Satellitenbild der Woche Sonnenfänger

In der Wüste von Ägypten wächst einer der größten Solarparks weltweit, zeigen Satellitenbilder. Nachhaltige Stromversorgung ist nicht der einzige Grund für das Megaprojekt.

Solarpark Benban: Sieben Millionen Fotovoltaikpaneele auf einer Fläche von 37 Quadratkilometern
NASA

Solarpark Benban: Sieben Millionen Fotovoltaikpaneele auf einer Fläche von 37 Quadratkilometern


Klaren Himmel, Sonnenlicht und Platz - das gibt es in der Westlichen Wüste Ägyptens zu Genüge. Perfekte Bedingungen, um Solarstrom zu gewinnen. Mithilfe von Fotovoltaik-Unternehmen aus verschiedenen Ländern baut der nordostafrikanische Staat daher seit einigen Jahren an einer der größten Solaranlagen der Welt.

In der Provinz Assuan, etwa 650 Kilometer südlich von Kairo, entsteht auf Wüstensand der umgerechnet etwa 3,6 Milliarden Euro teure Solarpark Benban. Der Erdbeobachtungssatellit "Landsat 8" der Nasa hat den Bau aus dem All dokumentiert.

Im Juni 2018 ist auf den Aufnahmen bereits der erste Teilabschnitt der Anlage zu erkennen. Er ging im Februar des gleichen Jahres ans Netz und wurde von der Berliner Firma IB Vogt gebaut. Inzwischen steht der Solarpark zu 80 Prozent, wie ein Bild der gleichen Region aus dem Oktober 2019 zeigt (zu sehen hier im Schieber).

Wenn die Anlage fertig ist, sollen gut sieben Millionen Fotovoltaikpaneele eine Fläche von 37 Quadratkilometern bedecken. Der Solarpark wird der erste in Ägypten sein, der das Land kommerziell mit Strom aus Sonnenlicht versorgt. Geplant ist eine Leistung von bis zu 1800 Megawatt, berichtet die Nasa.

Abnahme für 25 Jahre zugesichert

Zum Vergleich: Die derzeit größte Solaranlage weltweit, der Longyangxia Dam Solar Park in China, erreicht 850 Megawatt. Ein neues Projekt der Chinesen könnte den Wert des Solarparks Benban allerdings in naher Zukunft schon wieder übertreffen. In Deutschland plant der Energieversorger EnBW einen Solarpark mit 175 Megawatt - es wäre die größte derartige Anlage hierzulande.

An dem ägyptischen Projekt sind 30 private Unternehmen beteiligt. Sie installieren auf insgesamt 41 unterschiedlich großen Einheiten Sonnenkollektoren. Die Finanzierung stellen Finanzhäuser aus aller Welt sicher, darunter die Bayerische Landesbank, die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) die Asian Infrastructure Investment Bank (AIIB) und die Weltbank.

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Satellitenbild der Woche: Schnappschüsse aus dem All

Der ägyptische Netzbetreiber EETC hat vertraglich zugesichert, den Investoren den Solarstrom für die kommenden 25 Jahre abzunehmen. Um den Bau von Straßen und den Anschluss der Anlage ans Stromnetz kümmert sich ein staatliches Unternehmen.

Ziel bis 2035: 42 Prozent Strom aus nachhaltigen Energien

Der Solarpark Benban wird Ägypten helfen, unabhängiger von fossilen Brennstoffen zu werden. Noch zu Beginn des Jahres 2018 gewann das Land 90 Prozent seiner Elektrizität aus Öl und Erdgas. Bis 2020 sollen 20 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Ressourcen stammen, bis 2035 strebt der Staat eine Quote von 42 Prozent an. Auch Wasserkraft spielt dabei eine Rolle.

Dass Ägypten in erneuerbare Energien investiert, ist jedoch kein reines Nachhaltigkeitsprojekt. Das Land hat Probleme, seinen Strombedarf zu decken. Der Solarpark soll helfen, die Knappheit zu beseitigen. Vor fünf Jahren lag die Stromnachfrage in der Spitze bei 28.000 Megawatt, es waren aber nur 24.000 Megawatt verfügbar. Häufig gab es Stromausfälle.

In den kommenden Jahren könnte sich die Lage noch verschärfen, wenn der Staat nicht gegensteuert. Laut Prognosen der Uno wird sich die Zahl der Menschen in Ägypten bei mittlerer Geburtenrate bis 2075 verdoppeln (siehe Grafik). Mindestens in gleichem Maße wird bis dahin auch die Stromproduktion wachsen müssen.

Solaranlagen in der Wüste zu errichten, birgt allerdings einige Herausforderungen. Die extrem hohen Temperaturen können die Wechselrichter beschädigen. Die Bauteile wandeln den von den Fotovoltaikanlagen produzierten Gleichstrom in Wechselstrom um, der für die Einspeisung ins Netz benötigt wird.

Außerdem können Sand und Staub, die bei Wind auf die Paneele geweht werden, die Leistung verringern. Es werden spezielle Maschinen benötigt, die die Oberflächen mehrmals im Monat von Ablagerungen befreien.

jme



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