Zufallsfund im Museum 100.000 Jahre alter Schmuck entdeckt

Wahrscheinlich schon vor 100.000 Jahren griffen die Menschen zu Schmuck. Dies schließen Forscher aus Schneckenhäusern, die bereits vor 60 Jahren in Israel und Algerien gefunden worden waren und seitdem in Museumsarchiven lagern.


Die drei Schneckenhäuser sind in der Mitte mit Bohrungen versehen, an denen sie wahrscheinlich aufgefädelt werden konnten. Entdeckt hatten sie Ausgräber bereits in den dreißiger und vierziger Jahren in Israel und Algerien. Seither schlummerten die Funde in den Archiven des Museum of Natural History in London und des Musée de l'Homme in Paris. Eine genaue Altersbestimmung haben erst jetzt Wissenschaftler um Marian Vanhaeren vom University College in London vorgenommen.

Die Forscher rekonstruierten aus den alten Aufzeichnungen die Fundorte der Schneckenhäuser, begutachteten die geologische Formation, bewerteten Steinwerkzeuge, die gleichzeitig mit den Muscheln gefunden worden waren und nutzten Daten aus der Radiokarbonmethode. Für beide Fundstellen habe sich ein Alter von etwa 100.000 Jahren ergeben, berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin "Science" (Bd. 312, S. 1785).

Diese bisher ältesten bekannte Schmuckfunde belegen, dass der moderne Mensch in Afrika bereits sehr früh Verhaltensweisen zeigte, die auf eine kulturelle Entwicklung hindeuten, erklären die Forscher. "Diese Menschen waren vermutlich nicht nur biologisch modern, sondern auch kulturell und kognitiv modern, zumindest bis zu einem bestimmten Grad", meinte Koautor Francesco d'Errico vom Institut de Prehistoire et de Geologie du Quaternaire in Talence (Frankreich).

Bisher vermuteten die meisten Wissenschaftler diese ersten Zeichen menschlicher Kultur mit Schmuck, Malerei, Kunst und Musik erst vor etwa 40.000 Jahren. Diese Ansicht kam vor zwei Jahren mit dem Fund eines 75.000 Jahre alten, mit Resten von Ockerfarbe bedeckten Schneckenhauses aus Südafrika erstmals ins Wanken.

Auch wenn es sich nur um drei Schneckenhäuser handelt, glauben die Forscher an die Aussagekraft ihrer Fundstücke. Allein die Tatsache, dass die in Algerien entdeckten Schalen vom 200 Kilometer entfernten Meer an den Fundort gebracht wurden, deute auf eine besondere ideelle Bedeutung der Schalen hin.

Unklar ist noch die Funktion der Schneckenhäuser. Sie könnten auch als Geschenk gedient haben, um soziale oder wirtschaftliche Beziehungen zu stärken, sagte Marian Vanhaeren vom University College London.

hda/ddp/dpa



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