2500 Jahre alte Moorleiche "Moora" war zierlich und musste hungern

Rechtsmediziner haben erste Geheimnisse der Moorleiche gelüftet, die 2500 Jahre lang tief in einem Sumpf in Niedersachsen begraben war. Das Mädchen war etwa 18 Jahre alt, 1,50 Meter groß und durchlitt mehrfach Hungersnöte.


Moorleiche "Moora": 2500 Jahr alter Fund aus dem Uchter Moor
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Moorleiche "Moora": 2500 Jahr alter Fund aus dem Uchter Moor

"Das ist unser Hamburger Ötzi-Fall", sagte Klaus Püschel. Der Rechtsmediziner und seine Kollegen vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf hatten die rund 2500 Jahre alte Moorleiche untersucht. "Moora" sei etwa 1,50 Meter groß und zwischen 16 und 19 Jahren alt gewesen, als sie im Uchter Moor bei Nienburg versunken sei, sagte der Rechtsmediziner. Darauf deute der Zustand der gefundenen Knochen hin.

Die Untersuchungen ergaben außerdem, dass das Mädchen vermutlich Hungersnöte und Infektionen durchmachte, wie Püschel erklärte. Woran "Moora" starb, sei aber noch unklar.

Man habe am Institut für Rechtsmedizin "jeden Knochen einzeln in die Hand genommen" und geröntgt, ohne äußerliche Verletzungen festzustellen. "Gewalteinwirkung gab es nur durch die Torfstichmaschine", sagte Püschel. Dass man keine Reste von "Mooras" Bekleidung gefunden habe, könne einfach daran liegen, dass das Leinengewebe im Moor komplett verrottet sei.

Mediziner wollen der Moorleiche nun wieder ein Gesicht geben. Dafür seien sämtliche Knochen per Computer vermessen worden, sagte Püschel. Am Bildschirm solle dann die Gestalt des Mädchens rekonstruiert werden. Bis das "Mädchen aus dem Uchter Moor" aber ein Gesicht bekomme, könnten noch etwa ein bis zwei Jahre vergehen.

Hand der Moorleiche: "Für die Gerichtsmedizin der Super-Gau"
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Hand der Moorleiche: "Für die Gerichtsmedizin der Super-Gau"

Die Bedeutung der bislang ältesten Moorleiche Niedersachsens war nur durch einen glücklichen Zufall erkannt worden. Entdeckt wurde die Leiche aus der Eisenzeit bereits im Jahr 2000. Weil die Polizei damals aber von einem aktuellen Kriminalfall ausging, wurden die Überreste in die Gerichtsmedizin der Hamburger Uniklinik gebracht. Erst der Fund einer einzelnen Hand im Uchter Moor im Januar 2005 weckte die Neugier der Archäologen und führte zu den Knochen in der Rechtsmedizin. "Das war für die Gerichtsmedizin der Super-Gau, dass es dann eine fast 3000 Jahre alte Leiche war", meinte Püschel.

Für insgesamt zwei Wochen sollen "Mooras" Überreste in Hamburg untersucht werden. Am Montag soll die Moorleiche im Rahmen eines internationalen Kongresses am Universitätsklinikum Rechtmedizinern aus aller Welt präsentiert werden. "Wir erhoffen uns von den Kollegen Vorschläge für weitere Spezialuntersuchungen", meinte der Professor.



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