Äthiopien Klimawandel bedroht Anbau hochwertiger Kaffeesorten

Sie schmecken blumig, fruchtig oder würzig statt bitter. In Äthiopien wachsen einige besonders exquisite Kaffeebohnen, doch klimatische Veränderungen könnten die Anbauflächen reduzieren.
Frischer Kaffee wird verarbeitet

Frischer Kaffee wird verarbeitet

Foto: Bryant Scannell / Getty Images

In Äthiopien liegt Afrikas größtes Anbaugebiet für Kaffee. Oft wachsen hier jene Sorten, die später in hochwertigen Kaffeekreationen verarbeitet werden, etwa der Yirgacheffe, eine der ältesten und begehrtesten Kaffeesorten der Welt. Allerdings bedrohen klimatische Veränderungen die Anbauflächen für Spezialitäten-Kaffee.

»Die geeignete Fläche für hochwertige Kaffeesorten in Äthiopien könnte signifikant schrumpfen, wenn der Klimawandel ungebremst weitergeht«, schreibt das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung PIK in einer Pressemitteilung . »Gleichzeitig könnte die Fläche zunehmen, die für durchschnittlich schmeckenden Kaffee geeignet ist.«

Klimakrise

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Im schlimmsten Fall 40 Prozent weniger Anbaufläche

Ein internationales Forscherteam unter PIK-Beteiligung hat modelliert, wie sich Veränderungen der mittleren Temperatur, der Niederschlagsmenge und 17 weiterer Faktoren auf den Anbau fünf verschiedener Kaffeesorten in der Zukunft auswirken werden.

Der Yirgacheffe etwa, der im Südwesten Äthiopiens wächst, könnte bis zum Ende des 21. Jahrhunderts im schlimmsten Fall mehr als 40 Prozent seiner Anbaufläche verlieren. Ähnlich düster sind die Prognosen für Harar-Kaffee, schreibt das Team im Fachmagazin »Scientific Reports« . Auch die Bedingungen für den Anbau von Limu und Siamo dürften sich verschlechtern. Für Nekemte-Kaffee geeignete Flächen könnten dagegen wachsen.

Ähnlich wie beim Wein haben Temperaturen auch auf die Qualität des Kaffees großen Einfluss. Wird es wärmer, reift die Kaffeekirsche, die Steinfrucht der Kaffeepflanze, schneller als die Bohnen in ihrem Inneren. Das beeinträchtigt die Qualität. Regen begünstigt grundsätzlich das Wachstum, kann der Qualität im Übermaß aber auch schaden.

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Wirtschaftliche Folgen

Die von den Fachleuten modellierten Veränderungen hätten nicht nur Einfluss auf den Kaffeegenuss, sondern auch auf die lokale Wirtschaft in Äthiopien. Der Premiumkaffee wird dort von Millionen von Kleinbauern produziert, die mit der hohen Qualität deutlich mehr verdienen als mit durchschnittlichen Kaffeesorten möglich wäre.

Seien die Kleinbauern gezwungen, »auf den Anbau konventioneller, weniger schmackhafter und eher bitterer Kaffeesorten umzusteigen, würden sie plötzlich mit industriellen Produktionssystemen konkurrieren, die anderswo effizienter sind«, erklärt Christoph Gornott vom PIK und der Universität Kassel. »Für Äthiopien, in dem der Kaffeeexport etwa ein Drittel aller Agrarexporte ausmacht, könnte sich das als fatal erweisen.«

Ein Ausweg könnte nach Angabe der Fachleute sein, die Anbaustrategie regional gezielt auf neue klimatische Bedingungen anzupassen, sodass möglicherweise andere, hochwertige Sorten genutzt werden könnten.

jme/dpa
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