Zweiter Herd in Brandenburg Afrikanische Schweinepest breitet sich aus

"Wir haben eine neue Lage": In Brandenburg hat sich erstmals ein Schwein außerhalb der Kernzone mit der Afrikanischen Schweinepest infiziert. Zäune sollen den Erreger nun stoppen.
Afrikanische Schweinepest: Der neue Fundort liegt 60 Kilometer vom bisherigen Cluster entfernt

Afrikanische Schweinepest: Der neue Fundort liegt 60 Kilometer vom bisherigen Cluster entfernt

Foto: Martin Wagner / imago images

Die Afrikanische Schweinepest ist erstmals seit dem Auftreten der Tierseuche in Deutschland auch abseits des bisher betroffenen Gebiets in Brandenburg nachgewiesen worden. Wie das Verbraucherschutzministerium in Potsdam mitteilte, bestätigte das Friedrich-Loeffler-Institut am Mittwoch einen Verdachtsfall bei einem Wildschwein, das ein Jäger am Sonntag an der deutsch-polnischen Grenze im Brandenburger Landkreis Märkisch-Oderland erlegt hatte.

Der Fundort liegt 60 Kilometer von den Kerngebieten der Schweinepest in den Kreisen Oder-Spree und Spree-Neiße entfernt. "Damit haben wir eine neue Lage", sagte Verbraucherschutzministerin Ursula Nonnemacher (Grüne). Nach derzeitiger Einschätzung handle es sich in Brandenburg um zwei voneinander getrennte Seuchengeschehen. Sie verwies auf das dynamische Infektionsgeschehen in Polen. Seit Herbst 2019 waren in Polen mehrere Fälle von Afrikanischer Schweinepest bekannt geworden.

Zusammen mit dem neuen Fund sind in Brandenburg bislang 38 von dem Erreger befallene Wildschweine registriert worden. Befürchtet wird, dass die hochansteckende Krankheit auf Hausschweine überspringen könnte, mit katastrophalen Folgen für Mastbetriebe. Für Schweine verläuft die Krankheit fast immer tödlich.

Für Menschen ist die Tierseuche dagegen ungefährlich. Die Viren sind allerdings extrem widerstandsfähig, sie können über Jahre überleben und ansteckend bleiben - in gefrorenem Fleisch sogar bis zu 1000 Tage lang. Die Stabilität und die leichte Übertragbarkeit über Lebensmittel oder Tierkadaver macht die Eindämmung so schwierig - jedes Wurstbrot, das Reisende auf einem Rastplatz am Waldrand entsorgen, kann ein Wildschwein infizieren, jede Reifenspur eines Lastwagens die Seuche verbreiten.

"Wir brauchen einen festen Zaun"

Ursula Nonnemacher

Auch wenn sich bisher kein Hausschwein infiziert hat, haben mehrere Länder ein Importverbot für Schweinefleisch aus Deutschland verhängt. Darunter auch China, der größte Abnehmer von deutschem Schweinefleisch außerhalb der EU. Die Preise sind daraufhin dramatisch gefallen.

"Wir brauchen einen festen Zaun entlang der gesamten brandenburgisch-polnischen Grenze", sagte Nonnemacher. Das nationale Referenzlabor hat nach den Angaben zudem einen neuen Fall im bisherigen Kerngebiet um die früheren Funde bestätigt. Rund um die Funde hatten die Behörden ein Gefahrengebiet mit Beschränkungen für Bauern, Jäger und Anwohner ausgewiesen.

Im Landkreis Märkisch-Oderland wird nun seit Mittwochvormittag ein mobiler Zaun errichtet. "Fünf Trupps sind unterwegs", sagte Thomas Behrendt, Sprecher des Landkreises. Der Elektrozaun ist für einen Abschnitt von 20 Kilometern Länge geplant. Am Nachmittag soll die Barriere für Wildschweine nach den Angaben stehen.

In Europa tauchte die Krankheit erstmals 1978 auf Sardinien auf, konnte dort aber trotz wiederholter Ausbrüche lokal begrenzt werden. Über kontaminierte Lebensmittel nach Georgien eingeschleppt, begann sich das ASP-Virus dann 2007 in Europa auszubreiten. Von Polen aus hat es nun offenbar erneut Brandenburg erreicht.

koe/dpa/AFP/Reuters
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