Wrack-Suche Schatzschiff vor Afrika gefunden

Kupfer, Elfenbein, Goldmünzen und Kanonen: Vor der Küste Südwestafrikas sind Geologen zufällig auf das Wrack eines schwer beladenen Schatzschiffes gestoßen. Archäologen wundern sich über die teure Fracht - war der Kapitän etwa ein Pirat?


Es war schwer beladen mit kostbarer Fracht: Kupferbarren, Stoßzähne aus Elfenbein, jede Menge Goldmünzen - und Kanonen, um die Schätze zu verteidigen. Vor der südwestafrikanischen Küste ist das Wrack eines rund 500 Jahre alten Schiffes entdeckt worden, das aus der Zeit der Eroberung des Kontinents durch die Europäer stammt.

Geologen der Namdeb Diamond Corporation, einem Gemeinschaftsunternehmen der namibischen Regierung und des Edelstein-Schürfkonzerns De Beers, hatten das Wrack zufällig gefunden. Auf der Suche nach Diamanten hatten sie einen Teil der Küste entwässert - am 1. April dann stießen sie bei ihren Abbauarbeiten zufällig auf Kupferbarren und Kanonen und ahnten noch nicht, was sie da für einen Fund gemacht hatten. Dem Archäologen Dieter Noli, der in der namibischen Wüste seit den achtziger Jahren Ausgrabungen machte, schickten sie Fotos der Funde.

"Auf so einen Fund habe ich seit 20 Jahren gewartet", sagt Noli. "Ich war verständlicherweise ziemlich aufgeregt - und bin es noch." Mit seinem Kollegen Bruno Werz untersucht er nun das Wrack. Noli hatte mit einem Schiffsfund gerechnet, denn der Küstenabschnitt war unberechenbar: Heftige Stürme und gefährliche Nebel seien in diesen Zeiten vielen Schiffen zum Verhängnis geworden, sagt Noli. "Wenn man vor der Küste Abbauarbeiten betreibt, dann stößt man früher oder später auf ein Wrack."

Mit besserem Navigationsgerät konnten Seefahrer dann später den Gefahren des Küstenabschnitts trotzen. Die einzigen Navigationsgeräte, die Noli an Bord des Schiffswracks bislang jedoch fand, waren Sternhöhenmesser - das sind Vorgänger des Sextanten. Mit ihnen konnten die damaligen Seefahrer nur feststellen, wie weit nördlich oder südlich sie sich befanden, nicht aber ihre genaue Position, erklärt Noli.

In die Tiefe gerissen von dem Schatz?

Zudem war das Schiff schon recht alt, als es zu seiner letzten Reise aufbrach: Noli fand Spuren von Holzwürmern in den Schiffsbalken sowie Bleiplatten, mit denen Löcher abgedichtet worden waren. Noli glaubt, dass das schwer beladene alte und leckende Schiff in einen Sturm geriet und sich die schweren Stoßzähne an Bord verlagerten. Das habe das Schiff womöglich kentern lassen. "Und dann ging es abwärts", spekuliert Noli, "in die Tiefe gerissen von dem Schatz."

Unklar ist noch, um was für ein Schiff es sich genau handelt. Die spanischen und portugiesischen Münzen an Bord des Schiffes, die Kanonen- und die Navigationsausrüstung deuten darauf hin, dass es aus dem späten 15. oder frühen 16. Jahrhundert stammt - aus den Zeiten also, als Vasco da Gama und Christoph Columbus die Neue Welt entdeckten. "Es war eine Periode, in der Afrika erkundet wurde - in der die ganze Welt erschlossen wurde", sagte Noli.

Auch die wertvolle Ladung gibt Hinweise auf die Herkunft des Schiffes: Die großen Mengen an Kupfer könnten bedeuten, dass es von einer Regierung geschickt wurde, die auf der Suche nach Material für Kanonen war, vermutet Noli. Auch das Elfenbein deute auf eine offizielle Mission hin - es wurde damals von Adelsfamilien als Handelsgut kontrolliert. Widersprüchlich allerdings seien die vielen Münzen an Bord. Mit ihnen hätte eigentlich das Kupfer und das Elfenbein bezahlt werden sollen. "Entweder hat der Kapitän einen sehr guten Handel gemacht", vermutet Noli. "Oder er war ein Pirat."

Die Archäologen wollen nun in Portugal und Spanien nach Aufzeichnungen eines Schiffes mit entsprechender Ladung suchen: "Man schickt nicht einen Kapitän mit einer solch wertvollen Fracht los und vermerkt das nirgends", meint Noli.

lub/AP



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