Afrikanische Savanne Termitenhügel sagen Klimawandel voraus

Insekten helfen Klimaforschern: Weil Termiten nur dort leben, wo die Erde leicht feucht ist, verraten Größe und Verbreitung ihrer Nester, wie sich die Vegetation und die Niederschlagsmenge in der Umgebung entwickelt hat - und ob es dort in Zukunft feuchter oder trockener wird.

Nature Communications / Shaun Levick

In der afrikanischen Savanne prägen Termitenhügel oft das Bild der Landschaft. Die Insekten bauen aus Erde und zerkauten Pflanzen Hügel, die manchmal mehrere Meter hoch sind. Damit haben sie nun auch der Wissenschaft einen Gefallen getan: Forscher des Carnegie Institution for Science in Stanford nahmen aus der Luft Bilder von Landschaften mit Termitenhügeln im südafrikanischen Kruger National Park auf. Die Forscher konnten so erkennen, dass die Größe und Verbreitung der Termitenhügel eng mit Veränderungen der Vegetation und der jährlichen Niederschlagsmenge zusammenhängen, wie sie in der Zeitschrift "Nature Communications" berichten.

Die Termiten bauen ihre Nester oft in Gegenden, die weder zu feucht noch zu trocken sind. Diese Bedingungen finden sie unter anderem an Hängen von Hügeln, in denen Wasser unterirdische Tunnel in die sandige Erde gegraben hat. Bäume wachsen besonders gut auf den oberen Teilen solcher Hänge, wo die Erde leicht feucht ist und auch die Termiten ihre Nester bauen. Gräser finden sich eher in der nassen Erde am Fuß der Hügel. Die Termitenhügel zu untersuchen war jedoch zuverlässiger als nur die Vegetation selbst zu beobachten, denn welche Pflanzen gerade wachsen, hängt stark von der Jahreszeit ab.

"Diese Zusammenhänge machen die Termitenhügel zu exzellenten Indikatoren für Geologie, Hydrologie und den Zustand der Böden", sagt Shaun Levick, der die Studie leitete. "Und diese Bedingungen beeinflussen, welche Pflanzen wachsen und wie sich das gesamte Ökosystem entwickelt. Wir haben die Dichte, Größe und Anordnung der Termitenhügel beobachtet und dabei den Zusammenhang zu den Vegetationsmustern berücksichtigt."

Auch das Bildsystem der Wissenschaftler gab Aufschluss: Bisher konnten Forscher nur aus zweidimensionalen Bildern einzelner Hügel Rückschlüsse ziehen. Das System der Carnegie-Forscher dagegen ähnelt den bildgebenden Verfahren, die in der Medizin eingesetzt werden: Es durchdringt die Bodenbedeckung bis zur Erdschicht und erfasst dreidimensionale Strukturen. Durch spektroskopische Verfahren konnten die Forscher sogar die chemischen Fingerabdrücke einzelner Arten erkennen. Insgesamt nahmen die Forscher 40.000 Termitenhügel in ihre Landkarte auf.

Aus den Ergebnissen der Forscher lässt sich die zeitliche Entwicklung der Landschaft nachvollziehen. "Wir haben die Vegetation und die Eigenschaften der Termitenhügel in trockenen, durchschnittlichen und feuchten Zonen der afrikanischen Savanne untersucht", sagt Levick. So erkannten die Forscher Muster, nach denen Niederschlagsmenge, Beschaffenheit der Böden und andere Faktoren bestimmen, wie sich die Vegetation verändert.

Den Wissenschaftlern zufolge ermöglichen diese Ergebnisse sogar einen Blick in die Zukunft: "Nachdem wir jetzt die Muster der Vegetation und der Termitenhügel in unterschiedlich feuchten Zonen verstanden haben, können wir vorhersagen, wie die Landschaft sich durch den Klimawandel verändern wird", sagt Greg Asner, der auch an der Studie beteiligt war.

Die Erderwärmung werde voraussichtlich dazu führen, dass der Niederschlag in der afrikanischen Savanne stärker variiere - in manchen Gebieten werde es mehr regnen, in anderen weniger. "Den Vorhersagen zufolge werden viele Zonen trockener, was bedeutet, dass es an vielen Stellen, wo heute noch Gras wächst, eher Sträucher geben wird." Anhand der Termitenhügel lasse sich vorhersagen, welche Gebiete trockener und welche feuchter werden.

sus



insgesamt 2 Beiträge
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drfischer 08.09.2010
1. Klimawandel macht's möglich: Ursache- und Wirkungszusammenhänge neu erfunden
Es gibt kaum etwas, was nicht mit dem Klimawandel in Verbindung gebracht wird. (Nur gut, dass zumindest afrikanische Bürgerkriege nichts mit dem Klimawandel zu tun haben. http://tinyurl.com/38bx33z ). Hier bringen fehlallokierte Forschungsgelder einmal mehr Stilblüten hervor. Eine Argumentation bzw. ein Forschungsergebnis wie im Beitrag ist dann eine passende Prognose, mit der man nicht falsch liegen kann: "Die Erderwärmung werde voraussichtlich dazu führen, dass der Niederschlag in der afrikanischen Savanne stärker variiere - in manchen Gebieten werde es mehr regnen, in anderen weniger. "Den Vorhersagen zufolge werden viele Zonen trockener, was bedeutet, dass es an vielen Stellen, wo heute noch Gras wächst, eher Sträucher geben wird." Anhand der Termitenhügel lasse sich vorhersagen, welche Gebiete trockener und welche feuchter werden."
pi42 08.09.2010
2. Irreführender Titel
Das einzige, was wirklich ausgesagt wird, steht im letzten Satz des Artikels: Falls der Klimawandel kommt, dann wuerde es hier trockener und dort feuchter werden. Wieso sagen dann die Termitenhügel den Klimawandel "voraus"? Das macht übrigens mein Fensterthermometer auch: Immer dann, wenn es draußen warm ist, zeigt es höhere Temperaturen an.
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