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16. September 2017, 12:23 Uhr

Manuskript aus Indien

Ein schwarzer Punkt? Nein, die älteste Null

Die Zahl Null spielt eine zentrale Rolle in der Mathematik. In einer Bibliothek in Oxford haben Forscher nun die wohl älteste bekannte Null entdeckt - in einem 1800 Jahre alten Text aus Indien.

Ein kleiner schwarzer Fleck hat eine große mathematische Karriere hingelegt: Forscher der University of Oxford haben ein Pünktchen in einem 1800 Jahre alten indischen Manuskript als frühesten Beleg für das mathematische Null-Zeichen identifiziert.

Damit sei die Zahl Null etwa 500 Jahre älter als bislang vermutet. Aus dem unscheinbaren Punkt entwickelte sich schließlich das bauchig-runde Symbol, das heute noch gebräuchlich ist.

"Die Erfindung der Null als eigenständige Zahl war einer der größten Durchbrüche in der Geschichte der Mathematik", erklärt der Mathematiker Marcus du Sautoy. "Nun wissen wir, dass Mathematiker in Indien bereits im dritten Jahrhundert die Saat für eine Idee legten, die später so grundlegend wichtig für die moderne Welt werden sollte."

Aufgespürt wurde die Null in einem Manuskript aus dem heute in Pakistan liegenden Dorf Bakhshali. Es ist ein für Händler geschriebener Text. Das Schriftstück war im Jahr 1881 in dem Dorf gefunden worden, seit 1902 lag es in den Beständen der Bodleian-Bibliothek in Oxford.

Dass das Manuskript bereits 1800 Jahre alt ist, wurde erst jetzt durch eine Altersbestimmung mit der Radiokarbonmethode klar. Bislang galt eine Inschrift in einem Tempel im indischen Gwalior aus dem neunten Jahrhundert als ältester Beleg für den Gebrauch der Null, wie wir sie auch heute verwenden.

Vorläufer der Null gab es sogar schon lange vor dem nun datierten Bakhshali-Manuskript. Im alten Babylonien ließ man beispielsweise Lücken zwischen Ziffern, wo man heute eine Null schreiben würde. Die Maya nutzten in ihren Kalendern ein Muschelsymbol für Stellen mit dem Wert Null.

Das in Indien entwickelte und bis heute übliche Dezimalsystem mit den Ziffern von 0 bis 9 kannten allerdings weder Babylonier noch Mayas. Sie nutzten andere, aus heutiger Sicht umständlich erscheinende Zahlen des Sexagesimalsystems oder des Vigesimalsystems.

"Auch wenn mehrere alte Kulturen schon Platzhalter für die Null verwendeten, waren es die im Bakhshali-Manuskript genutzten Punkte, aus denen sich das heute übliche Symbol entwickelte", schreiben die Forscher in der Pressemitteilung. In Indien habe sich das Symbol zu einer eigenständigen Zahl entwickelt. Dort entstand das Konzept der Null, das bis heute existiert.

hda/AFP

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