Achtbeinige Krabbler Biologen entdecken Riesenspinne

Fast vier Zentimeter langer Körper, bis zu zwölf Zentimeter lange Beine: Forscher aus den USA und Slowenien haben die größte Webspinne der Welt aufgespürt. Doch fraglich ist, ob die Nephila komaci in der Natur überhaupt noch existiert - lebend haben sie bislang nur wenige zu Gesicht bekommen.

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Exemplare dieser Größe haben die Biologen Matjaž Kuntner und Jonathan Coddington bisher nur sehr selten zu sehen bekommen. Dabei kennen sich die beiden in Sachen Spinnen besonders gut aus - Tausende von Spinnensammlungen haben sie in den letzten Jahren studiert und dabei eine faszinierende Entdeckung gemacht: Jetzt berichten Kuntner vom slowenischen Institut für Biologie an der Akademie der Wissenschaften und Künste und sein Kollege Coddington vom Smithsonian's National Museum of Natural History in den USA in der aktuellen Ausgabe des Online-Fachmagazins " PLoS One" von Nephila komaci, der größten bekannten Radnetzspinne der Welt.

Die Weibchen haben eine Körperlänge von knapp vier Zentimetern, während ihre Beine zwischen zehn bis zwölf Zentimeter lang werden. Und wie alle Vertreter ihrer Gattung hat auch Nephila komaci eine bemerkenswerte Eigenschaft: Während die Weibchen zu Riesen werden, sind die Männchen in etwa fünfmal kleiner als sie. Forscher sprechen von Geschlechtsdimorphismus. Aber auch in Sachen Beutefang setzen die Seidenspinnen auf XXL: Ihre Netze haben oft einen Durchmesser von mehr als einem Meter.

Tausende von Spinnensammlungen haben die Biologen durchforstet

Nephila-Arten dienen den Biologen häufig als Modellorganismus, um geschlechtsspezifische Größenunterschiede bei Tieren zu untersuchen. Bereits 1767 entdeckte der schwedische Naturwissenschaftler Carl von Linné die erste Nephila-Art. Seitdem sammelten Biologen und Zoologen auf der ganzen Welt fleißig Tausende von Exemplaren für die Spinnensammlungen der Naturkundemuseen.

Diese nahm Kuntner für seine Doktorarbeit genauer unter die Lupe. Dabei stellte er fest, dass es sich bei all den 150 Nephila-Arten, die seit 1879 als Neuentdeckungen beschrieben wurden, gar nicht um solche handelte. In seiner Arbeit korrigierte der Biologe die Liste der Nephilas, viele der vermeintlich neu entdeckten Arten hatte man in Wahrheit bereits zuvor beschrieben. Kuntner korrigierte die Liste der tatsächlich anerkannten auf 15. Andere Spinnengattungen sind dagegen weitaus artenreicher: Mehr als 41.000 Spinnenarten sind der Wissenschaft bekannt. Jedes Jahr erweitern Zoologen die Liste um etwa 400 bis 500 neue Spezies.

Eines der Nephila-Exemplare erregte Kuntners Aufmerksamkeit besonders: In der Spinnensammlung des südafrikanischen Pflanzenforschungsinstituts in Pretoria entdeckte der Biologe 2000 ein riesiges Nephila-Weibchen, das keiner bereits beschriebenen Art glich. Und so machten sich Kuntner, Coddington und ihre Kollegen auf die Suche nach der Riesenspinne. Doch ihre Expeditionen in Südafrika blieben erfolglos.

Dann stießen sie im Jahr 2003 auf ein zweites Exemplar aus Madagaskar, das sich in der Sammlung des Naturhistorischen Museums in Wien befand. Insgesamt untersuchten die Forscher 2500 Sammlungen aus insgesamt 37 Museen auf der ganzen Welt. Doch keine Nephila glich den zwei Riesenexemplaren. Erst als vor wenigen Jahren ein Männchen und zwei große Weibchen in einem südafrikanischen Elefantenpark gefunden worden, konnten sie sicher sein, dass es sich tatsächlich um eine neue Nephila-Art handeln muss.

Jetzt haben die Forscher die neue Spinnenart erstmals klassifiziert und veröffentlicht. Sie gilt nun als die größte bekannte Webspinne der Welt. Außerdem fanden die Wissenschaftler heraus, dass die Nephila-Weibchen im Laufe der Evolution durch natürliche Selektion zu Riesen werden, während die Männchen ihre ursprüngliche Größe behalten haben.

Eines fehlt den Biologen jetzt noch: Um die Art genauer studieren zu können, müssen sie lebende Exemplare finden. Doch obwohl die Tiere so groß sind, gestaltet sich die Suche sehr schwierig. Bisher sind keine weiteren Nephila-komaci-Populationen aufgetaucht. "Wir befürchten, dass die Art vom Aussterben bedroht sein könnte", sagt Coddington.

cib



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