gebärmutterhalskrebs auf Platz fünf der Rangliste der tödlichsten Krebsarten bei Frauen. Nach Angaben des Nobel-Komitees wird der Krebs jedes Jahr bei weltweit rund 500.000 Patientinnen diagnostiziert. Nach Statistiken des Berliner Robert-Koch-Instituts erkranken Deutschland jedes Jahr rund 6200 Frauen an Gebärmutterhalskrebs, rund 1700 sterben daran. Nur 61 Prozent der Frauen mit einem vollständig entwickelten Gebärmutterhalskrebs sind fünf Jahre nach der Diagnose noch am Leben.

Im vergangenen Jahr hatten sich die US-amerikanischen Forscher Mario Capecchi und Oliver Smithies sowie ihr britischer Kollege Sir Martin Evans den Medizinnobelpreis geteilt. Sie erhielten die Auszeichnung für ihre Arbeiten zur Genmodifikation bei Mäusen durch Nutzung embryonaler Stammzellen.

Der Träger des Medizin-Nobelpreises wird von 50 Professoren des Karolinska-Instituts bestimmt. Der erste Medizin-Nobelpreis war 1901 Emil von Behring für seine Arbeit über Serumtherapie zugesprochen worden.

Der Chemiker und Industrielle Nobel (1833-1896) hatte in seinem Testament festgelegt, dass alljährlich fünf Preise an Persönlichkeiten verliehen werden, "die im vergangenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen gebracht haben". Der Nobelpreis für Wirtschaft wird seit 1968 von der Sveriges Riksbank gestiftet.

hda/ddp/dpa/AFP

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