Affen-Kommunikation Meerkatzen kombinieren Laute zu neuem Sinn

"Hack pyow" bedeutet nicht dasselbe wie "pyow hack": Meerkatzen kombinieren Ruflaute neu und übermitteln dadurch unterschiedliche Informationen - genau wie der Mensch. Die kleinen Affen könnten damit gängige Theorien zur Sprachentwicklung zu Fall bringen.


"Hack pyow!" Wenn eine Meerkatze diesen Ruf ausstößt, dann heißt das soviel wie: Achtung gefährlicher Adler kommt. Ruft sie aber "Pyow hack!", dann machen sich daraufhin ihre Artgenossen gemütlich auf den Weg zu ihr.

Große Weißnasenmeerkatze: Begrenztes Repertoire an Ruflauten wird neu kombiniert
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Große Weißnasenmeerkatze: Begrenztes Repertoire an Ruflauten wird neu kombiniert

Klaus Zuberbühler, Wissenschaftler an der schottischen Universität St. Andrews, und seine Kollegen haben das Kommunikationsverhalten der Großen Weißnasenmeerkatze untersucht und herausgefunden, dass diese einzelne Rufe unterschiedlich kombiniert und damit verschiedene Informationen übermittelt werden - genau wie das der Mensch auch macht.

Das Ergebnis stellt ihrer Meinung nach gängige Theorien in Frage, denen zufolge der Mensch als einzige Primatenart in der Lage ist, Informationen mit Hilfe einer Abfolge mehrerer Laute zu übermitteln. Die Wissenschaftler präsentieren ihre Studie in der Fachzeitschrift "Current Biology" (Bd. 15, Heft 5).

Wie die meisten Meerkatzenarten verfügt auch die Große Weißnasenmeerkatze über ein eingeschränktes Repertoire an Lauten: Zuberbühler beschreibt nur zwei Rufe, die von den Primaten eingesetzt werden. Der eine Ruf klingt wie "pyow" und wird von den Meerkatzen vor allem verwendet, um Artgenossen vor Leoparden zu warnen. Den zweiten Laut bezeichnen die Forscher als "hack". Mit diesem Warnruf weisen sich die Affen gegenseitig auf Kronenadler hin, zu deren bevorzugten Beutetieren die Meerkatzen gehören. Auch die Kombination von "hack" und "pyow" weist auf die Anwesenheit eines solchen Adlers hin.

Werden die Laute jedoch anders herum kombiniert, also zunächst ein "pyow"- und dann ein "hack"-Ruf, so beobachteten die Forscher kein Fluchtverhalten, sondern eine gemächliche Bewegung der Affen zum Ursprungsort des Rufes. Um die Reaktion der Affen zu testen, spielten Zuberbühler und sein Team den Tieren verschiedene Aufnahmen dieser Rufe vor. Dabei stellten sie fest, dass die Tiere sich nur dann in Bewegung setzten, wenn sie die Rufe eines Mitglieds der eigenen Gruppe zu hören bekamen. Die Lautkombinationen der Affen aus "pyow" und "hack" enthalten demnach mindestens drei unterschiedliche Informationen, schlossen die Forscher: Die Identität des Tieres, das beobachtete Ereignis und die Absicht des Tieres, sich in Bewegung zu setzen.

Das widerspricht bisherigen Theorien, denen zufolge sich die Kombination von Lauten erst wesentlich später, nämlich während der Evolution des Menschen, entwickelt hat. Diesen Theorien nach begann Homo sapiens erst verschiedene Laute aneinander zu fügen, als die Zahl von Einzellauten zu umfangreich wurde. Dagegen argumentiert Zuberbühler, dass auch die Begrenztheit der zur Verfügung stehenden Laute ein Auslöser für die Entwicklung von komplexer Sprachfähigkeit gewesen sein könnte.

lub/ddp



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