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Trinkgelage in Wittenberg: Ex und hopp

Foto: Jan Woitas/ dpa

Mittelalter Adelige feierten mit Wegwerfbechern

Was moderne Städter können, konnten die Adeligen in Wittenberg schon lange. Auch sie nutzten Becher teilweise nur einmal, bevorzugt bei sommerlichen Trinkgelagen im Schlosshof.

Ein Sommertag vor mehr als 500 Jahren. Im Schlosshof in Wittenberg sind lange Tische aufgebaut. Der Duft von Hirschbraten liegt in der Luft. Die Leute trinken und trinken. Sind ihre Becher leer, werfen sie die Trinkgefäße auf den Boden - sie zerschellen auf dem Schlosshofpflaster. Diener reichen neue Becher, gefüllt mit Wein.

So jedenfalls stellen sich Archäologen das Treiben auf dem Schlosshof in Wittenberg vor, wo sie nun einen reichen Fund gemacht haben.

"Wir haben ganze Schichten mit Bechern gefunden und auch Tierknochen, die haben sehr viel Wild, meist Hirsch, gegessen", sagt Grabungsleiter Holger Rode. "Die Feiern haben hier im Schlosshof, im Sommer, stattgefunden. Die Becher wurden dann einfach weggeworfen. Das ist vergleichbar mit dem heutigen Umgang mit Pappbechern."

Verschwendung als Zeichen von Wohlstand

Die Trinkbecher stammen aus dem 15. Jahrhundert. Etliche sind mit Rollstempelmustern, manche mit Maskenauflagen verziert. Andere haben wiederum eine glatte Oberfläche. Die Farbe der Tonbecher variiert zwischen grünlich, grau bis rotbraun. Dass sie nur einmal benutzt wurden, könne man sehen, erklärt Rode. Das sei von den Herrschenden gewollt gewesen, um zu zeigen, was man sich leisten kann.

Zudem fiel den Archäologen auf, dass die Einmalbecher nur im Schloss vorkommen, kaum in der sonstigen Stadt. Rode schlussfolgert daraus, dass die Becher gezielt für die Trinkgelage hergestellt wurden. "Gefeiert haben alle Adelsgeschlechter, die Askanier bis 1422, danach die Wettiner, die haben das alle so mit den Bechern gemacht."

Ein Ofen wie Luther

Im Wittenberger Schlosshof wird seit Anfang November gegraben, bevor eine Abwasserleitung gelegt wird. "Was wir nachweisen können, ist die Ringmauer, die das gesamte Areal umgab", sagt Rode. "Ebenso fanden wir Reste der Hofpflasterung der askanischen Burg. Aber das Problem ist, dass uns immer noch typische Mauerwerke fehlen, wie ein Turmgrundriss."

Der Wettiner Friedrich der Weise (1463-1525) begann auf dem askanischen Burggelände um 1480 mit dem Bau seines Schlosses und der Kirche. Von der außergewöhnlichen Ausstattung des Schlosses zeugen jetzt gefundene farbige Ofenkacheln. "Sie gehören zu den wenigen erhaltenen Stücken, welche die Erstausstattung des kurfürstlichen Schlosses repräsentieren", sagt der Archäologe.

Zu sehen sind farbige Ofenkacheln mit weltlichen und biblischen Motiven. Einen baugleichen Ofen wie Friedrich der Weise hatte auch Luther. "Derartige Öfen waren aufgrund der mehrfarbigen Kacheln unfassbar teuer. Luther konnte den Ofen nur von einem Herrscher oder Kardinal geschenkt bekommen haben", sagt Landesarchäologe Harald Meller.

Alle paar Jahre ein neuer Fliesenboden

Bei der Grabung kamen auch einzigartige bunte Bodenfliesen aus dem Schloss zutage. "Das ist sehr selten in Europa", sagt Rode. Die Glasur hat sich abgelöst, das sei wahrscheinlich der Grund, dass sie schon nach wenigen Jahren bei Umbauarbeiten als Bauschutt aus dem Fenster geworfen worden seien.

"Die Glasur war einfach nicht für eine Laufoberfläche geschaffen. Außerdem sind die Fliesen natürlich auch dem Zeitgeschmack unterworfen. Wahrscheinlich war es nicht besonders schlimm, sie nach wenigen Jahren durch einen moderneren Bodenbelag zu ersetzen", sagt Rode und meint: "Die Fürsten mussten ja mit der Zeit gehen. Sie konnten nicht mit altem Zeug repräsentieren."

jme/dpa
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