Drohende Milliardenschäden Afrikanische Schweinepest kommt näher

Es gibt weder Medikamente noch eine Impfung: Von Osteuropa breitet sich die Afrikanische Schweinepest aus. Bauern warnen vor einem "katastrophalen Szenario", für abgeschossene Wildschweine gibt es Jagdprämien.
Mastbetrieb in Schleswig-Holstein

Mastbetrieb in Schleswig-Holstein

Foto: Carsten Rehder/ picture alliance / dpa

Die Angst vor einem Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland wächst. "Die Seuche kommt näher", sagte der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Bernhard Krüsken, der "Süddeutschen Zeitung". Die Erreger breiten sich seit einigen Jahren über Russland und das Baltikum in Richtung Westeuropa aus.

Die von Viren ausgelöste Krankheit befällt Haus- und Wildschweine. Für Menschen und andere Haus- und Wildtiere ist sie ungefährlich. Die anzeigepflichtige Tierseuche war ursprünglich auf Afrika begrenzt. 2007 gab es erste Fälle in Georgien, von wo aus sich die Seuche in Europa ausbreitete.

Die Tiere entwickeln nach einer Infektion sehr schwere, aber unspezifische Symptome, schreibt das Friedrich-Loeffler-Institut für Tiergesundheit . Neben Fieber, Schwäche, Fressunlust, Bewegungsstörungen und Atemproblemen können Durchfall und Blutungsneigung auftreten. Auch die Fluchtbereitschaft verringere sich mitunter. Die Krankheit endet in 90 Prozent der Fälle tödlich.

Übertragung durch Fahrzeuge und Kleidung

Gegen die Afrikanische Schweinepest (ASP) gibt es keine Mittel: Medikamente existieren nicht, eine Impfung ist nicht möglich. Bei einem Befall in einem Stall muss der gesamte Bestand geschlachtet werden.

In den Ursprungsländern wird das Virus von Lederzecken übertragen. In Europa erfolgt die Übertragung durch direkten Kontakt mit infizierten Tieren über Blut und Sekrete. Weitere Übertragungswege sind das Verfüttern von Speiseabfällen oder Schweinefleischerzeugnissen.

Das Loeffler-Instiut nennt als Infektionsquellen  außerdem Transportfahrzeuge oder kontaminierte Kleidung. Die größten Risiken bestünden durch die illegale Einfuhr und Entsorgung von kontaminiertem Material sowie durch Fahrzeuge oder Personen entlang des Fernstraßennetzes.

Milliardenschäden befürchtet

Die Folgen eines Ausbruchs wären immens, warnte Krüsken in der "SZ": Breite sich der Erreger in Deutschland aus, drohe ein "wirtschaftlich katastrophales Szenario". Exportländer würden Schweinefleisch nicht mehr abnehmen, in Deutschland würden die Preise drastisch fallen.

Die möglichen Schäden für die deutsche Landwirtschaft liegen laut Krüsken "bei zwei bis drei Milliarden Euro pro Jahr". Rechne man die Kosten für die Seuchenbekämpfung und die gesamte Ernährungsbranche hinzu, lande man schnell in "zweistelliger Milliardenhöhe". Der Verband befürchtet eine neue Existenzkrise für viele Unternehmen.

Bauernverband fordert verstärkte Bejagung

Nach den jüngsten Infektionsfällen in Zlin südöstlich von Prag in Tschechien und der Region Warschau in Polen spricht auch das Bundeslandwirtschaftsministerium von einem "hohen Infektionsdruck". Im Kampf gegen die Seuche würden an Lkw-Fahrer aus den betroffenen Ländern Handzettel verteilt. Sie würden gebeten, keine Essensreste wegzuwerfen. Außerdem habe man eine Übung mit den Landesministerien abgehalten, um die Kommunikation zu verbessern, schreibt die "SZ".

Der Bauernverband fordert einen strengeren Kampf gegen die Seuche. "Wir müssen uns besser vor einer Einschleppung schützen", sagte Krüsken der "SZ". "Bislang passiert auf Bundes- und Landesebene zu wenig."

Wildschwein (Archiv)

Wildschwein (Archiv)

Foto: Bernd Settnik/ dpa

Vor allem müsse der Wildschweinbestand mit intensiverer Jagd reduziert werden. So sollten Jäger mit Prämien motiviert werden, mehr Wildschweine zu schießen. Einer Studie des Löffler-Institutes aus dem Sommer zufolge hat sich die "Reduzierung der Population durch verstärkte Bejagung" jedoch bis dahin als wenig erfolgreich erwiesen.

SPIEGEL TV über Wildschweinplage auf Usedom

SPIEGEL TV

Mecklenburg-Vorpommern hat eine Präventivmaßnahme beschlossen: eine Abschussprämie für Wildschweine. Pro erlegtem Wildschwein sollen Jäger 25 Euro bekommen. Ein Anreizprogramm für insgesamt mehr als zwei Millionen Euro. In Bayern stehen 1,5 Millionen Euro zur Verfügung. Niedersachen hat die Schonzeit aufgehoben und rechnet mit bis zu 3,5 Millionen Euro.

"Je größer der Bestand der Tiere, desto größer das Risiko, dass die Seuche ausbrechen könnte", sagt Henning Voigt, stellvertretender Geschäftsführer des Jagdverbands Mecklenburg-Vorpommern und seit mehr als 40 Jahren Berufsjäger.

Bisher wurden immer nur so viele Tiere geschossen, dass sich die wachsende Zahl der Wildschweine ungefähr auf einem Level hielt. Mit der Abschussprämie werde der Bestand, der in Mecklenburg-Vorpommern bei 25.000 Tieren liegen soll, nun um einige Tausend verringert.

brt/AFP
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