Abgase Hamburg und München weiter über Grenzwert bei Schadstoffbelastung

Die Luft ist in vielen Regionen Deutschlands besser geworden, zeigt ein Bericht. Mit der Coronakrise hat das jedoch wenig zu tun. In Großstädten ist die Belastung mit Stickoxiden noch immer zu hoch.
Willy-Brandt-Straße in Hamburg: Vor allem neue Dieselfahrzeuge sorgen laut Umweltbundesamt für weniger Schadstoffe

Willy-Brandt-Straße in Hamburg: Vor allem neue Dieselfahrzeuge sorgen laut Umweltbundesamt für weniger Schadstoffe

Foto: Westend61 / Getty Images

Die Schadstoffbelastung in deutschen Städten ist im vergangenen Jahr gesunken – die Coronakrise hat die Qualität der Luft dabei allerdings nur wenig beeinflusst. Wie das Umweltbundesamt (Uba) am Dienstag mitteilte, wurde 2020 der Grenzwert für Stickstoffdioxid (NO2) voraussichtlich nur noch an rund drei bis vier Prozent der verkehrsnahen Messstationen überschritten. Im Jahr zuvor waren es noch 21 Prozent gewesen.

Es sei »erfreulich, dass sich die positive Entwicklung der letzten Jahre fortsetzt«, erklärte der Präsident des Umweltbundesamtes, Dirk Messner. »Allerdings muss man auch feststellen: Den bereits 1999 beschlossenen Grenzwert zum Schutz der menschlichen Gesundheit hätte Deutschland seit 2010 einhalten müssen. Dass neu zugelassene Dieselautos erst seit kurzer Zeit die Grenzwerte auch auf der Straße einhalten, ist der Hauptgrund für die rund zehnjährige Misere.«

Nur moderne Diesel emittieren auch unter realen Bedingungen weniger Stickstoffoxide

Hauptquelle der Stickstoffoxide in Städten, die vor allem für empfindliche oder vorgeschädigte Menschen wie Asthmatiker und Ältere gefährlich werden können, ist laut Bundesamt der Straßenverkehr. An der Spitze stehen hier Dieselautos mit einem Anteil von rund 60 Prozent. »Nur moderne Diesel-Pkw der Abgasnormen Euro 6d-TEMP und Euro 6d emittieren nicht nur auf dem Prüfstand, sondern auch auf der Straße deutlich weniger Stickstoffoxide«, betonte das Uba.

Während im Jahr 2019 noch 25 Städte von der Überschreitung des NO2-Grenzwertes von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft im Jahresmittel betroffen waren, seien es 2020 »deutlich weniger als zehn«, erklärte das Uba. Nach Auswertung der bereits jetzt vorliegenden Daten liegen demnach »auf jeden Fall« München und Hamburg über dem Grenzwert mit einem Jahresmittelwert von 54 und 41 Mikrogramm NO2. Allerdings wird auch in weiteren Städten wie Stuttgart mit Überschreitungen gerechnet. Die Ergebnisse von etwa 140 Messstationen werden aber erst im Mai erwartet.

Trotz der weiterhin zu hohen Werte in einigen Städten sei insgesamt die Belastung mit Stickstoffdioxid deutschlandweit weiter »deutlich rückläufig«.

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Modellierungen des Bundesamtes zeigen demnach, dass Softwareupdates und Flottenerneuerung im Jahr 2020 zusammen eine deutliche Minderung von rund drei Mikrogramm NO2 pro Kubikmeter bewirkten. Davon seien rund zwei Drittel auf die neuen, deutlich saubereren Fahrzeuge zurückzuführen, ein Drittel auf Softwareupdates.

Vergleichsweise wenig Einfluss hatte indes die Corona-Pandemie: Zwar sanken die an verkehrsnahen Messstationen in Städten gemessenen NO2-Konzentrationen während des Corona-Lockdowns im Frühjahr 2020 im Mittel um 20 bis 30 Prozent. In Bezug auf das Gesamtjahr hatte dies jedoch nur geringe Auswirkungen von in etwa einem Mikrogramm NO2 pro Kubikmeter Luft oder darunter.

koe/AFP