Zufriedenheitsstudie Arroganz macht unglücklich

Wer schlecht über andere Menschen denkt, hat ein Problem: Forscher haben herausgefunden, dass arrogante Personen oft unglücklich sind - und ein erhöhtes Risiko besitzen, psychisch krank zu werden. Nun soll eine Therapie helfen.

Arroganz: "Wie wir andere wahrnehmen, verrät extrem viel über unsere Persönlichkeit"
Corbis

Arroganz: "Wie wir andere wahrnehmen, verrät extrem viel über unsere Persönlichkeit"


Manche Menschen sind ausgesprochene Lästerbacken: Die Kassiererin an der Kasse ist ihnen zu langsam, die Kollegin erzählt immer nur langweilige Geschichten, und der Nachbar hat anscheinend nichts Besseres zu tun, als das ganze Wochenende lang sein Auto zu polieren. Wer so redet, verrät allerdings nicht nur etwas über seine Umgebung, sondern auch viel über sich selbst. Denn wie positiv - oder auch negativ - jemand andere Menschen einschätzt, zeigt, wie glücklich er selbst ist.

"Wie wir andere Menschen wahrnehmen, verrät extrem viel über unsere eigene Persönlichkeit", sagt Dustin Woods, Psychologieprofessor von der Wake Forest University in Winston-Salem (US-Bundesstaat North Carolina). Der Forscher hat das Phänomen gemeinsam mit einem US-amerikanischen Wissenschaftlerteam untersucht, und die Ergebnisse im Fachmagazin "Journal of Personality and Social Psychology"veröffentlicht.

Für ihre Studie stellten die Forscher Teilnehmern die Aufgabe, positive und negative Charaktereigenschaften von drei Personen aufzuzählen. Dabei mussten sich entweder Freunde gegenseitig bewerten, Erstsemester am College sollten etwas über ihre Zimmerpartner sagen, oder Mitglieder in einer Bruder- oder Schwesternschaft mussten andere in ihrer Organisation beurteilen. Allein aus den Beschreibungen konnten die Forscher schließen, wie wohl sich die Kritiker fühlen, wie mental stabil sie sind und wie andere Menschen über sie urteilen.

"Andere positiv zu sehen, hat auch einen positiven Einfluss auf die eigene Persönlichkeit", sagt Wood. Die Menschen seien häufig glücklich, enthusiastisch, gutmütig und emotional stabil. Wer hingegen eher negativ über andere urteile, habe mit hoher Wahrscheinlichkeit selbst einen Hang zu Narzissmus und unsozialem Verhalten. "Menschen mit einer negativen Persönlichkeit betrachten andere Menschen häufig auch sehr negativ", sagt Wood. Damit jedoch noch nicht genug: Wer sein Umfeld schlechtredet, muss auch um seine Gesundheit fürchten.

Laut den Ergebnissen der Studie haben Grummler eine höhere Wahrscheinlichkeit, an Depressionen und verschiedenen Persönlichkeitsstörungen zu erkranken. Dabei könne die negative Denkweise sogar die Basis mancher psychischen Erkrankung bilden, spekulieren die Wissenschaftler. Therapien, durch die Betroffene ihr Umfeld wieder positiver sehen können, könnten in einem solchen Fall sogar den Anstoß zur Heilung geben. Ohne eine Therapie bleibe die Art, über andere zu urteilen, jedoch stabil: Als Wood und sein Forscherteam ihre Versuche ein Jahr später mit denselben Personen wiederholten, bewerteten diese die Personen in ihrem Umfeld wieder ähnlich positiv oder negativ wie schon im Jahr zuvor.

Mit den Ergebnissen ihrer Untersuchung kann laut den Forschern jeder Laie zum Psychologen werden: Wer etwas über sein Gegenüber wissen möchte, müsse denjenigen nur darum bitten, die Eigenschaften von einem Kollegen oder einer Bekannten zu beschreiben. Ist die Wertung sehr negativ kann dies natürlich auch bedeuten, dass die beschriebene Person tatsächlich unausstehlich ist - wer absolut positiv denkt, findet jedoch wahrscheinlich etwas Gutes in jedem Menschen.

irb



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