Umstellung in Europa Sommerzeit, Winterzeit - was soll jetzt gelten?

Die EU-Bürger wollen die Zeitumstellung abschaffen, doch die zuständigen Minister können sich nicht einigen. Woran es hakt - und was eine Änderung für Deutschland bedeuten würde.

Bahnhofsuhren als Teil einer Kunst-Installation in Düsseldorf: "Die Kommission hat nicht vor, eine Folgeabschätzung durchzuführen"
Federico Gambarini/dpa

Bahnhofsuhren als Teil einer Kunst-Installation in Düsseldorf: "Die Kommission hat nicht vor, eine Folgeabschätzung durchzuführen"


Das Ende der Zeitumstellung in der Europäischen Union ist immer noch nicht absehbar. Es brauche noch eine intensive Debatte in den EU-Ländern, sagte die niederländische Infrastrukturministerin Cora van Nieuwenhuizen am Rande eines EU-Ministertreffens in Luxemburg. "Anschließend sehen wir, wo wir stehen." Aus dem Europaparlament, das für das Ende der Zeitumstellung gestimmt hat, kam harsche Kritik an dem zögerlichen Handeln.

Die EU-Kommission hatte vergangenen Sommer vorgeschlagen, die Zeitumstellung schon 2019 abzuschaffen. Dann könnte jedes EU-Land selbst entscheiden, in welcher Zeitzone es sein möchte. Zuvor hatten sich die EU-Bürger in einer Onlineumfrage der Brüsseler Behörde für ein Ende des Wechsels zwischen Sommer- und Winterzeit ausgesprochen. 84 Prozent stimmten entsprechend ab. Allerdings nahmen insgesamt nur 4,6 Millionen Menschen teil, ein Großteil von ihnen kam aus Deutschland.

Der rumänische Verkehrsminister Alexandru-Razvan Cuc betonte nun, dass die EU-Staaten noch Zeit bräuchten, eine Position zu finden. In Deutschland ist Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) zuständig. Er warb in einem Brief an die verantwortlichen Minister der Nachbarländer Deutschlands und anderer Staaten für eine einheitliche Lösung. Ziel der Bundesregierung sei es, verschiedene Zeitzonen zwischen unmittelbaren Nachbarn zu vermeiden.

Die Beeinträchtigungen für den Binnenmarkt sollten so gering wie möglich gehalten werden. Derzeit gibt es in Mitteleuropa eine große Zeitzone von Polen bis Spanien, zu der Deutschland und 16 weitere EU-Länder gehören.

EU-Kommission will keine Folgeabschätzung durchführen

Zugleich forderte Altmaier eine Analyse der EU-Kommission, welche Folgen die Abschaffung der Zeitumstellung sowie neue Zeitzonen haben könnten. Auch die niederländische Ministerin van Nieuwenhuizen fordert eine gründliche Untersuchung. Die Brüsseler Behörde stellt sich jedoch quer.

"Die Kommission hat nicht vor, eine Folgeabschätzung durchzuführen", sagte ein Sprecher. Er betonte, dass ein einheitlicher Ansatz gut für den EU-Binnenmarkt sein dürfte.

Die Bundesregierung hat bei der Frage nach einer möglichen Standardzeit noch keine endgültige Position. Altmaier hatte sich für eine dauerhafte Sommerzeit ausgesprochen.

Zur Einordnung:

  • Hätte die "ewige Sommerzeit" schon 2019 in Deutschland gegolten, wäre die Sonne in Frankfurt/Main am 1. Januar beispielsweise erst um 9.24 Uhr auf-, und gegen 17.30 Uhr untergegangen.
  • Würde eine dauerhafte Winterzeit eingeführt, hätte das umgekehrte Folgen für die Sommerabende: Am 1. Juli 2019 würde die Sonne in Frankfurt statt gegen 21.30 Uhr nun schon gegen 20.30 Uhr untergehen. Dafür würde sie bereits um 4.20 Uhr aufgehen.

Entscheidung fällt frühestens Ende des Jahres

Die zuständigen Verkehrsminister kommen Ende des Jahres erneut zu einem regulären Treffen zusammen. Dann könnte eine Entscheidung stehen - frühestens. Ein EU-Diplomat sagte, er glaube nicht, dass die EU-Staaten noch auf einen gemeinsamen Nenner kommen. Das Thema sei zu kompliziert. "Hier wird etwas versucht, was nicht die Lösung eines Problems ist, sondern ein Problem kreiert."

Die zuständige EU-Kommissarin Violeta Bulc wies das allerdings zurück. "Niemand redet davon, das Thema fallen zu lassen." Sie glaube daran, dass das Vorhaben in der zweiten Jahreshälfte zu Ende gebracht werden könne.

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Der CSU-Europaabgeordnete Markus Ferber kritisierte einen Stillstand bei den EU-Staaten. "Die europäischen Bürger haben uns einen klaren Auftrag gegeben, dem müssen wir ohne Verzögerung nachkommen. Leider sehe ich bis heute keinen Fortschritt seitens der Mitgliedstaaten."

Der Wechsel zwischen Normalzeit - umgangssprachlich auch Winterzeit genannt - und Sommerzeit ist schon lange umstritten. Seit 1996 werden in der EU am letzten Sonntag im März sowie am letzten Sonntag im Oktober die Uhren jeweils eine Stunde umgestellt.

In Deutschland gibt es die Sommerzeit schon seit 1980. Ursprünglich sollte dank einer besseren Ausnutzung des Tageslichts Energie gespart werden, doch der wirtschaftliche Nutzen ist äußerst umstritten. Außerdem legen wissenschaftliche Erkenntnisse nahe, dass manche Menschen gesundheitlich unter der Zeitumstellung leiden.

jme/dpa/AFP

insgesamt 242 Beiträge
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Seite 1
bebau 07.06.2019
1. Winterzeit!
Nur die Winterzeit ist die astronomisch korrekte Zeit. Dauerhafte Sommerzeit würde bedeuten, dass Mittags immer um 13:00 ist.
Knack5401 07.06.2019
2. Egal ob Kommission oder EU-Politiker,
Gott vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun. Ich verstehe die Jungen immer mehr. Verbrauchte Politiker wie Altmaier fordern eine Analyse. Toll, warum macht man das nach der Befragung der Bevölkerung? Die Politik beider (ehemals) großen Volksparteien hat jeglich Sinn für die Realität verloren. Wählt sie weiterhin konsequent ab, so kann es nicht weitergehen.
helmes.kohl 07.06.2019
3. 30 min
Einfach bei der Hälfte treffen und um 30 min verschieben - so wie damals in Indien. Zu diesem Land haben wir im Moment im Sommer 3,5 und im Winter 4,5 Std. Zeitverschiebung. Und keiner muss sich streiten ;-)
outsider-realist 07.06.2019
4. Was wollten EU Bürger?
Es wurde eine Umfrage gestartet, die angeblich völlig unverbindlich sein sollte....und dann galt die Umfrage plötzlich als verbindliches Votum und das obwohl nur ein minimaler Prozentsatz der EU Bürger abgestimmt haben. Das einzige, was an der Sommerzeit stört ist das Gejammer wegen der Zeitumstellung. Ansonsten lasst einfach alles so wie es ist....alles andere gibt nur zusätzliche Probleme, die wirklich Grund zum Jammern sind. Sowohl ewige "Normalzeit" als auch ewige "Sommerzeit" sind keine Option, es sei denn man verbringt den Tag und den Abend sinnlos vor der Glotze oder daddelnd am Smartphone.
andibaer 07.06.2019
5. Früher ...
... war nicht alles besser - aber es ging ohne (in Europa synchronisierte) Sommerzeit und - die Welt ist nicht untergegangen! Ich muss heute mit Kolleg(inn)en auf der ganzen Welt kommunizieren, die in ganz anderen Zeitzonen leben und arbeiten und es funktioniert. Man sollte dieses Thema also einfach abarbeiten und nicht künstlich aufblasen. Mit der Entscheidung werden einige Lerchen (zu denen ich mich zähle) oder einige Eulen hadern. Aber so wie die Meisten sich mit der aktuellen Situation arrangieren, werden sich die Meisten auch mit der veränderten Situation arrangieren.
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