Zeitungsbericht Delphine sollten "Nessie" jagen

Der Glaube an das Monster von Loch Ness ist nicht nur in schottischen Pubs verbreitet. Auch in der britischen Regierung, sogar unter Führung der Konservativen, hatte "Nessie" einem Zeitungsbericht zufolge Freunde - und die wollten das Monster mit Delphinen aufspüren.


Die britischen Konservativen sind eigentlich nicht bekannt für ihren Hang zum Phantastischen. Doch Ende der siebziger Jahre wurden auch die Tories schwach, glaubt man einem Bericht der Tageszeitung "Daily Mirror". Demnach wollte die britische Regierung 1979 Delphine in den USA kaufen, um das sagenumwobene Monster von Loch Ness aufzuspüren. Das Umweltministerium begründete die Initiative damals damit, dass eine Entdeckung von "Nessie" dem Tourismus in Schottland gut täte, berichtet der "Daily Mirror" unter Berufung jetzt freigegebene Geheimpapiere.

Angebliches "Nessie"-Beweisfoto von 1934: Britische Regierung soll versucht haben, Delphine auf das Ungeheuer anzusetzen
AP

Angebliches "Nessie"-Beweisfoto von 1934: Britische Regierung soll versucht haben, Delphine auf das Ungeheuer anzusetzen

Das Blatt bezieht sich auf das Schreiben eines Beamten des britischen Umweltministeriums, das dieser an die schottische Regionalregierung gesandt hatte. Darin habe London um Erlaubnis für die Umsetzung des Delphin-Plans gebeten.

Man habe sich sogar, so versicherte der Beamte, von Wissenschaftlern bestätigen lassen, dass keine Tierquälerei im Spiel sei - schließlich neigen britische Tierrechtler traditionell zur Militanz. Offenbar hat der Staatsdiener vergessen, bei der Gelegenheit zu fragen, wie Delphine auf das Süßwasser im Loch Ness reagieren.

Im schottischen Nationalarchiv jedenfalls finde sich keine Antwort auf den Brief, heißt es im "Mirror". Allerdings könne der Delphin-Plan eine Idee des Monsterjägers Robert Rines sein. Rines ist der Gründer der Academy of Applied Science in den USA und machte unter anderem 1972 mit einem Unterwasserfoto Schlagzeilen, das eine Flosse von "Nessie" zeigen soll. Die Akademie habe bestätigt, dass Ende der siebziger Jahre mit Minikameras ausgerüstete Delphine trainiert wurden, große Objekte unter Wasser zu fotografieren.

So aber bleibt die Existenz des Ungeheuers im schottischen Loch Ness unbewiesen - auch wenn Menschen die Kreatur, deren Legende bis ins siebte Jahrhundert zurückreicht, immer wieder gesehen haben wollen.

"Nessie" ließ auch die britische Regierung nicht zur Ruhe kommen. Erst vor wenigen Tagen wurden Archivberichte bekannt, denen zufolge London versuchte, das Monster gesetzlich vor Wilderern und Trophäenjägern zu schützen.

Erfolg hatte der britische Gesetzgeber allerdings nicht. "Nessie" fällt nach wie vor unter den Wildlife and Countryside Act von 1981. Ihm zufolge ist es erlaubt, "Nessie" mit einer Falle zu fangen, zu erschießen oder in die Luft zu sprengen.

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