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Mit Plattfüßen zum Sieg?

aus DER SPIEGEL 51/1990

Plattfüße sind, auch wenn Generationen böswilliger Sportlehrer und geschäftiger Orthopäden das unterstellt haben, in Wahrheit gar kein Mangel, sondern vielleicht sogar ein Vorzug. Zu diesem Schluß gelangt eine im letzten Jahr unternommene Studie an 300 Infanteristen der U. S. Army, deren Ergebnis der Armee-Mediziner Bruce H. Jones mit dem Satz kommentierte: »Vieles, was wir bisher über Plattfüße zu wissen glaubten, gehört in das Reich der Fabel.« Von wenigen Ausnahmen abgesehen ist nach der US-Studie die Empfehlung, flachgebauten Latschfüßen mit entsprechenden Schuheinlagen oder gar chirurgischen Eingriffen aufzuhelfen, nicht länger gerechtfertigt. Zwar sind die Orthopäden noch nicht geneigt, eindeutige Plattfüße als biologische Idealform anzusehen; jedoch zeigte sich bei den US-Infanteristen, daß Füße mit niedrigem Spann häufig flexibler auf Belastungen reagieren und den Streß athletischer Übungen wie Laufen und Springen besser absorbieren können als solche mit hohem Spann. Extrem hoch gewölbte Füße andererseits erwiesen sich als anfälliger für Stauchungen und Frakturen. Von den 300 Versuchs-Rekruten in Fort Benning (US-Staat Georgia) waren rund 20 Prozent als Plattfüßler eingestuft worden; bei einigen von ihnen sahen die Füße, von unten her durch eine Acrylglasplatte fotografiert, »wie Pfannkuchen aus«, wie einer der an der Studie beteiligten Ärzte mitteilte.

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