Ausbruch in Deutschland Wie gefährlich ist die Schweinepest?

Erstmals wurde die Afrikanische Schweinepest bei einem Tier in Deutschland nachgewiesen. Was bedeutet das und wie geht es nun weiter? Der Überblick zur Tierseuche.
Wildschweine in einem deutschen Wald

Wildschweine in einem deutschen Wald

Foto: Christina Krutz / imagebroker / imago images

Zuletzt hatte sich die Lage entspannt: Kadaver von Wildschweinen, die an der gefürchteten Afrikanischen Schweinepest gestorben sind, wurden wieder etwas weiter weg von der deutsch-polnischen Grenze gefunden. Während im März der westlichste Fundort eines Tiers in Polen etwas mehr als zehn Kilometer von der deutschen Grenze entfernt lag, liege der Schwerpunkt des Infektionsgeschehens weiter östlich, hieß es noch Ende August.

Doch nun hat es die Tierseuche doch auf die deutsche Seite geschafft. In Brandenburg wurde am Mittwoch ein Kadaver gefunden, am Donnerstag bestätigte das Bundeslandwirtschaftsministerium den ersten Fall der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland. Zuvor hatten Experten des Friedrich-Loeffler-Instituts das Tier untersucht.

Damit sind jahrelange Bemühungen fehlgeschlagen, das Virus von deutschen Wildschweinen fernzuhalten. Wie geht es nun weiter? Die wichtigsten Fragen und Antworten zu der Tierseuche:

Was ist die Afrikanische Schweinepest?

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist auch unter dem Namen African Swine Fever bekannt. Dabei handelt es sich um eine Viruserkrankung. Es befällt Wildschweine, aber auch Hausschweine. Ursprünglich stammt es aus Afrika, befiel beispielsweise Warzenschweine, und wird dort von Lederzecken weitergegeben. Sie spielen in Mitteleuropa aber keine Rolle. Hier erfolgt die Übertragung durch direkten Kontakt mit infizierten Tieren über Blut und Sekrete. Über Blut wird das Virus am effizientesten übertragen. In der Natur stecken sich Tiere meist nur an, wenn sie am Kadaver eines befallenen Wildschweins schnüffeln oder fressen. Es erkranken oft nur einzelne Tiere, aber das Virus hält sich lange und tritt immer wieder auf.

Weitere Übertragungswege sind das Verfüttern von Speiseabfällen oder Schweinefleischerzeugnissen. Das Friedrich-Loeffler-Institut nennt als Infektionsquellen außerdem Transportfahrzeuge oder kontaminierte Kleidung. Die größten Risiken bestünden durch die illegale Einfuhr und Entsorgung von kontaminiertem Material sowie durch Fahrzeuge oder Personen entlang des Fernstraßennetzes.

Was sind typische Symptome?

Die Tiere entwickeln nach einer Infektion sehr schwere, aber unspezifische Symptome, schreibt das Friedrich-Loeffler-Institut. Neben Fieber, Schwäche, Fressunlust, Bewegungsstörungen und Atemproblemen können Durchfall und Blutungsneigung auftreten. Die Tiere bekommen etwa rote Augen. Auch die Fluchtbereitschaft der Tiere verringert sich manchmal. Die Krankheit endet in 90 Prozent der Fälle tödlich.

Wo wütet die Schweinepest überall?

Vermutlich verließ ASP über ein Schiff den afrikanischen Kontinent. 2007 gab es erste Fälle in Georgien, von wo aus sich die Seuche in Europa ausbreitete. Hier kam ASP bis ins Jahr 2014 nur in Spanien und auf Sardinien vor. Dann trat sie aber in Osteuropa auf - die Verschleppung gelang wohl durch den Reiseverkehr. Zunächst waren Litauen und Polen betroffen. Doch inzwischen hat sich die Seuche weiter ausgebreitet. In Ungarn, Rumänien und Tschechien sind auch Fälle bei Hausschweinen bekannt.

Polen und Rumänien verzeichneten im vergangenen Jahr mit jeweils etwa 2500 Fällen die meisten Erkrankungen. Mehr als 50 tödliche Erkrankungen wurden zuletzt durch Wildschweinkadaver in Westpolen nahe der deutschen Grenze nachgewiesen. Mit Fällen in Belgien tritt das Virus aber auch im Westen von Deutschland auf. Zudem ist es beispielsweise bereits in Brasilien, China oder der Dominikanischen Republik bekannt. Laut dem russischen Veterinärdienst beträgt die Ausbreitungsgeschwindigkeit im Durchschnitt etwa 350 Kilometer pro Jahr.

Wie wird die Seuche bekämpft?

Gegen die Afrikanische Schweinepest (ASP) gibt es keine Hilfe: Medikamente existieren nicht, eine Impfung ist nicht möglich. Bei einem Befall in einem Stall muss der gesamte Bestand geschlachtet werden.

Deutschland konnte die Seuche lange fernhalten und setzte dafür auf präventive Maßnahmen. Zäune sollten verhindern, dass infizierte Tiere eindringen. Die 90 Zentimeter hohen Wildschutzzäune mit Elektroschocks und abschreckenden Duftmitteln wurden in Brandenburg schnell auf- und abgebaut, wenn es lokale Gefährdungslagen gab und infizierte Tiere von polnischer Seite die Grenze zu übertreten drohten. Auch Dänemark hat seine Schweine mit einem Grenzzaun geschützt. Die Schweinezucht ist in dem Land ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Der Zaun ist 70 Kilometer lang und etwa 1,50 Meter hoch und verläuft an der Grenze zwischen Schleswig-Holstein und Dänemark. Experten bezweifeln allerdings, dass sich die Seuche so aufhalten lässt.

Als weitere Maßnahme wird auch der gezielte Abschuss von Wildschweinen eingesetzt. In manchen Bundesländern wie Mecklenburg-Vorpommern oder Bayern sollten Abschussprämien für erlegte Tiere Jäger locken. Durch die Dezimierung der Bestände erhofften sich Experten ein geringeres Verbreitungsrisiko. In Polen wurde außerdem auch das Militär und die Polizei für die Wildschweinjagd eingesetzt.

Ist die Afrikanische Schweinepest für den Menschen gefährlich?

Nein, denn ASP ist keine Zoonose, also keine Infektionskrankheit, die zwischen Tier und Mensch übertragbar ist. Sie ist für uns also ungefährlich. Auch andere Haus- und Wildtiere befällt sie nicht. Der Verzehr von Schweinefleisch ist harmlos: Selbst kontaminiertes Fleisch kann problemlos gegessen werden, darf allerdings nicht in Verkehr gebracht werden.

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Welche Folgen des Ausbruchs in Deutschland werden befürchtet?

Sollte sich das Virus weiter ausbreiten, werden für die Landwirtschaft erhebliche Folgen und Verluste in Milliardenhöhe befürchtet. Das passiert vor allem dann, wenn der Erreger in Deutschland auf Zuchtbetriebe übergeht. Dann drohen Massenschlachtungen. Zudem könnten Exportländer Schweinefleisch nicht mehr abnehmen, und die Preise in Deutschland drastisch fallen.

Noch ist aber unklar, wie weit das Virus in Deutschland verbreitet ist. Nun gelte es festzustellen, ob es über den in Brandenburg entdeckten Kadaver hinaus eine Verbreitung in dem Gebiet gebe, sagte Bundesagrarministerin Julia Klöckner. Sie warnte vor Panikmache. "Es ist ein Wildschwein gefunden worden in einem Landkreis", sagte sie in Berlin. Nun müsse man aber feststellen, welche schweinehaltenden Betriebe es in der Region gebe. Ziel sei es, das Geschehen einzugrenzen und einzudämmen.

mit Material von dpa
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