Einzeller Naegleria fowleri »Hirnfressende Amöbe« könnte sich durch Klimawandel ausbreiten

Von 151 Fällen in knapp sechzig Jahren überlebten nur vier Menschen die Infektion: Ein winziges, für Menschen hochgefährliches Lebewesen könnte in den USA vom Klimawandel profitieren.
Könnte sich durch den Klimawandel weiter ausbreiten: der amöbenartige Einzeller Naegleria fowleri

Könnte sich durch den Klimawandel weiter ausbreiten: der amöbenartige Einzeller Naegleria fowleri

Foto: Kateryna Kon / IMAGO

Sie ist ein kleiner Einzeller, der nur im warmen Süßwasser überlebt: Naegleria fowleri. Nach dem Tod eines Kindes  im US-Bundesstaat Nebraska ist das winzige Lebewesen wieder in den Schlagzeilen. Wie die britische Tageszeitung »Guardian« berichtet , unterstreiche der Fall eine beunruhigende Tatsache: »Der Klimawandel begünstigt das Auftauchen der Amöbe in Teilen der Vereinigten Staaten, in denen sie normalerweise nicht vorkommt, wie im Norden und Westen.«

Naegleria fowleri ist dem Robert Koch-Institut zufolge besonders in Gewässern und Böden der Subtropen und Tropen verbreitet, aber auch in natürlich oder künstlich erwärmten Süßgewässern gemäßigter Klimazonen. Am besten vermehre sich Naegleria in Gewässern mit Temperaturen über dreißig Grad Celsius, erklärt dem »Guardian« zufolge Charles Gerba, Mikrobiologe an der Universität von Arizona. Dabei könne sie Temperaturen bis zu 46 Grad Celsius tolerieren und sei damit gut geeignet, sich in einem erwärmenden Klima weiter auszubreiten.

In den USA sei Naegleria bislang vor allem auf die Südstaaten beschränkt gewesen. In den vergangenen Jahren habe sie sich jedoch stetig nach Norden ausgebreitet. Wie der »Guardian« berichtet, zeigt eine Studie aus dem Jahr 2021, dass sich der amöbenartige Einzeller von den Südstaaten in die Gebiete des mittleren Westens ausbreitet, obwohl die Infektionsrate gleich geblieben ist.

Wetterextreme könnten Verbreitung fördern

Auch häufiger auftretende Wetterextreme infolge des Klimawandels – wie Überschwemmungen und Dürren – könnten das Ausbreiten der Krankheitserreger befördern. »In den Dürregebieten konzentrieren sich die Krankheitserreger in den Gewässern«, sagt Yun Shen, Umweltingenieur an der University of California Riverside, dem »Guardian«. Dadurch sei die Dosis des Erregers höher, wenn Menschen in Kontakt mit diesen Gewässern kämen. In Gebieten, die überschwemmt werden, könne das Wasser Krankheitserreger zudem in die Umwelt verteilen. So würden etwa Krankheitserreger aus dem Boden oder aus Gewässern in Häuser gelangen.

Nach Angaben der US-Gesundheitsbehörde CDC  infizieren sich Betroffene in der Regel, wenn kontaminiertes Wasser in die Nase gelangt – etwa beim Baden oder Tauchen. Wandert Naegleria fowleri anschließend ins Gehirn, kann sie lebensgefährliche Entzündung von Gehirn und Hirnhäuten auslösen. Weil dabei Gewebe zerstört wird, ist Naegleria fowleri auch als »hirnfressende Amöbe« bekannt. Infektionen durch Verschlucken oder Trinken schließen Experten aus. Der Erreger ist nicht von Mensch zu Mensch übertragbar.

Kein Fall in Deutschland bekannt

Auch wenn der Einzeller relativ häufig vorkommt, sind Infektionen selten. Die meisten Fälle wurden in den USA, Australien und Frankreich beschrieben – aus Deutschland ist bislang keiner bekannt. Forscher gehen davon aus, dass Fälle in Entwicklungs- und Schwellenländern häufig nicht als solche erkannt und daher auch nicht dokumentiert werden. Zahlen aus den USA zeigen dabei, wie gering das Risiko einer Infektion ist. Nach Angaben der US-Gesundheitsbehörde (CDC) in den USA wurden dort zwischen 2012 und 2021 nur 31 Fälle dokumentiert, berichtet der »Guardian«.

Zwischen Infektion und Symptomen liegen in der Regel ein bis neun Tage. Zu den frühen Beschwerden gehören heftige Schmerzen an der Vorderseite des Kopfes, Fieber und Übelkeit. Anschließend kann es zu Verwirrung, Halluzinationen, einem steifen Nacken und Gleichgewichtsstörungen kommen, bis die Betroffenen das Bewusstsein verlieren.

Die Erkrankung ist äußerst tödlich. Der CDC zufolge haben demnach zwischen 1962 und 2020 nur vier von 151 Betroffenen die Infektion überlebt. Laut einem Fachartikel von 2014  enden mehr als 95 Prozent der bekannten Infektionen tödlich. Nach den ersten Beschwerden tritt der Tod im Schnitt innerhalb von fünf Tagen ein.

tfb
Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.