Infiziertes Wildschwein in Brandenburg Erster Fall der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland bestätigt

Erstmals ist in Deutschland bei einem Wildschwein die Afrikanische Schweinepest nachgewiesen worden. Das bestätigte Landwirtschaftsministerin Klöckner. Die Bauern der Region sind in Alarmbereitschaft.
An der deutsch-polnischen Grenze wurde ein Wildschweinkadaver bereits am Mittwoch positiv auf die Afrikanische Schweinepest getestet

An der deutsch-polnischen Grenze wurde ein Wildschweinkadaver bereits am Mittwoch positiv auf die Afrikanische Schweinepest getestet

Foto: Martin Wagner / Martin Wagner / imago images

Die für Haus- und Wildschweine hochansteckende und meist tödliche Afrikanische Schweinepest hat Deutschland erreicht. "Der Verdacht hat sich leider bestätigt", erklärte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) am Donnerstag in Berlin. Die Seuche sei seit Jahren in Europa präsent und offenbar von Osteuropa nach Deutschland eingeschleppt worden. Weitere Kadaver in der Region würden nun gesucht.

"Das Virus ist extrem infektiös und leicht übertragbar", so Klöckner. Deshalb müssten nun sogenannte Restriktionsgebiete abgesteckt werden. Damit sind Gebiete gemeint, in denen die Krankheit vermutet wird. Im betroffenen Bundesland Brandenburg, wo der infizierte Wildschweinkadaver gefunden wurde, sollen heute noch erste Ortschaften abgesperrt werden.

Der Verzehr von Schweinefleisch sei jedoch harmlos: "Die Afrikanische Schweinepest ist für den Menschen ungefährlich", beruhigte Klöckner. "Für den Verbraucher ist auch kontaminiertes Fleisch problemlos verzehrbar". 

Bereits am Mittwoch wurde der Wildschweinkadaver an der deutsch-polnischen Grenze gefunden. Der Verdachtsfall wurde dann in der Nacht zu Donnerstag vom Friedrich-Loeffler-Institut geprüft, das als nationales Referenzlabor Verdachtsfälle abklärt.

"Wir haben drei Proben analysiert und die Ergebnisse sind eindeutig", erklärte der Leiter des Instituts Thomas Mettenleiter am Morgen in Berlin. "Bisher ist das ein Einzelfall und wir können nicht abschätzen, wie viele Tiere in Deutschland noch betroffen sind." Der Kadaver im brandenburgischen Landkreis Spree-Neiße sei schon stark verwest gewesen. "Es ist also schon viel Zeit vergangen, in der sich das Virus vielleicht weiterverbreitet hat", so Mettenleiter.

Ein Übertreten der für Menschen ungefährlichen Tierseuche nach Deutschland wird seit Längerem befürchtet. Seit Monaten kursiert sie in Polen. Im März wurde im Nachbarland ein an der Schweinepest gestorbenes Wildschwein nur etwas mehr als zehn Kilometer vor der Grenze zu Deutschland entdeckt.

Bauern in Alarmbereitschaft

Große Sorgen vor wirtschaftlichen Auswirkungen herrschen bei den Bauern. Durch den aktuellen Schweinepest-Nachweis verliert Deutschland den Status "seuchenfrei", es könnten Exportstopps für Schweinefleisch ins Nicht-EU-Ausland drohen, etwa nach Asien. Allein in Brandenburg wurden nach Angaben des Landesbauernverbands vom November 2019 rund 750.000 Schweine in etwa 170 Betrieben gehalten. Von dort werden Ferkel insbesondere in andere Bundesländer und EU-Staaten exportiert.

Landwirtschaftsministerin Klöckner hat nun erste Maßnahmen zur Seuchenbekämpfung bekannt gegeben.

  • Wenn ein infizierter Kadaver eines Wild- oder Hausschweins gefunden wird, soll ein "gefährdeter Bezirk" festgelegt und eine Pufferzone eingerichtet werden. Hausschweine und Schweinefleisch dürfen dann aus diesen Gebieten - bis auf Ausnahmen - nicht herausgebracht werden.

  • Im Fall eines Ausbruchs bei Hausschweinen müssten alle Tiere betroffener Höfe getötet werden.

  • Es sollen Sperrbezirke im Radius von mindestens drei Kilometern um den Betrieb sowie Beobachtungsgebiete im Umkreis von mindestens zehn Kilometern eingerichtet werden.

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Eine Übertragung kann auch durch den Menschen erfolgen. "Wir rufen deshalb Pendler, Kraftfahrer und Pflegekräfte, die von Osteuropa nach Deutschland kommen, auf, besonders vorsichtig zu sein", so die Bundeslandwirtschaftsministerin. Es sollte beispielsweise keine rohe Wurst außerhalb von Mülleimern weggeworfen werden, da Fleischprodukte das Virus in sich tragen und von Wildschweinen gefressen werden könnten. "Das Virus ist sehr stabil und überlebt selbst in gefrorenem Fleisch", so Klöckner. In weiteren Schritten könnte auch der Straßenverkehr an der Grenze eingeschränkt werden: "Das Virus kommt nicht nur auf vier Beinen, sondern auch auf zwei Rädern", so Klöckner.

Zu Hilfen für betroffene Betriebe wollte sich die Ministerin nicht äußern. "Bisher geht es nur um ein Wildschwein - wir wissen derzeit einfach nicht, wie weit das Virus schon vorgedrungen ist und ob bereits Hausschweine betroffen sind."

sug/dpa
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