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Regenwald in Peru: Gefährlicher Goldrausch

Foto: CLASlite Team

Abholzung und Quecksilbervergiftung Der hohe Preis des Goldes

Satellitenbilder enthüllen, dass das illegale Goldschürfen im peruanischen Regenwald dramatisch zugenommen hat. Die langfristigen Folgen eines solchen Goldrausches sind bis heute in Kalifornien zu spüren. Dort spülen die Fluten giftiges Quecksilber aus dem Boden.

Hamburg - Madre de Dios ist berühmt für seine vielfältige Tier- und Pflanzenwelt. Es ist eine Region voll von ursprünglichem Regenwald, durch die sich der Rio Madre de Dios schlängelt. Ein Hotspot der Artenvielfalt, sagt Gregory Asner von der Carnegie Institution for Science in Stanford (US-Bundesstaat Kalifornien).

Gemeinsam mit peruanischen Kollegen hat Asner etwas untersucht, was die Region im Südosten Perus bedroht: illegales Goldschürfen. Die Forscher analysierten dafür unter anderem Satellitenaufnahmen aus den Jahren 1999 bis 2012. Im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences"  berichten sie, dass insbesondere seit 2008 erschreckend viel Regenwald durch das Schürfen zerstört worden ist. Sie bestätigten damit eine frühere Studie, laut der der steigende Goldpreis die illegalen Aktivitäten befeuert.

Nach Angaben der Forscher nahmen die Minen im Jahr 1999 weniger als hundert Quadratkilometer ein, im September 2012 waren es mehr als 500 Quadratkilometer (50.000 Hektar). Vor 2008 kamen pro Jahr rund 22 Quadratkilometer dazu. Nach der Finanzkrise und dem damit verbundenen Anstieg des Goldpreises seien pro Jahr rund 61 Quadratkilometer Regenwald neuen Schürfstellen zum Opfer gefallen. "Unsere Ergebnisse zeigen, dass weit mehr Regenwald geschädigt wurde, als die Regierung, Nichtregierungsorganisationen und andere Forscher bisher berichtet hatten."

Hunderte Arten auf einem Hektar

Die Forscher analysierten Aufnahmen zweier "Landsat"-Satelliten mit einem speziellen Programm ("CLASlite" ), das es ermöglicht, auf nur zehn Quadratmeter großen Flächen Veränderungen zu entdecken. Anschließend überprüften sie mit Hilfe von Luftbildern und bei einigen Expeditionen vor Ort die Zuverlässigkeit der Satellitendaten. In 94 Prozent der zusätzlich untersuchten Fälle bestätigte sich der Befund.

Die meisten neu entstandenen Minen sind dem Bericht zufolge mit einer Fläche unter 0,05 Quadratkilometer relativ klein, sie liegen zudem nicht direkt an Flüssen oder Straßen, so dass sie schwerer zu entdecken sind. Ihre Zahl geht in die Tausende, weshalb ihre Gesamtfläche insgesamt etwas größer ist als die der wenigen, sehr großen und schon länger bekannten Minen. Das Goldschürfen sei inzwischen mit Abstand der Hauptgrund fürs Abholzen in der Region, heißt es in der Studie.

500 Quadratkilometer verlorene Waldfläche in 13 Jahren mögen zwar klein erscheinen, schreiben die Forscher. Sie weisen jedoch auf die enorme Artenvielfalt in Madre de Dios hin: "Ein einziger Hektar (0,01 Quadratkilometer) beherbergt bis zu 300 Baumarten und viele weitere Pflanzen- und Tierspezies."

Noch in 10.000 Jahren messbar

Die negativen Folgen des Goldabbaus, bei dem Quecksilber eingesetzt wird, sind zudem weit entfernt zu spüren - und sie halten lange an. Da das giftige Schwermetall in Luft und Wasser gelangt, verbreitet es sich in der gesamten Nahrungskette und kann auch Menschen schädigen, die weit entfernt von den illegalen Minen leben, schreiben die Wissenschaftler.

Eine ebenfalls in "PNAS" veröffentlichte Studie  aus Kalifornien zeigt, welch ein langanhaltendes Problem das Quecksilber darstellt: In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts sind beispielsweise entlang des Yuba River enorme Ablagerungen von mit Quecksilber belastetem Boden entstanden. Bei Überflutungen werden diese Böden ausgewaschen und das Quecksilber beziehungsweise die Quecksilberverbindungen flussabwärts transportiert. Dieses immer mal wieder auftretende Ausschwemmen von durch den Goldrausch vergifteten Böden werde wohl um die 10.000 Jahre anhalten, schreiben Michael Bliss Singer und seine Kollegen von der University of St. Andrews in Großbritannien.

In Peru will man dem illegalen Goldschürfen nun stärker entgegenwirken. Der ebenfalls an der Studie beteiligte Forscher Ernesto Raez Luna vom peruanischen Umweltministerium will die Daten konkret nutzen: "Jetzt haben wir endlich detaillierte und präzise Daten, auf deren Basis die Regierung handeln kann. Wir nutzen diese Studie, um die Peruaner davor zu warnen, welche schrecklichen Auswirkungen das illegalen Schürfen in einer der artenreichsten Regionen der Welt hat." Der Goldabbau müsse gestoppt werden. "Niemand sollte auch nur ein Gramm des Dschungelgoldes kaufen", sagt er.

wbr
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