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Gestorben Steven Weinberg, 88

aus DER SPIEGEL 31/2021
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ap/dpa/picture alliance / SZ Photo

Es gibt nicht viele, die von sich behaupten können, das moderne Weltbild geprägt zu haben; der Physiker Steven Weinberg gehörte zu ihnen. Er war einer der Architekten des sogenannten Standardmodells der Materie. Das ist ein in den Sechzigerjahren entstandenes Formelwerk, das den bis heute gültigen Stand des Wissens zusammenfasst über die Teilchen, aus denen die Welt besteht, und die Kräfte, mittels derer sie aufeinander wirken. 1967 erzielte Weinberg den Durchbruch, in einer gerade einmal zweieinhalb Seiten umfassenden »Mitteilung« verkündete er seine große Idee: Zwei der vier fundamentalen Kräfte – die elektromagnetische und die schwache Kraft – lassen sich vereinen. Inzwischen zählt der Artikel zu den meist zitierten der Wissenschaftsgeschichte, im Jahr 1979 erhielt Weinberg den Nobelpreis dafür. Er versuchte, anhand des Standardmodells den Ursprung des Universums zu rekonstruieren. Aus dieser Forschung ging der populärwissenschaftliche Bestseller »Die ersten drei Minuten« (1977) hervor, in dem er in faszinierender Detailgenauigkeit nachzeichnet, wie aus dem abermilliarden Grad heißen Plasma des Urknalls eine Welt aus Protonen, Neutronen und Elektronen hervorgegangen ist. In diesem Buch findet sich auch Weinbergs wohl berühmtester Satz, in dem er die Tragik der modernen Naturwissenschaft zum Ausdruck bringt: »Je begreiflicher uns das Universum wird, desto sinnloser erscheint es uns.« Steven Weinberg starb am 23. Juli in Austin, Texas.

jg
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